VBE moniert: Einzügige Hauptschulen müssen sich mit der Bezeichnung "Gefühlte Werkrealschule" begnügen

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht in der Aufsplitterung der ehemaligen "Hauptschulen mit Werkrealschulen" in echte Werkrealschulen (neuen Typs), geduldete Werkrealschulen (einzügig mit zehnter Klasse) und gefühlte Werkrealschulen (einzügige Hauptschulen ohne zehntes Schuljahr) eine bildungspolitische Tragikomödie mit ungewis­sem Ausgang. Zur Farce wird es, wenn man sich vergegenwärtigt, dass alle drei Schultypen jetzt nach dem gleichen Bildungsplan unterrichten.

30.11.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Während künftig mindestens zweizügige Hauptschulen mit zehntem Schuljahr ab 2010/2011 "Werkrealschule" neueren Typs heißen und einzügige Hauptschu­len mit einer zehnten Klasse beantragen können, sich gleichfalls "Werkrealschu­le" nennen zu dürfen, bleibt für die nicht berücksichtigungsfähigen Hauptschu­len ohne zehntes Schuljahr nur noch der Titel "Gefühlte Werkrealschule" übrig. Dabei unterrichten alle drei Schultypen nach einem einheitlichen Bildungsplan: dem der neuen Werkrealschule mit bis zu drei Wahlprofilfächern in der achten und neunten Klasse. Ein Übergang zur Werkrealschule neuen Typs muss in jeder Klassenstufe möglich sein. Obwohl die Werkrealschule einen Mittleren Bil­dungsabschluss vermitteln soll, wird diese Schulart auch weiterhin auf Abstand zur "echten" Realschule gehalten. Dennoch dürfen Schüler beider Schularten mit entsprechenden Noten nach der zehnten Klasse auf die gleichen beruflichen Gymnasien wechseln, die in drei Jahren zum Abitur führen.

Eltern haben immer mehr Schwierigkeiten zu durchschauen, was für ihre Kinder nach der vierten Klasse der richtige Weg ist. Gefühlsmäßig wollen die meisten das Gymnasium als den Königsweg wählen, wissen jedoch sehr wohl, dass die Hürden für die Schüler, so auch wirklich zum Abitur zu gelangen, sehr hoch sind - erst recht nach der Umstellung auf G8. Deshalb geben sich viele auch mit der Realschule zufrieden, die eine "aus- und aufbaufähige Bildung" vermittelt und obendrein noch einen guten Ruf genießt. Die Hauptschule mit Werkreal­schule wirkte dagegen schon immer eher als schwaches Nachahmer-Imitat der großen Schwester Realschule. Mit der Schulgesetzänderung wird dieser Schulart endgültig bescheinigt, dass sie nicht als "Generikum" taugt. Die Regie­rungskoalition hat der Hauptschule eigenhändig die "letzte Ölung" verpasst.


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