VBE widerspricht: Lehrer vernachlässigen keine benachteiligten Kinder

Kinder ausländischer Eltern und solche aus bildungsfernen Familien sind durch ihre Herkunft in den Schulen benachteiligt und werden nicht von den Lehrern benachteiligt, versichert der Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg. Was Lehrer traurig stim­me, sei, wenn es in den Schulen zu wenig Möglichkeiten gebe, diese Kinder so zu fördern, dass sie ihre "Hypothek" im Bildungsbereich abtragen und mit "privilegierten" Schülern gleichziehen können.

04.12.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Es sei ärgerlich, sagt der VBE-Sprecher, wenn den Pädagogen auch in der jüngs­ten Iglu-Studie wieder der Vorwurf gemacht werde, dass sie den sowieso be­nachteiligten Kindern aus bildungsfernem Milieu trotz guter Leistungen den Zu­gang zum Gymnasium oder auf die Realschule verwehrten. In Baden-Württem­berg gibt es in Klasse vier - un­ab­hängig von der Herkunft der Schüler - bis zu einem Notenschnitt von 2,5 in Deutsch und Ma­thematik die Empfehlung für das Gymnasium, bis 3,0 für die Realschule - und nicht etwa aufgrund einer erreich­ten Punktezahl beim Leseverständnis, wie man aus den Iglu-Ergebnissen her­aus­lesen könnte.

Mit großer Sorgfalt erstellen die Lehrkräfte der vierten Klasse anhand der No­tenschnitte gemeinsam die Grundschulempfehlung. Prog­nosen über das Ar­beits- und Lernver­halten der Schüler haben jedoch keinen Ewig­keits­cha­rakter und gel­ten für längstens zwei Jahre. Dass der geforderte Noten­schnitt von den Kindern leichter erreicht wird, die auch daheim die not­wendige Ermun­terung, Unter­stüt­zung und Begleitung erfahren, liegt auf der Hand. Natürlich spielen die Herkunft und das soziale Umfeld des Schülers die entschei­dende Rolle beim Übergangs­verfahren auf die weiterführenden Schulen. Aber ein Fehler im Diktat eines Arztsohnes ergibt die gleiche Note wie beim Kind des allein erziehenden Kanal­arbeiters. Mathematikklassenarbeiten deutscher Schüler unterscheiden sich no­ten­mäßig nicht von denen ausländischer, wenn die Ergebnisse identisch sind.

Was für Diskrepanz und Ungerechtigkeit sorgt, ist der Stellenwert, der Bildung daheim eingeräumt wird, wie man Kinder durch Bücher, Spiele, Museums- und Zoobesuche, durch Gespräche und Anteilnahme – mitunter auch durch private Nachhilfe fördert, was das häusliche Umfeld für die geistige, seelische und kör­perliche Entwicklung des jungen Menschen tut.

Die Schule versagt dann, wenn sie Defizite der Schüler zwar erkennt, diese aber durch eine individuelle Förderung der Kinder nicht kompensieren kann. Das liegt meist daran, dass entsprechende Stütz- und Förderstunden nicht zur Verfü­gung stehen, dass die Klassen zu groß sind. Hier ist die Politik gefordert. Es sei mehr als unfair, so der VBE-Sprecher, diese Bildungsungerechtigkeit den Lehrern zur Last zu legen.


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