"Vielfältige hochwertige Bildungsangebote sichern die Lebensqualität der Menschen auf dem Lande"

"Wir müssen den jungen Menschen auf dem Lande die bestehenden Perspektiven erhalten und – wo immer es möglich ist - auch neue eröffnen. Nur dann werden die Familien mit ihren Kindern in Zukunft hier bleiben", betonten heute in München Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle und Staatssekretär Dr. Marcel Huber. Bayern setzt deshalb seine Politik konsequent fort, den ländlichen Raum zu stärken. Dabei steht das Ziel, differenzierte Bildungsangebote und zahlreiche gute Chancen für junge Menschen, ihre Begabungen hier zu entwickeln, im Mittelpunkt der Anstrengungen, wie Kultusminister Spaenle und Staatssekretär Huber mitteilten.

15.03.2010 Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Chancengerechtigkeit für die Menschen auf dem Lande als Ziel "Vielfältige und hochwertige Bildungsangebote für die Menschen auf dem Lande sind und bleiben deshalb unser Ziel", unterstrich Staatssekretär Huber. Er ergänzte die Dimension der Qualität der Bildungseinrichtungen um die Chancengerechtigkeit im Sinne einer doppelten, nämlich der Begabungs- und Zugangsgerechtigkeit für die Schüler. In Kompetenzzentren habe man in Bayern die rund 340 Realschulen und gut 400 Gymnasien wie auch die beruflichen Schulen organisiert. Eigens nannte der Staatssekretär die verstärkte Neugründung von Berufsfachschulen und Fachober- bzw. Berufsoberschulen in den jüngsten Jahren im ländlichen Raum. Von 21 neuen Berufsfachschulen seien z.B. 17, von den 21 neuen Fach- und Berufsoberschulen 13 in den vergangenen sechs Jahren auf dem Lande errichtet worden.

Schulstandorte sichern Lebensqualität

"In den kommenden Jahren sichern wir die Grundschulen vor Ort und entwickeln die Hauptschule zur Mittelschule weiter", konkretisierte der Bildungspolitiker die Planungen der Staatsregierung.

"Es ist uns ein Kernanliegen, mit Hilfe des Schulwesens die Lebensqualität für die Menschen auf dem Lande und die Standortvorteile von Betrieben in der Region zu sichern", ergänzte er.

Mit diesen Maßnahmen begegnet die Staatsregierung vor allem den Auswirkungen der demographischen Entwicklung: Bis 2020 lassen Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung einen Rückgang von bayernweit etwa 15 Prozent der Schüler erwarten, in manchen Regionen wie Teilen Niederbayerns wird der Rückgang sogar bei gut 20 Prozent liegen. Vor allem durch die Geburtenentwicklung verringere sich die Anzahl der sechs- bis zehnjährigen Kinder im ländlichen Raum in den kommenden zehn Jahren um gut 12 Prozent, in Ballungsräumen lediglich um 1,5 Prozent.

Grundschule bleibt im Dorf

"Kurze Beine, kurze Wege", die mit diesem Slogan verbundene Zusage gilt auch künftig für die wohnortnahe Grundschule. "Ein Kindergarten und eine wohnortnahe Schule gerade für die Jüngsten schafft Lebensqualität für junge Familien auf dem Land, lässt sie in ihrer Region bleiben", unterstrich Kultusstaatssekretär Huber. Dazu dienten bereits heute über 500 jahrgangskombinierte Klassen in den insgesamt rund 2.400 Grundschulen. Diese "Kombiklassen", die aus Impulsen der Reformpädagogik entwickelt wurden, hätten sich in der Fläche als Erfolgsmodell erwiesen. Sie sichern zugleich Schulstandorte, weil Kinder zweier Jahrgangsstufen in einer Klasse mancherorts gewährleisten können, dass die für eine Klasse notwendige Kinderzahl von 13 in der Grundschule erreicht wird.

Mittelschule und Schulverbünde eröffnen Schülern neue Chancen

Mit der Änderung des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen kann Bayern, so Staatssekretär Huber, die Chancen der jungen Menschen auf dem Lande erhalten, ja sogar verbessern. "Die Mittelschule stellt eine qualitative Weiterentwicklung der Hauptschule mit einem gesteigerten, attraktiven Bildungsangebot dar", so der Kultuspolitiker. "Vor allem werden die berufliche Orientierung und die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler etwa mit Ganztagsangeboten an der Mittelschule gestärkt", so der Staatssekretär. Darüber hinaus können die Schüler dort neben dem Hauptschulabschluss auch den mittleren Bildungsabschluss erwerben. "Die Hauptschule ist in Bayern eine leistungsfähige Schulart. Sie wird von einem Drittel der Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs besucht", so Staatssekretär Huber. In der achten Jahrgangsstufe in Bayern etwa besuchten 43.200 der insgesamt 139.000 Jugendlichen die Hauptschule.

"Die große Mehrzahl der Hauptschulabsolventen wird als Auszubildende von der regionalen Wirtschaft gern eingestellt", zitiert Dr. Huber Erfahrungen von Schulleitern und Unternehmern. "Die Vermittlungsquote gerade kleiner einzügiger Hauptschulen ist oft beispielhaft, weil die Verbindung zwischen Schüler, Schule und Ausbildungsstelle sehr eng ist", so Staatssekretär Huber. Grund genug für ihn, diese kleinen Schulstandorte erhalten zu wollen.

Schulverbünde, also der Zusammenschluss von kleineren Hauptschulen, bilden für Staatssekretär Huber den Schlüssel für den Erhalt von kleinen Hauptschulstandorten in den Gemeinden. Gebildet würden sie auf der Grundlage der Beratung aller Beteiligten in Dialogforen. Die Rechtsänderung, die zum Schuljahr 2010/22011 in Kraft treten wird, wird hier die Grundlage für den Erhalt vieler Hauptschulen vor Ort schaffen. Hatte Bayern bereits bisher die Mindestschülerzahl pro Klasse in weiterführenden Schulen mit nur 15 (in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen liegt diese z.B. bei 18) sehr niedrig angesetzt, kann die Mindestklassenstärke in Schulverbünden künftig in Einzelfällen noch unterschritten werden.

Kooperationsmodelle machen ländlichen Raum attraktiver

"Die Kooperationsmodelle zwischen Haupt- und Realschule sowie zwischen Haupt- und Wirtschaftsschule eröffnen den Schülern auf dem Lande neue Chancen", richtete Staatssekretär Huber den Blick auf neu geschaffene Bildungsangebote im ländlichen Raum. Beispielhaft nannte er die Kooperation von Haupt- und Realschule in den Landkreisen Miesbach, Fürth und Ebersberg. An einigen Standorten gibt es künftig nämlich über das bisherige Hauptschulangebot auch neugegründete Wirtschafts- und Realschulen. Zum neuen Schuljahr werde auch die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Wirtschaftsschule im ländlichen Raum Früchte tragen.

"Unser Ziel ist ein attraktives, differenziertes Bildungsangebot in der Fläche für unsere Schülerinnen und Schüler im ländlichen Raum. Und dafür nehmen wir gern eine Menge Geld in die Hand", lautete die Bilanz des Staatssekretärs.


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