Vorfahrt für Qualität an Berliner Schulen

Die Berliner Schulen sind in diesem Schuljahr in einen systematischen Qualitätsentwicklungsprozess gestartet. Sie entwickeln Schulprogramme und führen interne Evaluationen durch. Dies wird nun durch externe Inspektionen ergänzt. Mit dem "Handlungsrahmen Schulqualität in Berlin" der am Montag in Berlin vorgestellt wurde, erhalten die verschiedenen Maßnahmen einen gemeinsamen inhaltlichen Bezug.

30.05.2005 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

In der Pressekonferenz betonte Bildungssenator Klaus Böger: "Der Motor der Bildungsreformen in Berlin heißt Qualität. Der Fahrplan zu mehr Qualität wird strikt eingehalten: Die gesamte Schule legt im Schulprogramm konkrete Qualitätsentwicklungsziele fest, die zunächst intern und dann extern evaluiert werden. Unser Ziel bleibt es, für die spezifische Schülerschaft optimale Lern- und Entwicklungsbedingungen zu schaffen."

Das neue Berliner Schulgesetz legt fest, dass die Berliner Schulen mehr Eigenverantwortung bekommen. Diese Selbständigkeit nutzen die Schulen derzeit, um spezifische Schulprogramme zu entwickeln, die die unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Eingangsvoraussetzungen der Schülerschaft berücksichtigen. Dafür ist ein intensiver Diskussions- und Verständigungsprozess zwischen allen am Bildungs- und Erziehungsprozess Beteiligten erforderlich.

Der Schulprogrammentwicklungsprozess beginnt mit einer Stärken-Schwächen-Analyse. Dadurch kann die Schule datengestützt entscheiden, welche Entwicklungsschwerpunkte für sie besonders wichtig sind. Besonders aussagefähig ist eine derartige Analyse, wenn sie mehrperspektivisch ist, d.h. wenn neben den Lehrkräften auch die Schülerinnen und Schüler und die Eltern, in beruflichen Schulen die Ausbildungsbetriebe, befragt werden.

Alle Berliner Schulen werden bis zum 01. September 2006 ihr erstes Schulprogramm erstellen. Im Schulprogramm werden konkrete Festlegungen getroffen, wie die Schule in den Bereichen Unterrichtsentwicklung, Organisationsentwicklung, Personalentwicklung, Erziehung und Schulleben ihre Qualität verbessern will.

Ein "gutes" Schulprogramm zeichnet sich durch die Qualität der Prozesse aus. Der Prozess endet nicht mit der ersten Textfassung des Schulprogramms, sondern muss laufend qualifiziert werden.

Die interne Evaluation der Schule überprüft den Erfolg ihrer Maßnahmen zum Abschluss eines jeden Schulprogrammentwicklungszyklus. Dazu kann sie selbst Evaluationsinstrumente entwickeln, aber auch durch erneute Anwendung eines Evaluationsinstruments (SEIS) der Bertelsmann-Stiftung. Der Datenabgleich mit ihren Vorjahresergebnissen zeigt dann, in welchen Bereichen es positive Entwicklungen gegeben hat bzw. wo noch weitere Qualitätsverbesserungsmaßnahmen erforderlich sind. Die Ergebnisse dieser internen Evaluation dokumentiert die Schule im Evaluationsbericht. Die Auswertung der Ergebnisse der internen Evaluation bilden dann die Grundlage für den nächsten Schulprogrammzyklus.

Um die Schulen bei der Erstellung der Schulprogramme und bei der Durchführung von interner Evaluation zu unterstützen, wurde von der Senatsverwaltung eine umfängliche Qualifizierungsmaßnahme initiiert. Bis zum Ende des Schuljahres 2006/07 werden ca. 1700 Lehrkräfte als Evaluationsberaterinnen und Evaluationsberater ausgebildet. Die Ausbildung erfolgt durch Fachkräfte der FU und wird vom LISUM (Landesinstitut für Schule und Medien) organisiert. Hiermit ist Berlin als erstes Bundesland den Weg gegangen, je zwei Lehrkräfte aller Berliner Schulen in einem Fachgebiet kompetent zu machen, das in der Ausbildung bisher noch nicht berücksichtigt wurde, jedoch in Zukunft immer mehr Bedeutung an den Schulen gewinnen wird.

Um die Vergleichbarkeit der schulischen Entwicklungen zu gewährleisten, muss die interne Evaluation um eine objektive Außensicht auf der Basis vergleichbarer Qualitätskriterien und -maßstäbe ergänzt werden. So sehen es auch die internationalen Standards vor. Dafür wird in Berlin im Schuljahr 2005/06 die Schulinspektion eingeführt. Jede öffentliche Berliner Schule wird innerhalb von fünf Jahren durch ein Inspektorenteam extern evaluiert. Die Ergebnisse der Schulinspektion werden in einem Bericht festgehalten, in dem sowohl die Stärken der Schule als auch ihr Entwicklungsbedarf dokumentiert werden.

Damit sich die verschiedenen Maßnahmen der Qualitätssicherung und -entwicklung sinnvoll zu einem kohärenten Qualitätsmanagement ergänzen, ist ein Konsens darüber erforderlich, was eine gute Schule ausmacht. Ich lege Ihnen deshalb heute den Handlungsrahmen Schulqualität in Berlin vor, der Qualität in sechs Qualitätsbereichen unterteilt: Ergebnisse der Schule, Lehr- und Lernprozesse, Schulkultur, Schulmanagement, Lehrerprofessionalität und Personalentwicklung, Ziele und Strategien der Qualitätsentwicklung. Den sechs Qualitätsbereichen werden 25 Qualitätsmerkmale und 70 Qualitätskriterien zugeordnet.

Böger: "Der Handlungsrahmen Schulqualität in Berlin bietet den Schulen und allen am Bildungsprozess Beteiligten Orientierung bei der Schulentwicklungsdiskussion, bei der internen und externen Evaluation. Da Qualitätsmanagement in der Bildung - wie überall sonst auch - ein kontinuierlicher Lern- und Verbesserungsprozess ist, soll der Handlungsrahmen auch zur Diskussion in den Berliner Schulen, in den Kollegien, der Eltern- und Schülerschaft, in der Bildungsbehörde und der Öffentlichkeit über ein gemeinsames Qualitätsverständnis anregen. Hierzu möchte ich alle ausdrücklich einladen."


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