GEW Thüringen:

Vorgeschlagener Abbau von 3422 Stellen im Schulbereich gefährdet die Zukunftsfähigkeit des Landes Thüringen

"Vereinfachte Ländervergleiche führen zu schlichtem Denken, zu unpassenden Vorschlägen und zu falschen politischen Entscheidungen." so fasst der Landesvorsitzende der GEW Thüringen, Torsten Wolf, die Ergebnisse der Regierungskommission zur Verwaltungs- und Gebietsreform in Thüringen im Bereich der Personalentwicklung im Schulbereich zusammen.

31.01.2013 Pressemeldung GEW Thüringen

Thüringen als Flächenland hatte im Schuljahr 2011/12 (Zahlen des Statistischen Landesamtes Thüringen und des Thüringer Schulstatistik) ein Lehrer-Schüler-Verhältnis im Bereich der staatlichen Schulen von 1:12,67. Bei den Schulen in freier Trägerschaft beträgt das Lehrer-Schüler-Verhältnis 1:13,33. Dabei haben die verschiedenen Schularten der staatlichen Schulen sehr unterschiedliche Relationen: Grundschulen 1:16,09; Regelschulen 1:10,52; Gymnasien 1:12,44; Gemeinschaftsschulen 1:12,81; Gesamtschulen 1:12,03; Förderschulen 1:3,76 und Berufsbildende Schulen 1:16,6. Wenn man einmal vom Bereich der Förderschulen absieht (Verzerrung durch Abordnung an Allgemeinbildende Schulen und Grundschulen) muss festgestellt werden, dass die Schulen mit dem vorhandenem Personal heute schon keine für die Aufgaben adäquate Personalausstattung haben (individuelle Förderung, zunehmende Heterogenität der Schüler, inklusive Schule). Auch die Klassengrößen entsprechen heute schon meist nicht mehr den gestiegenen pädagogischen Anforderungen (siehe Anhang). Steigender Unterrichtsausfall von bis zu 30% an einzelnen Schulen, ein stetig steigender Krankenstand auf Grund der zunehmenden Belastungen und kollektiv vergreisende Lehrer-Kollektive sind heute schon Alarmsignale einer sich dann weiter zuspitzenden Situation an den Schulen.

Ein Vergleich mit gewachsenen Schulstrukturen anderer Bundesländer, mit teils völlig anderer Schulgesetzgebung und vor allem heute schon deutlich messbar besserer Altersstruktur der Lehrkräfte, ist der Vergleich von Äpfel und Birnen. "Wir fordern die Landesregierung auf sich eindeutig zu erklären, welche schulpolitischen Konsequenzen sie aus dem vorgelegten Bericht zieht und wie sie zukünftig den Rechtsanspruch auf individueller Förderung aller Schüler, die Umsetzung eines inklusiven Schulsystems und die Verbesserung des Altersaufbaus in den Schulen bei einem Personalabbau bei Lehrern von 3.422 Vollzeitstellen realisieren will. Wenn die Entwicklung Personalabbau und Arbeitsverdichtung im Schul- und Hochschulbereich so weiter geht werden die Kosten für diese verantwortungslose Politik die nächste "Generation der beraubten Bildungschancen" zu tragen haben." so Torsten Wolf, Landesvorsitzender der GEW Thüringen

Die GEW Thüringen verweist auf Mecklenburg-Vorpommern, wo dieser Tage eine Rot-Schwarze-Regierung die Weichen auf Zukunft durch gute Bildung mit einem 50-Millione €-Programm zum Erhalt der Attraktivität des Lehrerberufes gestellt hat. "Wir als GEW fordern von der Thüringer Landesregierung mit einem Programm ebenfalls die Bedingungen an den Schulen deutlich zu verbessern. Wir brauchen zur Vermeidung krankheitsbedingten Stundenausfalls eine Vertretungsreserve von 4%, macht 740 Stellen bzw. 41,5 Millionen € zusätzlich. Wir fordern eine, wie in Mecklenburg-Vorpommern nun gewährte, Klassenleiterstunde als Belastungsreduzierung, macht 17 Millionen € zusätzlich. Und wir fordern zusätzliche Lehrkräfte für die Umsetzung einer inklusiven Schule, jährlich 200 Stellen machen 11 Millionen € zusätzlich. Wir benötigen also ein 70 Millionen € - Programm für gute Bildung in Thüringen, allein für die Schulen!" macht Wolf deutlich.

Mit Empörung stellt die Bildungsgewerkschaft fest, dass der Beirat, mit Sitz der Arbeitnehmervertreter, nach der Öffentlichkeit über die Ergebnisse informiert wurde und der Einfluss auf die Ergebnisse der Kommission als marginal zu bezeichnen ist. "Wenn demokratisch wenig legitimierte Kommissionen Regierungshandeln in wesentlicher Weise beeinflussen können, erwarten wir als Gewerkschaft eine gesellschaftlich breit angelegte Diskussion über die Ergebnisse und die Konsequenzen für die Betroffenen." so Wolf.

Quelle www.statistik.thueringen.de/webshop/pdf/2011/02101_2011_00.xls

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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