Warnung vor PISA-Hörigkeit

Vor leichtfertiger PISA-Hörigkeit warnt der Realschullehrerverband NRW. Auch wenn die Ergebnisse der aktuellen Studie insgesamt zufriedenstellend seien, dürfe PISA nicht zur Richtschnur der Bildungspolitik erhoben werden, betont RLV-Vorsitzender Ulrich Brambach. OECD-PISAKoordinator Schleicher höchstpersönlich habe die Fragwürdigkeit der Studie ins Licht gerückt, als er PISA 2006 die Vergleichbarkeit mit vorangegangenen Tests absprach. Dass dann auch noch Einheitsschul-Ideologen, wie gerade erst durch gezielt gestreute Vorab-Informationen geschehen, PISA zur Stimmungsmache gegen das gegliederte Schulsystem missbrauchen, ist für Brambach "ein unglaublicher Vorgang".

04.12.2007 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Realschullehrerverband NRW

"Tatsache ist, dass PISA 2006 und die Vorgängeruntersuchungen nicht den geringsten Anhaltspunkt für Änderungen am Schulsystem liefern", betont Brambach. "Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass zwischen Schulstruktur und Schulqualität kein Zusammenhang besteht. Auf guten Unterricht kommt es an." Das sieht auch der Bildungsforscher Prof. Dr. Peter J. Brenner von der Universität Köln so: "Die aktuelle Debatte ist aber dennoch sehr erfreulich. Sie macht auch für eine breitere Öffentlichkeit deutlich, dass die PISA-Studien für eine Gemeinschaftsschul-Debatte nichts hergeben. Die Probleme, die das deutsche Schulwesen auch nach den offensichtlich besseren Ergebnissen der neuen Studie sicher weiterhin noch hat, lassen sich durch Schulstrukturreformen nicht lösen – und schon gar nicht durch die Auflösung leistungsfähiger Schulformen, wie es die Realschule nach allen bisherigen Befunden ist."

PISA liefert nicht mehr und nicht weniger als eine Momentaufnahme, eng begrenzt auf einzelne Sparten. Die Studie bildet nur einen winzigen Teil der von Schülern und Lehrern geleisteten Arbeit ab. "Darum darf PISA nicht die Schulpolitik bestimmen", erklärt Brambach. Die Weiterentwicklung des Schulsystems müsse auf einer langfristigen Strategie basieren und nicht auf zu kurz greifenden Studien. "Leider ist eine solche Strategie in Nordrhein-Westfalen nicht zu erkennen", bedauert Brambach. "Gäbe es sie, hätte das aberwitzige Zwei-Säulen-Modell der FDP nicht solch panische Reaktionen ausgelöst."

Letztlich hat PISA aus Sicht des Realschullehrerverbandes bestätigt, was der weitaus größte Teil der Bevölkerung (siehe jüngste FORSA-Umfrage) ohnehin weiß: Das gegliederte Schulsystem ist leistungsfähig, zukunftsfähig und gesellschaftlich akzeptiert. Das gelte auch und besonders für die Realschulen, die seit Jahren hervorragende Arbeit leisten, obwohl keine andere Schulform bildungspolitisch derart vernachlässigt werde.

Über den Realschullehrerverband NRW:
Der RLV NRW vertritt als landesweit einziger Lehrerverband dezidiert die Interessen der Lehrkräfte an den über 550 Realschulen in NRW, die mit rund 330.000 Schülerinnen und Schülern eine starke, intakte Schulform und eine Säule des Schulsystems bilden. Unter dem Dach des Deutschen Beamtenbundes (dbb) tritt der RLV NRW für ein vielgliedriges Schulsystem in öffentlicher und privater Trägerschaft ein.


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