GEW Bayern

Weg mit der rosaroten Brille

Wieder und wieder klopft sich das Kultusministerium ganz kräftig auf die Schulter: "Bayern vorne!" Der aktuelle "Bildungsmonitor" würde es doch wieder zeigen: "Junge Menschen haben in Bayern überdurchschnittlich gute Bildungschancen." Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: Das Angebot an Ganztagsschulen in Bayern ist katastrophal, die Klassengrößen sprechen jedem pädagogischen Anspruch Hohn, der Unterrichtsausfall ist enorm hoch, Bayern ist "vorne" mit der höchsten Anzahl an "Sitzenbleibern" in der Sekundarstufe I, Bayern ist "vorne" mit der hohen sozialen Selektivität seines zergliederten Schulsystems. Die große Aufgabe Inklusion harrt noch immer einer Lösung. Gleichzeitig suchen über 5300 gerade ausgebildete junge Lehrer*innen, die dringend gebraucht würden, händeringend nach einer festen Stelle an den Schulen.

15.09.2014 Pressemeldung GEW Bayern

  1. Es fällt weit mehr regulärer Unterricht aus, als in den geschönten Statistiken des Ministeriums eingeräumt wird. Viel zu oft geht es hier nur noch um die Verwaltung des Mangels. Nach wie vor gibt es deutlich zu wenige mobile oder integrierte "Reserven". Ein kleines Beispiel nur war im vergangenen Schuljahr der Unterrichtsausfall am Reichsstadt-Gymnasium in Rothenburg.
  2. Zur Einstellungssituation bzw. zur Arbeitslosigkeit von Lehrerinnen an Schulen stellt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fest: Ungefähr 5300 erfolgreich ausgebildete junge Lehrkräfte waren im August ohne Stelle. Besonders hart trifft es die Kolleginnen, die an Realschulen oder Gymnasien arbeiten möchten. Die Arbeitslosigkeit trifft neben Berufsanfängerinnen immer mehr auch erfahrene, jedoch nicht beamtete und nicht entfristet angestellte Lehrkräfte: Beste- hende Arbeitsverträge werden immer häufiger nicht verlängert – die Unterrichtsstunden werden stattdessen wieder anderen, neuen Bewerberinnen angeboten. In der Antwort auf eine Landtagsanfrage bestätigt das Ministerium selbst, dass die Zahl der befristeten Arbeitsverträge an Grund- und Mittelschulen bzw. an Realschulen allein in den Jahren von 2010 bis 2012 um jeweils deutlich über 100 Prozent angestiegen ist! Die GEW fordert die Schaffung von neuen, sicheren, guten Arbeitsplätzen für Lehrerinnen, solange pädagogischer Bedarf besteht. Die GEW unterstützt daher die öffentlichen Aktionen von "Bewegung in Bildung", einer Initiative junger Lehrerinnen, gegen die miserable Einstellungspolitik der Staatsregierung und ruft Lehrkräfte, Eltern und Schüler*innen zur Teilnahme an den Flashmobs in München am 19. September und am 20. September in Augsburg auf. Zulassungsschranken vor dem Referendariat lehnt die GEW weiterhin ab. Sie erwartet von der Staatsregierung zumindest die baldige Vorlage eines Gesetzentwurfs dazu, damit etwas mehr Klarheit für die Lehramtsstudierenden geschaffen wird. Der Entwurf sollte jedoch noch breit diskutiert werden können.
  3. Qualität und Verbreitung der Ganztagsangebote in Bayern sind nach wie vor katastrophal. Die bisher verkündeten Ansätze der CSU-Landtagsfraktion reichen keineswegs aus, den Rückstand Bayerns hier endlich abzubauen. Immer noch wird Eltern Verantwortung für Unterstützung zugeschoben, die die Schulen übernehmen müssten. Die GEW fordert die "gebundene Ganztagsschule". Die bisherigen Ganztagsangebote im bayerischen Flickenteppich sind unterfinanziert und personell unterbesetzt. Im Interesse von Schüler*innen, Eltern und Beschäftigten fordert die GEW.

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