Weitere 18 Avatare ermöglichen erkrankten Kindern Unterrichtsteilnahme
Schulsenatorin Ksenija Bekeris nimmt am Donnerstag 18 Avatare namens „Karlsson“ von Dr. Klaus Bublitz, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e. V. entgegen.
16.02.2024 Hamburg Pressemeldung Hamburger SenatAm internationalen Kinderkrebstag übernimmt die Schulbehörde das Projekt mit den kleinen weißen Telepräsenzrobotern und führt es in Zukunft in Eigenregie fort. Hamburg hat damit insgesamt 34 Avatare im aktiven Einsatz an den Schulen und im Bildungs- und Beratungszentrum Pädagogik bei Krankheit / Autismus (BBZ). Schulsenatorin Ksenija Bekeris dankt dem gemeinnützigen Verein für die jahrelange gute Zusammenarbeit: „Die wegweisende Vision und das besondere Engagement der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg bei dem Projekt „Karlsson“ hat die Hansestadt zu einer bundesweiten Vorreiterin für innovative Ansätze bei der Reintegration langzeiterkrankter Kinder werden lassen.“
Schulsenatorin Bekeris weiter: „Langzeiterkrankte Schülerinnen und Schüler verpassen aufgrund ihrer Erkrankung nicht nur viel Unterricht, sondern auch viele Momente des sozialen Miteinanders. Mit dem Avatar können sie nicht nur schnell wieder am Unterricht teilnehmen, sondern halten den Kontakt zur Klasse und ihren Freundinnen und Freunden. Hinter der Technik steckt ein innovatives pädagogisches Konzept, das die erfolgreiche digitale Reintegration in die Klasse ermöglicht. Nicht zuletzt hat der Einsatz der Avatare einen positiven Effekt auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Kinder. Ich bin froh, dass wir im Projekt bereits 70 Schülerinnen und Schüler bei der Rückgewinnung der schulischen Alltagsstruktur unterstützen konnten.“
Dr. Klaus Bublitz, Geschäftsführer Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e. V.: „Unsere Gemeinschaft hat dieses Projekt vor über zehn Jahren initiiert und stellte es allein durch Spenden auf eine sichere technische, pädagogische und vor allem praxistaugliche Basis. Mit dem gelungenen Projekteinstieg des BBZ im Februar 2020 glückte dann durch den DigitalPakt Schule und einer weitsichtigen Behördenleitung der Schritt in die Routine. Aus dem kleinen Pilotprojekt ist nun ein wichtiger Teil der psychosozialen Unterstützung von Patienten der Hamburger Kinderkrebsstation geworden. Wir übergeben heute die Projektleitung „Karlsson“, nebst 18 Avataren, zuversichtlich an die Behörde für Schule und Berufsbildung unserer Stadt, dort wo das Projekt hingehört.“
Der Avatar „Karlsson“ nimmt stellvertretend für das erkrankte Kind oder den Jugendlichen den Platz im Klassenraum ein und überträgt den Unterricht per Kamera und Mikrofon auf das Tablet der Patientin oder des Patienten. Das Kind kann den Avatar mit einer App um 360 Grad drehen und auf diese Weise selbst bestimmen, wo es hinschauen möchte. Durch Leuchtsignale am Avatar, die das abwesende Kind ebenfalls per App steuern kann, erfahren sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte in der Klasse, ob die erkrankte Schülerin oder Schüler online ist, eine Frage stellen oder auch nur zuschauen möchte. Im Projekt „Karlsson“ wird Datenschutz großgeschrieben und maximale Transparenz und Akzeptanz sichergestellt. Vor dem Einsatz eines Avatars werden alle Beteiligten zunächst ausführlich mündlich und schriftlich aufgeklärt und geben dann eine schriftliche Einwilligung ab. Für alle Teilnehmenden wird so ein Umfeld der Akzeptanz und des Vertrauens geschaffen.
Jedoch ohne pädagogische Begleitung geht es nicht. Die sehr besondere Situation der kleinen Patientinnen und Patienten und deren Therapie, die Unsicherheit der Mitschülerinnen und Mitschüler, Lehrkräfte und Eltern im Umgang mit einem krebserkankten Kind machen eine kundige und sensible Begleitung insbesondere vor und zu Beginn der Nutzung des Avatars erforderlich. „Karlsson“ ist also beileibe kein reines „Tech-Projekt“, das hat die stetige Projektevaluation gezeigt.
Die Auswahl der Technik spielt aber eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung des Projekts. Durch bidirektionale Tonübertragung und einseitige Bildübertragung schafft der Telepräsenzroboter „AV1“ von No Isolation eine sichere und inklusive Lernumgebung, in der die Schülerinnen und Schüler sowohl aktiv als auch passiv am Präsenzunterricht ihrer Klasse teilnehmen können. Die App-gesteuerte Möglichkeit, den Avatar vom Krankenbett aus um 360 Grad zu drehen, lässt die erkrankten Schülerinnen und Schüler nicht nur interaktiv teilnehmen, sondern gibt ihnen auch die Kontrolle über die visuelle Perspektive im Klassenzimmer.
Die gemeinsame Initiative der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg und der Klinik für Pädiatrische Hämatologie- und Onkologie des UKE aus dem Jahr 2018 hat sich zu einem wegweisenden Projekt entwickelt, das die schulische Reintegration somatisch langzeiterkrankter Kinder und Jugendlicher vorantreibt. Seit 2020 haben mehr als 70 langzeiterkrankte Kinder und Jugendliche am Avatarprojekt „Karlsson“ teilgenommen. Im Projekt stehen 34 Avatare zur Verfügung. Aktuell profitieren 21 Schülerinnen und Schüler vom innovativen Ansatz in verschiedenen Hamburger Schulen aller Schulformen. Die Projektleitung liegt ab heute beim Bildungs- und Beratungszentrum Pädagogik bei Krankheit / Autismus (BBZ).
Die Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e. V. unterstützt seit 49 Jahren die Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), kurz das Kinderkrebs-Zentrum Hamburg. Der gemeinnützige Verein wurde 1975 von betroffenen Eltern krebskranker Kinder gegründet. Die Spendenmittel werden verwendet, um eine optimale Patientenversorgung zu erreichen, psychosoziale Hilfen für betroffene Familien zu leisten und das Forschungsinstitut Kinderkrebs-Zentrum Hamburg zu fördern. Unter dem Slogan KNACK DEN KREBS sensibilisiert die Fördergemeinschaft die Öffentlichkeit für das Thema Krebs bei Kindern.
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