Wenn Mobbing Schülern das Lernen verleidet

"Mobbing" ist kein Unterrichtsfach, und trotzdem steht es bei vielen Schü­lern täglich auf dem Stundenplan - bei Tätern und Opfern. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg ermuntert Eltern und Lehrer, genau hinzusehen und gemeinsam gegen krank machende Aus­gren­zungen und das Nie­der­machen einzelner durch Gruppen vorzugehen.

06.10.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Es sind nicht nur die schlagzeilenträchtigen Attacken, die den Schulen schaden, es sind vielmehr die täglichen kleinen, aber auf Dauer tief verletzenden Sti­che­leien, die scha­denfroh hinaus­posaunten Schwä­chen von Mitschülern und das be­wusste Ausgrenzen von Kindern und Jugendlichen, die in der Regel wahllos ausge­sucht und an­schließend gemeinsam "fertig" gemacht werden. Bei diesen zu­nächst meist nur verbalen Attacken machen selbst Schüler mit, die sonst völ­lig unauffällig er­scheinen, die aber zeigen wollen, dass sie mit zur Gruppe ge­hören.

Schwierig wird es, wenn Opfer sich nicht offenbaren, Zeugen beharrlich schwei­gen. Lehrer spü­ren, wenn etwas in einer Klasse nicht stimmt, können jedoch aus einer ver­muteten Bedrohung einzelner keine gezielten Maßnahmen er­greifen. "Eltern in­ter­pre­tieren dieses Verhalten gerne als be­wusstes Weggucken", moniert der VBE-Vorsitzen­de. Auch in der Schule gelte der Rechtsgrundsatz, dass Täter erst "über­führt" werden müssen, bevor sie nach einer Anhörung, zu der auch deren Eltern gela­den sind, bestraft werden. Der § 90 des Schulgesetzes ("Erziehungs- und Ordnungs­maß­nahmen") gibt den for­malen Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Schule bewe­gen kann.

Besser als Strafe sei stets Vorbeugung, damit es erst gar nicht zum Mob­bing komme, sagt Karg. Schule sei immer ein Spiegel der Gesellschaft. Und wenn in den Firmen, in den Vereinen, in den Fernseh­sen­dungen, manchmal sogar in der eige­nen Familie ge­mobbt werde, müsse man sich nicht darüber wundern, wenn die Schule von heute auch keine "Insel der Se­ligen" mehr sei. Um den in manchen Klassen wirk­lich unhalt­baren Zuständen ent­gegenzuwirken, seien mehr Fachkräfte, Psycho­logen und Sozial­arbei­ter, an den Schulen erforderlich, fordert der VBE-Chef. Angst dürfe keine Schule machen; denn die sei stets ein schlechter Lehr­meister und habe in Klassenzimmern nichts verloren, so Karg.

Der VBE sieht Eltern und Leh­rer in einem Boot, wenn es darum geht, mehr Psychologen und Sozial­arbeiter an die Schulen des Landes zu bekommen.


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