Wie hält es die bayerische SPD mit der Gemeinschaftsschule und dem Fortbestand des Gymnasiums?

Verwundert hat der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, Max Schmidt, auf die Kritik der SPD am gegliederten Schulwesen in Bayern reagiert.

31.10.2007 Bayern Pressemeldung Bayerischer Philologenverband (bpv)

Der SPD-Bildungspolitiker Reinhold Strobl, hatte der CSU vorgeworfen "am gegliederten Schulsystem festzuhalten, obwohl selbst CSU-Minister Zweifel äußern". SPD-Bildungs­sprecher Hans-Ulrich Pfaffmann hatte kritisiert, dass "die viel zu frühe, staatlich erzwungene Schullaufbahnentscheidung" die Zukunftschancen für die jungen Menschen in Bayern erheblich verschlechtere.

Dazu sagte Schmidt am Mittwoch in München: "Es ist schon verwunderlich, dass die SPD zwar das Festhalten der Staatsregierung am gegliederten Schulwesen kritisiert, aber gleich­­zeitig sich vor der Beantwortung der Frage drückt, wie sie sich selbst das Schulsystem der Zukunft vorstellt.

So hat sich bekanntlich inzwischen die Bundes-SPD bei ihrem Hamburger Parteitag mit den Stimmen der meisten bayerischen Parteitagsdelegierten auf eine Gemeinschaftsschule und die Abschaffung aller bisherigen Schularten in der Sekundarstufe 1 festgelegt. Es wäre schön zu wissen, ob auch die bayerische SPD im Falle einer etwaigen Regierungsübernahme die bayerischen Gymnasien und Realschulen abschaffen möchte."

Im Hinblick auf die Kritik an der begabungsgerechten, schulartspezifischen Differenzierung nach Klasse 4 als "staatlich erzwungen" erinnerte der bpv-Vorsitzende daran, dass vor weni­gen Jahren das BLLV-Volksbegehren, das einen späteren Übertritt nach der Aufbaustufe vorsah, trotz massiver SPD-Unterstützung am Mehrheitswillen der Bevölkerung eindeutig gescheitert ist. Außerdem habe die aktuelle Umfrage des bpv deutlich gemacht, dass fast 60 Prozent der bayerischen Grundschuleltern keine Verlängerung der Grundschulzeit wünschen und auch keine Gemeinschaftsschule.

Der bpv-Vorsitzende betonte: "Wer die Gemeinschaftsschule und die Verlängerung der Grundschule in Bayern durchsetzen will, betreibt demnach eine Entmündigung der Eltern gegen deren Willen. Diesen soll die Wahl der weiterführenden Schulart nach der 4. Klasse verboten werden."

Schmidt wies abschließend darauf hin, dass auch die Reform in Rheinland-Pfalz, die jetzt von der SPD als Mustermodell dargestellt wird, den Übertritt nach der 4. Grundschulklasse nicht antastet. Die dortige Ministerin Doris Ahnen und Ministerpräsident Kurt Beck wüssten wohl auch genau, warum sie in dieser Frage nicht gegen den Elternwillen handelten.


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