Wie lernen Kinder mehr?
(bikl) "Grundschüler lernen doppelt soviel, wenn sie nicht immer auf einem Stuhl sitzen müssen", berichtet Prof. Dr. Peter Struck. Der Erziehungswissenschaftler der Universität Hamburg hat Ergebnisse der Gehirnforschung zusammengefasst und bei einem Vortrag auf der Didacta vor zahlreichem Publikum präsentiert. Bei Jugendlichen übrigens verhält es sich genau umgekehrt: Bei ihnen bleibt mehr im Gedächtnis hägen, wenn sie konzentriert zu Werke gehen.
21.02.2006 ArtikelFür die Schulpraxis bedeutet die Berücksichtigung derartiger Erkenntnisse der Hirnforschung freilich einen gehörigen Umbruch. Was in skandinavischen Schulen bereits praktiziert wird und durch wissenschaftliche Untersuchungen erhärtet wurde: Kleine Kinder lernen besser ohne Noten, bei älteren Schülern bewirkt die Notengebung hingegen einen positiven Effekt. Auch diese Erkenntnis trifft im deutschen Bildungssystem auf Strukturen, die einem kindgerechten Lernen entgegenstehen.
Prof. Dr. Peter Struck wies auf Unterschiede etwa zum kanadischen Schulsystem hin. Dort beginnt der Unterricht später, ist in einen Tagesablauf integriert, der Kinder und Jugendliche auch am Nachmittag noch beschäftigt. Die Gehirnforschung belegt: Grundschüler lernen zwischen 8 und 10 Uhr, dann wieder nachmittags von 14 bis 16 Uhr am besten. Ganz anders jugendliche Lerner – ihre Hochleistungsphase liegt zwischen 10 und 12 Uhr und nachmitags zwischen 14:30 und 16:30 Uhr. Laut Struck führt kein Weg an der Ganztagsschule vorbei.
Wie kommen Kinder zu besseren Lernerfolgen? Einer der Schlüssel liegt in der Aktivität der Schüler während des Unterrichts. Nachhaltiges Lernen gelingt nicht durch ruhiges Zuhören, denn laut Untersuchungen können sich Kinder nur 20 Prozent dessen merken, was sie gehört haben. In Kombination aus Hören und Sehen, durch eine optische Präsentation des Lernstoffs, liegt die Merkleistung bereits bei 50 Prozent. Wer aber selbst über Dinge spricht kann auf eine Merkleistung von 80 Prozent kommen. "Sprache lernt man durch Sprechen", resümiert Peter Struck. Am nachhaltigsten verankert sich das Wissen, wenn Schüler selbst aktiv werden, mit Material umgehen – sie merken sich dann 90 Prozent des erfahrenen Lernstoffs.
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