Wöchentlicher Praxistag wird stufenweise ausgeweitet
Beim Übergang von der Schule ins Arbeitsleben und in die berufliche Ausbildung sollen Schülerinnen und Schüler, die im Hauptschulbildungsgang den Abschluss der Berufsreife anstreben, schon ab dem kommenden Schuljahr noch mehr Unterstützung erhalten. "Die Berufsorientierung hat gerade für diesen Kreis von Jugendlichen eine ganz besondere Bedeutung. Ergänzend zu den bereits vorhandenen vielfältigen Unterstützungsmaßnahmen bei der beruflichen Orientierung und Berufsvorbereitung hat sich die Einführung eines wöchentlich stattfindenden Praxistags besonders bewährt. Wir wollen daher gemeinsam den in Koblenz und Trier an zwölf Hauptschulen bereits erfolgreich erprobten Praxistag weiter verbreiten", betonten Bildungsministerin Doris Ahnen und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Otto-Werner Schade.
14.04.2008 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzMit einer jetzt unterzeichneten Rahmenvereinbarung zwischen der Regionaldirektion und dem Ministerium wird ein Stufenplan für die Ausweitung des Praxistags auf alle Schülerinnen und Schüler im Hauptschulbildungsgang in Rheinland-Pfalz in den kommenden drei Schuljahren festgeschrieben. Bereits jetzt hätten weitere 66 Schulen landesweit Interesse an diesem Projekt für das kommende Schuljahr angemeldet, berichtete die Bildungsministerin. Die Durchführung des Praxistags bedürfe einer intensiven Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler zum Beispiel durch die Ermittlung der persönlichen Stärken und Schwächen, durch Informationen über Berufe, Bewerbungsverfahren und das Verhalten am Arbeitsplatz, hielten Doris Ahnen und Otto-Werner Schade fest. Eine ebenso wichtige Rolle spiele die Auswahl und Vorbereitung der Praktikumsbetriebe. Die Ausweitung des Projekts starte zum Schuljahresbeginn 2008/2009 im Herbst, die ersten wöchentlichen Praxistage von Schülerinnen und Schülern in Betrieben seien für den Beginn des zweiten Schulhalbjahres im Februar 2009 vorgesehen.
"Die intensive Berufsorientierung in dieser Form findet für die jugendlichen Schülerinnen und Schüler in einer Phase ihres Lebens statt, in der sie sich überlegen müssen, welche Ausbildung und welchen Berufsweg sie nach der Schule einschlagen wollen. Mit diesem Projekt möchten wir dazu beitragen, dass sie diesen Platz finden. Und wir wollen möglichst alle jungen Menschen spüren lassen, dass sie gebraucht werden", betonte Doris Ahnen. Otto-Werner Schade unterstrich, dass der wöchentliche Praxistag die Ausbildungschancen der Jugendlichen deutlich verbessere. "Zwar hat sich die Situation am rheinland-pfälzischen Ausbildungsmarkt spürbar entspannt, dennoch führen falsche Vorstellungen von Ausbildungsberufen, das Festhalten an wenigen bekannten Berufen und eine nicht immer ausreichende Vorbereitung auf den Berufswahlprozess dazu, dass der Einstieg in den Beruf oft nur verspätet gelingt oder gar scheitert. Das Projekt befähigt die Schülerinnen und Schüler dazu, ihre beruflichen Entscheidungen auf einer fundierten Basis zu treffen. Die Jugendlichen vertiefen ihre Kenntnisse und Erfahrungen bezüglich Berufen und Betrieben und setzen sich intensiv mit ihrem persönlichen Eignungsprofil auseinander. Auf diese Weise sollen Ausbildungsabbrüche vermieden werden", so der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit.
Um die intensive und notwendige Vor- und Nachbereitung der Betriebspraktika im wöchentlichen Praxistag sicherzustellen, erhielten die beteiligten Schulen eine finanzielle Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit und eine erhöhte Stundenzuweisung durch das Bildungsministerium, so Schade und Ahnen. Es biete sich dabei an, außerschulische Fachkräfte aus der betrieblichen Praxis für die Mitarbeit in der Schule zu gewinnen oder mit Maßnahmenträgern die verschiedensten Übungseinheiten zum Beispiel zum Training von Teamfähigkeit, Erstellen von Bewerbungsmappen oder zur Durchführung realistischer Bewerbungssituationen zusätzlich zum normalen Unterricht zu vereinbaren, um damit die schulischen Bemühungen um die Berufsorientierung zu vertiefen. Für die Finanzierung des Projekts "Wöchentlicher Praxistag" werde die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland bis zum 31.12.2010 insgesamt 5,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen, kündigte Otto-Werner Schade an. Und Doris Ahnen erläuterte, für jede Klasse, die sich an dem Projekt beteilige, erhielten die Schulen jeweils 2.800 Euro für die Vorbereitungsphase und nochmals dieselbe Summe für die Nachbereitungsphase, um damit Kooperationsverträge mit außerschulischen Partnern und zusätzliche Sachkosten zu finanzieren. Und in jeder Schule werde es zudem eine Koordinatorin oder einen Koordinator für die Berufsorientierung geben.
Insbesondere der erweiterte Zeitrahmen der Ganztagsschule biete Raum zur Ausweitung der pädagogischen Angebote für eine vertiefte Berufsorientierung, betonte die Bildungsministerin und ergänzte: "Die Praxistage dürfen und sollen aber generell nicht als isoliertes Projekt betrachtet werden, sie müssen vielmehr in ein Bündel von Maßnahmen eingebettet werden." Neben dem Einstieg in die Berufsorientierung in der Klassenstufe 7 sei in demselben Jahrgang ein einwöchiges oder sogar zweiwöchiges Blockpraktikum als Vorbereitung auf den wöchentlichen Praxistag äußerst sinnvoll, damit Schülerinnen und Schüler bereits im Vorfeld Grundkenntnisse über den Arbeitsalltag in einem Betrieb gewinnen könnten. Aber auch die Auswertung der Erfahrungen aus dem Praxistag sei enorm wichtig.
Viele Betriebe spürten seit einigen Jahren akuten Fachkräftemangel. Der wöchentliche Praxistag sei auch ein Beitrag dazu, der Wirtschaft die benötigten Nachwuchskräfte zuzuführen. "Gewinnen können dabei alle: Schülerinnen und Schüler, Schulen, Eltern und natürlich die Betriebe", hielten Doris Ahnen und Otto-Werner Schade fest. Beide machten abschließend ihre Hoffnung deutlich: "Sehr wünschenswert wäre es, wenn der Praxistag in allen Regionen und an allen künftigen, neuen Standorten eine breite Unterstützung finden würde."
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