GEW Thüringen:

Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss besorgniserregend

Ab dem Schuljahr 2013/2014 haben Schüler/innen in Thüringen das Recht, in der Individuellen Abschlussphase (IAP) doch noch einen Hauptschulabschluss zu machen. Immerhin hatten 7,6 Prozent (siehe Anlage) der Schüler/innen im Schuljahr 2011/12 die Schule ohne Abschluss verlassen.

07.06.2013 Pressemeldung GEW Thüringen

Mit den Erfahrungen nach der Einführung der IAP hatte sich am Freitag, den 31. Mai 2013, die GEW Thüringen mit Staatssekretär Prof. Dr. Roland Merten, Jana Holstein und Olaf Haustein aus dem Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur auf einem Fachgespräch mit mehr als vierzig Kolleg/innen aus Regel- und Berufsschulen ausgetauscht.

"Die Zahlen zeigen eindeutig, dass das Problem der Abgänger ohne Abschluss nicht auf die Förderschulen begrenzt ist. Rund 5 Prozent* der Regelschüler haben im Jahr 2011 die Schule ohne Abschluss verlassen. Viele Regelschulen kooperieren schon heute mit berufsbildenden Schulen, um Schüler/innen den Übergang in eine Ausbildung zu ermöglichen. Es gibt bereits Erfahrungen aus Modellschulen, welche die individuelle Förderung der Schüler/innen mit Lernschwierigkeiten in einer individuellen Abschlussphase in der sozialen Gruppe der Regelschulen in den Mittelpunkt stellen. Wir als GEW sind vom ersten Tag der Umsetzung dieses neuen Instrumentes der Schulordnung kritischer Begleiter und Partner der Schulen", so Torsten Wolf, Landesvorsitzender der GEW Thüringen.

Zuvor hatten viele Kolleg/innen von ihren Erfahrungen mit der Kooperation von Regelschulen und berufsbildenden Schulen berichtet. Die Organisation des Schulbetriebes und die Sicherstellung der Stundentafel stellen die Pädagog/innen vor allem aufgrund der nicht als ausreichend beurteilten Stundenzuweisung vor Herausforderungen. Bürokratische Hürden und mangelnde Zweitbesetzung im Unterricht und bei Exkursionen erhöhen den ohnehin nicht unerheblichen Mehraufwand. Die Organisation und Betreuung von Praxisbetrieben stellt oftmals, gerade im ländlichen Raum, unüberwindbare Hürden für die Lehrkräfte bei der Umsetzung von IAP dar.

Als größtes Problem wurde seitens der anwesenden Lehrkräfte die zunehmende Heterogenität der Schüler/innen beschrieben. Diese bringen oftmals schon aus dem Elternhaus nicht die notwendige Motivation und das Durchhaltevermögen mit, um im Schulalltag und in den Praxisbetrieben erfolgreich bestehen zu können. So war eine der Forderungen in der Veranstaltung der GEW, die IAP möglichst früh bei sich abzeichnenden Problemen anzusetzen. Auch ist die ausreichende Anzahl von Schulsozialarbeiter/innen ein wesentliches Kriterium, um Schüler und Lehrkräfte im Prozess der individuellen Abschlussphase zu unterstützen. Von daher ist der Ausbau und die Verstetigung der von der Landesregierung aufgestockten Stellen von 200 Schulsozialarbeiter/innen in Thüringen ein wesentlicher Baustein.

Individuelle Förderung bedeutet auch, dass IAP kein Dogma sein darf. IAP ist eine Möglichkeit unter vielen anderen, sie muss zum/zur Schüler/in und zu den Bedingungen vor Ort passen. Letztere sind vor allem eine angemessene personelle Ausstattung beispielsweise an Brennpunktschulen und die sächliche Ausstattung der Schulen, die oft auf Kooperationen mit Wirtschaft und Berufsschulen zugreifen müssen.

"Die individuelle Abschlussphase ist eine weitere Möglichkeit, um alle Schüler und Schülerinnen zu einem Schulabschluss zu führen", fasst Prof. Dr. Merten die Einschätzung des Ministeriums zusammen." Sie ist damit auch eine Antwort auf die Herausforderung der individuellen Förderung an unseren Schulen und unterstützt den direkten Weg in die duale Ausbildung."

"Uns ist sowohl die kritische Begleitung bei der flächendeckenden Einführung der IAP wichtig als auch der Hinweis, dass in einem inklusiven Schulsystem die Heterogenität der Schüler/innen weiter zunehmen wird und die pädagogischen Methoden und Instrumente sich weiterentwickeln müssen. Dabei kommt es darauf an, dass die personellen und organisatorischen Voraussetzungen vorhanden sind, und nicht, wie derzeit seitens der Landesregierung massiv vorangetrieben, Personalabbau und Einsparungen im Schulbereich im Mittelpunkt stehen", mahnt Wolf.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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