Fazit

Schuljahr 2019/2020: Zwischen Bildungsdemos und Corona

Ein, in jeder Hinsicht, außergewöhnliches Schuljahr geht in diesen Tagen zu Ende. Begonnen hat es, so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW M-V) auf einer Pressekonferenz am heutigen Tag vor einem Jahr, mit dem angekündigten „heißen Herbst“.

18.06.2020 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung GEW Mecklenburg-Vorpommern
  • © www.pixabay.de

Ein Bündnis aus Gewerkschaft und Zivilgesellschaft hatte zu Schuljahresbeginn ihren Protest für eine bessere Bildung auf die Straßen des Landes getragen und eine Online-Petition gestartet: „Im Ergebnis gab es Verbesserungen für die Schulen, um die wir schon lange kämpfen, wie etwa die Anhebung der Vergütung für unsere Grundschullehrkräfte auf die A13/E13“, zeigen sich die GEW-Landesvorsitzenden Annett Lindner und Maik Walm zufrieden. Auch Altersanrechnungsstunden, Verbesserungen für das Lehramtsstudium, Investitionen in den Schulbau und Entlastung für Leitungskräfte an Brennpunktschulen sind darin enthalten. „Insgesamt entspricht das Schulpaket des Landes einem Teil der Forderungen aus unserem Personalentwicklungskonzept (PEK) – wenn auch auf niedrigem Niveau“, fasst der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm zusammen. Man sei, so bestätigt der Gewerkschafter, zu diesem Thema in guten Gesprächen mit der Landesregierung gewesen, habe nun jedoch durchaus die Sorge, dass die angespannte Einnahmesituation durch die Corona-Pandemie die positive Entwicklung in Frage stellen könne. „Aus unserer Sicht muss das Land bei der notwendigen Neuverschuldung einen Bildungskredit für die jetzt unmittelbar anstehenden Investitionen aufnehmen und die Bildungsfinanzierung langfristig stärken.“

„Dabei hat uns gerade diese Pandemie zwei Dinge aufgezeigt. Erstens, wie wichtig Bildungseinrichtungen nicht nur für die Kinder, sondern auch gesamtgesellschaftlich und zweitens, wie richtig unsere Forderungen nach grundlegenden Veränderungen sind. Wie durch ein Brennglas zeigt diese Krise die Baustellen unseres Bildungssystems auf, die über viele Jahre durch politische Fehlentscheidungen entstanden sind. Eine bessere personelle wie materielle Ausstattung der Schulen im Land hätte die Umsetzung des Bildungsauftrags während der Schulschließungen nicht in dem Maße in Frage gestellt, wie das weiten in Teilen geschehen ist“, sagt Maik Walm und betont: „Unsere Lehrkräfte haben in dieser Zeit zwischen Schule und digitaler Unterstützung unter Einsatz privater Mittel, so wie alle von uns, ihr Bestes gegeben! Das sollten wir auch nicht kaputt reden.“ Aus bundesweiten Erhebungen weiß man bei der GEW, dass gerade die Parallelität zwischen digitalem Lernangebot und Präsenzunterricht eine hohe Arbeitsbelastung bedeutet.“ Dass Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern auch negative Erfahrungen gemacht haben, will der Gewerkschafter, trotz der schwierigen Rahmenbedingungen, nicht klein reden: „Manchmal ist das Beste eben nicht gut genug. Wir fordern deshalb das Land auf, diese Zeit wissenschaftlich aufzuarbeiten. Auch um daraus Lehren für die Zeit zu ziehen, die nun mit Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen noch vor uns liegen“. 

Allerdings sollten diese Beispiele nicht populistisch genutzt werden. „Lobbyarbeit für Lehrkräfte bringt weder Direktorenposten noch Aktienoptionen, das stimmt. Populistische Diskussionen mit der pauschalen Abwertung von Berufsgruppen jedoch vergiften das soziale Klima“, macht Maik Walm deutlich. Das, so bestärken Annett Lindner und Maik Walm einhellig, sei nicht der Anspruch, den die Bildungsgewerkschaft an die Schulen hat: „Das Land muss sicherstellen, dass alle Lehrkräfte, ganz gleich ob Risikogruppe oder nicht, ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag nachkommen können. Dazu gehören, eine ausreichende personelle und materielle Ausstattung der Schulen und Maßnahmen für den Gesundheits- und Arbeitsschutz inklusive systematischer Corona-Tests, sowie eine gezielte Weiterbildung für die anstehenden Herausforderungen des Distance Learning“. Bei der GEW M-V ist man froh, dass vor allem die Frage der Corona-Screenings nun auch bis zur Spitze der Landesregierung vorgedrungen ist. „Wir fordern seit Wochen, dass eine Öffnung der Schulen nur dann passieren darf, wenn alles, was heute möglich ist, getan wurde, um die Schülerinnen und Schüler aber auch Lehrkräfte zu schützen“, sagt Maik Walm.

Wer die Gewerkschaften als Verhinderer von Schule in Zeiten der Pandemie sehe, verkenne die Lage: „Richtigerweise ist das Land als Dienstherr und Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nachgekommen und hat auf Basis einer Risikoeinschätzung entschieden, die Schulen zu schließen. Das war in dieser Situation geboten.“ Mit Blick auf die Ankündigungen zum kommenden Schuljahr bekräftigt Maik Walm: „Die Schulen brauchen jetzt frühzeitig Sicherheit über den zu planenden Stundenumfang, Lehrkräfteeinsatz, Bildungsinhalte und die technische Umsetzung. Auf keinen Fall dürfen diese Informationen erst kurz vor Schuljahresbeginn zur Verfügung gestellt werden. Die jetzt geplante Abkehr von Risikogruppen hin zu einer individuellen Risikoeinschätzung durch ein betriebsärztliches Attest können wir nachvollziehen. Zum konkreten Verfahren gibt es noch Gesprächsbedarf. Mit der individuellen Risikoeinschätzung wird sich der verfügbare Personalpool für den Präsenzunterricht deutlich erhöhen. Jedoch werden auch diese Maßnahmen nicht über den strukturellen Lehrkräftemangel hinwegtäuschen können.“ so Annett Lindner.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden