Schulentwicklung

Berlin: Umsetzung der Qualitätsstrategie im Fokus zum Schuljahresbeginn

Bei der Auftaktpressekonferenz zum Schuljahresbeginn berichtete Senatorin Katharina Günther-Wünsch über aktuelle Entwicklungen im Berliner Bildungswesen. Ein Schwerpunkt wird im neuen Schuljahr in der Steigerung der Bildungsqualität liegen.

21.08.2026 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie
  • Ein Mädchen sitzt im Unterricht und schreibt etwas auf ein Papier. © www.pexels.com Ab dem Schuljahr 2027/28 werdenberlinweit jahrgangsgleiche Klassenarbeiten in Deutsch und Mathematik eingeführt.

Umsetzung der Qualitätsstrategie

Mit Beginn des neuen Schul- und Kitajahres rückt die praktische Umsetzung der Qualitätsstrategie in den Mittelpunkt. Die Ende letzten Jahres veröffentlichte Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität im Land Berlin verfolgt das Ziel, den Anteil der Schüler:innen, die den bundesweiten Mindeststandard in sprachlichen und mathematischen Kompetenzen erreichen, kontinuierlich zu steigern.

Hierfür sollen im neuen Schuljahr unter anderem vorliegende Daten konsequenter für die Schulentwicklung und die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern genutzt werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Vergleichsarbeiten VERA 3 und VERA 8. Im Schuljahr 2026/27 werden erstmals Wiederholungstestungen in den Jahrgangsstufen 4 und 9 durchgeführt. Sie machen sichtbar, wie sich die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler nach erfolgter Förderung entwickelt haben und in welchem Umfang die nationalen Bildungsstandards erreicht werden. Die Vergleichsarbeiten werden digital durchgeführt und entlasten damit auch die Lehrkräfte bei Durchführung und Auswertung.

Ab dem Schuljahr 2027/28 werden zudem berlinweit jahrgangsgleiche Klassenarbeiten in Deutsch und Mathematik eingeführt – in Jahrgangsstufe 5 im zweiten und in Jahrgangsstufe 6 im ersten Schulhalbjahr. Für eine präzisere Diagnostik soll darüber hinaus BILUB (Berliner individuelle Lernverläufe und Bildungsmonitoring) weiterentwickelt werden. Das Testinstrument bildet die Entwicklung mathematischer Kompetenzen in den Jahrgangsstufen 3 bis 6 über einen längeren Zeitraum ab. So können individuelle Lernverläufe sichtbar und Fördermaßnahmen noch gezielter am jeweiligen Lernstand ausgerichtet werden.

Das Leseband ist weitgehend etabliert, vor allem an den Schulen, die am Startchancen-Programm teilnehmen. Dort wird nun auch das Matheband auf die Jahrgangsstufen 3 bis 7 ausgeweitet, um mathematische Basiskompetenzen gezielt zu stärken. Das Angebot kann auch von anderen Schulen genutzt werden. Zusätzlich werden die bundesweit einmaligen Fachleitungsstellen für Deutsch und Mathematik an Grundschulen sukzessive besetzt.

Entwicklung der Schul- und Schüler:innenzahl

Nach aktuellen Berechnungen bewegt sich die Zahl der Schüler:innen an öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen mit insgesamt 404.910 für das Schuljahr 2026/27 weiter auf einem hohen Stand (vgl. 2025/26: 403.641). Auch die Zahl der Schulanfänger:innen bleibt mit 35.550 Kindern (vgl. 2025/26: 35.824) hoch. Neuzugewanderte und geflüchtete Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse können derzeit gut mit Schulplätzen in Willkommensklassen versorgt werden. Aktuell (Mitte Juni 2026) besuchen 9.868 Kinder und Jugendliche Willkommensklassen (vgl. Juni 2025: 11.213). Der Wechsel in die Regelklassen erfolgt aktuell grundsätzlich zügig und planmäßig, nur in Einzelfällen kann es zu kurzfristigen Wartezeiten von zwei bis maximal vier Wochen kommen.

Mit Blick auf die Anzahl der Schulplätze zeigt die Berliner Schulbauoffensive Wirkung: Zum neuen Schuljahr 2026/27 werden insgesamt rund 8.000 Schulplätze neu geschaffen, davon entstehen allein gut 5.700 Schulplätze durch die Fertigstellung von neun modernen Schulneubauten. Die weiteren Schulplätze werden durch neue Modulare Ergänzungsbauten sowie durch bezirkliche Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Im Laufe des kommenden Schuljahres und zum Schuljahr 2027/28 werden voraussichtlich weitere sechs Schulneubauten fertiggestellt. Im Zusammenspiel mit weiteren Baumaßnahmen werden so nach derzeitiger Planung weitere 6.700 Schulplätze fertiggestellt. Für die Haushaltsjahre 2026 und 2027 stehen insgesamt 2,8 Mrd. Euro für Schulbaumaßnahmen zur Verfügung. Die interaktive Schulbaukarte der Senatsverwaltung gibt einen Überblick über alle Bau- und Sanierungsmaßnahmen bis zum Schuljahr 2029/30. In den vergangenen zehn Jahren der Berliner Schulbauoffensive (BSO) wurden rund 62.000 Schulplätze geschaffen sowie 41 neue Schulgebäude, 76 Sporthallen und 119 Modulare Ergänzungsbauten errichtet.

Lehrkräftegewinnung

Obwohl das Lehrkräftedefizit im Vergleich zu den Vorjahren spürbar abgesenkt werden konnte, bleibt die dauerhafte Absicherung einer guten Personalausstattung eine zentrale Aufgabe. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Wiedereinführung der Verbeamtung. Inzwischen beschäftigt Berlin wieder deutlich mehr verbeamtete als tarifbeschäftigte Lehrkräfte: Waren im Schuljahr 2022/23 noch 29,2 % der Lehrkräfte verbeamtet, lag der Beamtenanteil im Schuljahr 2025/26 bereits bei 58,2 %. Zum 12. August 2026 sind 22.105 Lehrkräfte verbeamtet (63 %) und 13.061 Lehrkräfte tarifbeschäftigt (37 %).

Zum Wintersemester 2026/27 wird der sogenannte Flex-Master flächendeckend eingeführt. Er verknüpft die parallel zum Studium laufende Erwerbstätigkeit von Lehramtsstudierenden an Schulen besser mit dem Kompetenzerwerb im Studium und erleichtert so die Vereinbarkeit. Die Reform trägt der steigenden Zahl von Lehramtsstudierenden Rechnung, die bereits während ihres Studiums an Schulen tätig sind. Der Flex-Master führt eine duale Studienoption in das Berliner Lehramtsstudium ein: Neben dem bisherigen Modell mit einem kompakten Praxissemester im dritten Mastersemester erhalten Studierende in der neuen dualen Option die Möglichkeit, einen Arbeitsvertrag an einer Schule mit einem gestreckten Praxissemester an der gleichen Schule zu kombinieren.

Weitere Entwicklungen

Mit dem Berliner Konflikt- und Gewaltbarometer hat die Hauptstadt im Juni 2026 als erstes Bundesland eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung zu Konflikten und Gewalt an Schulen vorgelegt. Inzwischen haben weitere Workshops mit Schulpraktiker:innen und Expert:innen stattgefunden. Die Empfehlungen werden derzeit aufbereitet und den Berliner Schulen perspektivisch als unterstützende Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Erprobt wird auch ein IT-Fachverfahren für das Schulbudget und der Mittel aus dem Startchancen-Programm, um Schulen zu entlasten. Eine Einführung ist für Ende 2026 geplant. Zudem soll das neue Fachverfahren Digitales Klassenbuch ermöglichen, An- und Abwesenheiten, besondere Vorkommnisse und Leistungen softwaregestützt zu erfassen und dokumentieren. Ebenfalls erprobt wird seit Juni 2026 der digitale Schülerausweis. Der über das Berliner Schulportal beantragte Schülerausweis I kann zugleich als kostenloses Nahverkehrsticket genutzt werden. Im Laufe des Schuljahrs 2026/27 ist die Ausweitung auf alle öffentlichen Schulen sowie auf den Schülerausweis II vorgesehen.


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