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Deutscher Lehrerverband zu PISA 2025: Ergebnisse ernst nehmen

Zur Veröffentlichung der PISA-2025-Ergebnisse erklärt Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands: „Die heute vorgestellten PISA-Ergebnisse zeigen, dass Deutschland weiterhin vor großen Herausforderungen im Bildungsbereich steht."

08.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)
  • Schüler:innen sitzen in einem Klassenraum und schauen auf eine Tafel. © Adobe Stock Der Deutsche Lehrerverband warnt davor, die Studie auf Punktwerte, Ranglisten oder einzelne tagesaktuelle Schlagzeilen zu reduzieren.

Stefan Düll: „Zu viele Jugendliche erreichen die notwendigen Basiskompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nicht. Gleichzeitig ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland stärker ausgeprägt als in den vergangenen PISA-Erhebungen. Diese Befunde dürfen nicht relativiert werden.“

Gleichzeitig warnt der Deutsche Lehrerverband davor, die Studie auf Punktwerte, Ranglisten oder einzelne tagesaktuelle Schlagzeilen zu reduzieren. „Das deutsche Schulsystem mit seinem breiten Fächerkanon wird von PISA nicht vollständig abgebildet. PISA ist ein wichtiges Diagnoseinstrument, aber nicht der alleinige Maßstab für die Qualität von Schule und Bildung. Die Studie misst einen Ausschnitt schulischer Leistungen und ermöglicht internationale Vergleiche. Sie sagt jedoch nicht alles über die Arbeit von Schulen, die Leistungsfähigkeit von Lehrkräften oder die Vielfalt von Bildungsprozessen aus.“

Aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands wäre es daher ebenso falsch, die Ergebnisse zu dramatisieren, wie sie zu verharmlosen: „Deutschland darf weder in Alarmismus noch in Selbstzufriedenheit verfallen. Entscheidend ist die Frage, welche Konsequenzen wir aus den Ergebnissen ziehen.“

Düll fordert deshalb: „Wir brauchen eine konsequente Konzentration auf die Grundlagen erfolgreichen Lernens. Dazu gehören eine verbindliche Sprachstandsdiagnostik bereits vor dem Schuleintritt, gezielte Fördermaßnahmen für Kinder mit Unterstützungsbedarf, aber auch die Förderung der Spitzengruppe, ausreichend qualifiziertes Personal in allen Schularten, eine nachhaltige Stärkung der Lehrkräftebildung sowie verlässliche Investitionen in Schulgebäude, Digitalisierung und Unterrichtsqualität. Die angekündigten Reformen von Bund und Ländern müssen nun wirksam und dauerhaft umgesetzt werden.“

Der Deutsche Lehrerverband weist darauf hin, dass die aktuellen Ergebnisse zahlreiche Entwicklungen bestätigen, die bereits durch den IQB-Bildungstrend und andere Bildungsstudien sichtbar geworden sind. Die Befunde seien daher nicht überraschend. Umso wichtiger sei es, langfristige Strategien konsequent umzusetzen, statt nach jeder neuen Studie kurzfristige Debatten zu führen.

Positiv bewertet der Verband, dass viele Jugendliche ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Schule äußern und das Interesse an naturwissenschaftlichen Themen gegenüber früheren Erhebungen gestiegen ist. Solche Befunde zeigen, dass Schulen trotz schwieriger Rahmenbedingungen wichtige Bildungs- und Integrationsleistungen erbringen.

Düll erklärt weiter: „Wer PISA ernst nimmt, darf die Verantwortung nicht allein den Schulen zuschieben. Lehrkräfte arbeiten seit Jahren unter Bedingungen, die von Personalmangel, wachsender Heterogenität, zusätzlichen Integrationsaufgaben und steigenden gesellschaftlichen Erwartungen geprägt sind. Die Ergebnisse sind deshalb nicht nur ein Auftrag an die Schulen, sondern vor allem auch an Politik und Gesellschaft.“

Düll ergänzt: „Mir als Schulleiter fällt in der Schulpraxis der letzten Jahre ein weiterer Aspekt auf: Aufgrund der Vielzahl von Aufgaben, die die Schule gesellschaftlich leisten soll, wird die reine und vor allem kontinuierliche Unterrichtszeit andauernd durch Projekte und Aktionen unterbrochen. Möglicherweise müssen wir der konzentrierten Unterrichtszeit wieder die notwendige Bedeutung einräumen. Unter diesem Aspekt möchte ich auch eine Lanze brechen für grundlegendes Fachwissen, das nicht für die Konzentration auf Kompetenzen vernachlässigt werden darf.“

Abschließend betont Düll: „PISA 2025 zeigt Probleme, die entschlossen angegangen werden müssen. Die Studie sollte aber nicht als Anlass für den nächsten PISA-Schock dienen, sondern als Anstoß für kontinuierliche Verbesserungen. Gute Bildung entsteht nicht durch Empörung über Testergebnisse, sondern durch verlässliche Bildungspolitik mit langfristigen Investitionen und die tägliche Arbeit engagierter Lehrkräfte. Darauf sollte sich die Debatte jetzt konzentrieren.“


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