Gastbeitrag

Deutschlands Schulen sortieren – statt zu fördern

PISA 2022 zeigt: Unser selektives Schulsystem ist leistungsschwach, unsozial und inhuman. Joachim Lohmann fordert: Schluss mit der Auslese nach Herkunft und Begabung. Nur echte Inklusion kann unsere Schulen retten.

18.07.2025 Bundesweit Artikel Joachim Lohmann
  • Drei Grundschulkinder mit Schulranzen auf dem Rücken. © Adobe Stock Bereits in der Grundschule findet im deutschen Bildungssystem eine Selektion statt.

Die PISA-Ergebnisse 2022 sind für mich ein Bildungsbeben – aber kein überraschendes. Seit Jahren beobachten wir den Leistungsabfall der deutschen Schule, und ich sage klar: Nicht Lehrkräfte, nicht mangelnde Mittel sind schuld. Es ist das System selbst – genauer: die frühe, starre und brutale Selektion. Sie ist leistungsfeindlich, sozial spaltend und inhuman.

Deutschland gehört zu den wenigen OECD-Staaten, die Kinder bereits mit zehn Jahren sortieren – nach Herkunft, nach Noten, nach vermeintlicher Begabung. Das Ergebnis? Schüler:innen aus armen Haushalten bleiben zurück. Lehrkräfte fühlen sich nicht mehr verantwortlich. Und fast jedes fünfte Kind hat mindestens einmal das Schuljahr wiederholt – ein Stigma fürs Leben.

Ich halte dieses Schulsystem für unzeitgemäß und schädlich. Es isoliert statt zu integrieren, es diskriminiert statt zu fördern. Schulen mit Inklusionskultur reduzieren die Leistungsdiskriminierung, gleichen soziale Unterschiede aus und schaffen eine menschlichere Lernumgebung.

Die gute Nachricht: Das deutsche Selektionssystem ist im Zerfall. Die Hauptschule stirbt, die Realschule wankt, und in vielen Ländern setzen sich Gesamtschulen durch. Das Konkurrenzmodell von Gymnasium und Gesamtschule ist nur ein Zwischenschritt – langfristig führt kein Weg an der gemeinsamen Schule für alle vorbei.

Inklusion ist kein Idealismus – sie ist die einzige realistische Antwort auf die soziale Spaltung, die sich durch unser Bildungssystem zieht. Wir brauchen endlich eine Schule, die niemanden zurücklässt.

Es handelt sich hierbei um eine gekürzte Version des Beitrags „PISA: Inklusion ist unabdingbar“, der hier in voller Länge, inklusive Quellennachweisen, gelesen werden kann.



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