Forderung

Medienbildung in Schulen massiv stärken!

Das Deutsche Kinderhilfswerk und die GMK fordern eine Offensive für schulische Medienbildung für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Dafür sind aus Sicht der Verbände konsequente Investitionen von Bund, Ländern und Kommunen in Höhe von jährlich mindestens 800 Millionen Euro unerlässlich.

18.09.2026 Bundesweit Pressemeldung Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) e.V., Deutsches Kinderhilfswerk e. V.
  • Ein Lehrer zeigt einer Gruppe Schülerinnen und Schüler etwas auf einem Tablet. © Adobe Stock Rund 90 Prozent der Befragten bewerten die derzeitige Medienbildung an Schulen als schlecht oder sehr schlecht.

Damit sollten vor allem der Einsatz von Fachkräften der Medienpädagogik in Schulen, die Qualifizierung und Einbindung von Fachkräften der Schulsozialarbeit in die schulische Medienbildung und der Aufbau von multiprofessionellen Teams an Schulen finanziert werden, die gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern passende Medienkonzepte erarbeiten. Anknüpfungspunkte bieten der Digitalpakt 2.0 und das Startchancen-Programm, für eine flächendeckende und dauerhafte Lösung braucht es jedoch eine gesetzliche Grundlage analog zur Schulsozialarbeit.

Den dringenden Handlungsbedarf in diesem Bereich zeigen nicht nur zahlreiche Jugendmedienstudien, auch eine aktuelle GMK-Mitgliederumfrage macht deutlich, dass Medienbildung an Schulen aktuell noch immer ein schlechtes Zeugnis ausgestellt werden muss – fehlt es doch an wichtigen Ressourcen, um diese von politischen Wunschbildern in schulische Realität zu übersetzen. Deswegen wird von den befragten Fachkräften eine bessere gesetzliche Absicherung der Medienbildung an Schulen über das Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie eine Verankerung medienpädagogischer Inhalte in allen Studien- und Ausbildungsgängen der Pädagogik und der Sozialen Arbeit gefordert. Nur so könne es gelingen, den ständig steigenden Herausforderungen gerecht zu werden, wie sie beispielsweise durch die Expertenkommission der Bundesregierung zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt jüngst formuliert wurden.

„Medienbildung ist an Schulen noch immer nicht ausreichend strukturell verankert, dem Auftrag zur Vermittlung von Medienkompetenz steht ein Mangel an Verbindlichkeit und Ressourcenausstattung entgegen. Damit hängt gute Medienbildung in Schule zu oft vom Engagement einzelner ab. Es braucht dringend zusätzliches, qualifiziertes Personal, das Lehrkräfte und die Schulsozialarbeit entlastet und gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern an handhabbaren Medienkonzepten arbeitet. Nur so kann zeitgemäße Medienbildung in der Praxis gelingen. Das würde an die jüngsten Handlungsempfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ vom Juni dieses Jahres anschließen. Diese weisen die Notwendigkeit klar aus, dass jede Schule über mindestens eine medienpädagogisch qualifizierte Ansprechperson verfügen soll, an die sich Schülerinnen und Schüler bei belastenden medienbezogenen Fragen wenden können. Dass Schule gerade in Zeiten klammer Kassen Medienbildung unterstützt, ist eine clevere Idee, die im Übrigen dabei hilft, alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen fit für die Medienwelt zu machen. Allerdings dürfen Bund und Länder sich nicht allein in politischen Absichtserklärungen erschöpfen, sondern müssen konsequenterweise die notwendigen Bedingungen dafür schaffen, dass gute Medienbildung in der Schulpraxis gelingt“, betont Kai Hanke, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Es gibt viel medienpädagogische Expertise unter pädagogisch tätigen Personen, sie wird nur nicht systematisch abgerufen. Das zu ändern, wäre ein guter Anfang, um die akuten Herausforderungen anzugehen. Mittel- bis langfristig braucht es eine bundesweite Bildungsoffensive, um den großen Bedarf an medienpädagogischer Arbeit in allen Bildungsinstitutionen, Familien und Freizeiteinrichtungen decken zu können. Auch im Rahmen dieser Bildungsoffensive können die bereits vorhandenen Medienpädagoginnen und Medienpädagogen für Qualifizierung, Beratung und Unterstützung aller Akteursgruppen im Kontext von Schule eingesetzt werden. Sie alle müssen qualifiziert werden, um an medienpädagogischen Themen als gemeinsamer Bildungsaufgabe in multiprofessionellen Teams zu arbeiten. Neben der schulischen Medienbildung braucht es zudem weiterhin außerschulische Angebote, die lebenswelt- und bedarfsorientiert mit Kindern und Jugendlichen kreativ und kritisch-reflexiv arbeiten“, sagt Dr. Friederike von Gross, Co-Geschäftsführerin der GMK.

Ausgewählte Ergebnisse der GMK-Mitgliederumfrage 2026:

  • Rund 90 Prozent der Befragten bewerten die derzeitige Medienbildung an Schulen als schlecht oder sehr schlecht.
  • Zwei Drittel aller Befragten sprechen sich dafür aus, dass Medienbildung in Schule in der Hauptverantwortung von Medienpädagoginnen und Medienpädagogen liegen sollte.
  • Generell wird betont, dass alle Berufsgruppen an Schule und auch die Eltern über medienpädagogische Kompetenzen verfügen sollten.
  • Es braucht multiprofessionelle Teams an Schulen, die gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern ein passendes Medienkonzept erarbeiten.
  • Eine nationale Bildungsoffensive im Bereich der Medienbildung muss grundsätzlich strukturbildend angelegt sein und nicht projektförmig. Zudem braucht die Verstetigung wirksamer Projekte.
  • Als fehlende Rahmenbedingungen im Bereich der Medienbildung werden am häufigsten genannt: unzureichende medienpädagogische Qualifikation der Lehrkräfte, fehlende curriculare Verankerung und Verbindlichkeit, Mangel an Fachpersonal, fehlende Zeit bei überfüllten Lehrplänen sowie eine kurzfristige, projektförmige Finanzierung.

Im Idealzustand ist Medienbildung im schulischen Kontext folglich sowohl ein verbindlicher, fächerübergreifender Bestandteil des Schulalltags (auch im Kontext der Eltern- und Peerberatung) als auch (z.B. in ausgewählten Jahrgangsstufen) ein eigenständiges Fach. Dafür braucht es feste, fair bezahlte medienpädagogische Stellen an Schulen sowie Lehrkräfte mit medienpädagogischen Kompetenzen.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der GMK-Mitgliederumfrage finden Sie hier:


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden