Ahnen: Kooperation von Kindertagesstätte und Grundschule optimiert die Vorbereitung auf die Schule und erleichtert Kindern den Übergang

"Den Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule sollen Kinder als einen in ihrem Leben wichtigen Schritt wahrnehmen, der als fließender Übergang von einem Lern- und Erfahrungsort zum nächsten gestaltet werden muss. Nur so wird er nicht als Bruch empfunden", erklärte Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen bei der Vorstellung der Rahmenbedingungen für die Schulvorbereitung und zur Kooperation der beiden Institutionen.

13.02.2006 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Viele Kindertagesstätten und Grundschulen arbeiten in Rheinland-Pfalz bereits seit vielen Jahren vorbildlich zusammen. Mit dem Gesetz zum Ausbau der frühen Förderung, das am 1. Januar 2006 in Kraft getreten ist, sollen diese Kooperationen flächendeckend ausgebaut, geeignete Kooperationsformen institutionalisiert und eine gegenseitige Abstimmung der jeweiligen Bildungskonzepte erreicht werden. "Kinder sollen den Eintritt in die Schule als einen harmonischen Schritt in einen neuen Bildungsabschnitt erleben können.

Zudem bietet das Programm 'Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" mit der umfassend verstärkten Sprachförderung und Schulvorbereitung eine sehr gute Basis für die Arbeit in der Grundschule", sagte Ahnen. So werde auch der verantwortungsvolle Umgang mit den Bildungs- und Lernchancen von Kindern und ihren individuellen Bildungsbiografien, dem sich alle Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte in ihrer Arbeit verpflichtet sähen, weiter gestärkt.

Im Acht-Millionen-Euro-Programm der Landesregierung zum flächendeckenden Ausbau der Sprachförderung und der Schulvorbereitung seien zunächst drei Millionen Euro jährlich für Maßnahmen zur Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule reserviert, so die Ministerin. Seit Ende Januar lägen den Landrätinnen und Landräten der 24 Landkreise und den Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister von 12 kreisfreien und von 5 größeren kreisangehörigen Städten die Budgets zur Sprachförderung und zur Schulvorbereitung vor. Jetzt hätten die Träger der Kindertagesstätten bis zum 1. April Zeit, um ihre Maßnahmen beim zuständigen Jugendamt zu beantragen. Die Jugendämter könnten dann bis zum 15. Mai 2006 die notwendigen Mittel bis zur Höhe des festgesetzten Budgets und gegebenenfalls für Sondermaßnahmen beim Land abrufen. Zur Vorbereitung des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule könnten je nach Intensität und Kontinuität bis zu 2000 Euro pro Maßnahme bewilligt werden. "Wichtig ist uns, dass sich die Fördermaßnahmen nicht allein am Schulpflichtalter orientieren, sondern auch Kinder einbeziehen, für die nach ihrem Entwicklungsstand eine frühere Einschulung in Frage kommt", betonte Ahnen. So könne man noch besser gewährleisten, dass Kinder, die die notwendigen Voraussetzungen mitbringen und deren Eltern dies wünschen, bereits früher die Grundschule besuchen könnten. "Es gibt kein optimales Einschulungsalter, das allen Kindern gerecht wird", erklärte Ahnen. Deshalb sei die flexible rheinland-pfälzische Regelung, die sich an den individuellen Voraussetzungen des einzelnen Kindes orientiere, entschieden sinnvoller als ein generelles Vorziehen der Einschulung auf fünf Jahre.

Kooperationen zwischen Kindergarten und Grundschule seien bereits seit vielen Jahren gute Tradition, so Ahnen. Deshalb habe sie besonders gefreut, dass positive Beispiele aus Rheinland-Pfalz weit über das Land hinaus Anerkennung fänden. So hatte die Bertelsmann-Stiftung im vergangenen Jahr die Kindertagesstätte "Das kleine Meer" und die Kerschensteiner-Grundschule aus Worms-Horchheim als dritten Preisträger des "Dreikäsehoch"-Wettbewerbs im Rahmen des Projekts "Kinder früher fördern" für ihre vorbildliche Kooperation ausgezeichnet. Zusammen mit vier weiteren Kindertagesstätten aus dem Einzugsgebiet der Grundschule sorgen Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte dafür, dass die Kinder bereits vor der Einschulung Einblicke in die Schule und den Unterricht bekommen, eine emotionale Beziehung zum Lesen eröffnet wird und ihre sprachlichen Fähigkeiten und mathematischen Grundkompetenzen gefördert werden. "Für die Schule ist es ein gutes Zeichen, wenn die zukünftigen Erstklässlerinnen und Erstklässler sich auf die Schule freuen und vom Kindergarten her die Freude am Lernen mitbringen", betonte der Rektor der Kerschensteiner-Grundschule, Ernst-Josef Bonnkirch. "Unsere gemeinsam entwickelten Konzepte zur Sprachförderung und zur Förderung der mathematischen Grundkompetenzen sind ein guter Grundstock für die Weiterentwicklung unserer Zusammenarbeit, um Kinder ausgehend von ihren Stärken in ihren Bildungsprozessen zu unterstützen", ergänzte die Leiterin der Kindertagesstätte "Kleines Meer", Carmen Uhrig. Kooperation sei eine Bereicherung für die Kinder, so ihre Erfahrung.

Jugend- und Bildungsministerin Ahnen hob hervor, dass die Zusammenarbeit von Kindergarten und Schule in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen (BEE) bereits fest verankert sei. So definierten die BEE als Ziel der Schulvorbereitung, "dass die Kinder unter Berücksichtigung ihrer individuellen Ressourcen und Defizite über elementare Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die die Grundlage für die Arbeit an den Grundschulen darstellen". Hierzu gehörten sowohl ausreichende sprachliche Kenntnisse als auch so genannte Schlüsselqualifikationen wie z.B. Durchhaltevermögen. "Deshalb wird eine gute Zusammenarbeit nicht allein das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung in den Blick nehmen", betonte Ahnen. Unabdingbare Voraussetzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit sei nach ihrer Ansicht "der gegenseitige Respekt vor der beruflichen und pädagogischen Leistung in den beiden Einrichtungen sowie die gemeinsame Verantwortung für eine gute Zukunft der anvertrauten Kinder". Die jetzt vorgenommene Konkretisierung im Schul- und im Kindertagesstättengesetz erleichtere die Verständigung über geeignete Kooperationsformen. In Betracht kämen z.B. gemeinsame Arbeitsgemeinschaften, gegenseitige Hospitationen, vor allem aber auch gemeinsame Projekte mit Kindern aus beiden Institutionen oder mit Eltern. Die konkrete Ausgestaltung läge bei den jeweiligen Kooperationspartnern vor Ort: "In Städten, in denen große Grundschulen eine größere Anzahl von Kindertagesstätten in ihrem Einzugsbereich haben, muss die Zusammenarbeit anders organisiert werden als in einer kleiner Gemeinde, in der sich Kindertagesstätte und Schule in unmittelbarer Nachbarschaft befinden", erklärte die Ministerin.

Zur Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätte und Grundschule böten die Fortbildungseinrichtungen entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen an, sagte Ahnen. Das neue Fortbildungscurriculum für Erzieherinnen und Erzieher, auf das sich Landesregierung, die beiden großen Kirchen als Trägerorganisationen sowie die LIGA der Spitzenverbände der Wohlfahrtsorganisationen als freie Trägerorganisationen von Kindertagesstätten im Land, die kommunalen Spitzenverbände, die Gewerkschaften für Erzieherinnen und Erzieher und der Landeselternausschuss für Kindertagesstätten verständigt hätten, sehe im Pflichtbereich ausdrücklich ein Themenmodul "Kooperation, Kommunikation und Koordination" vor, das insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätte und Grundschule sowie mit den Eltern zum Inhalt habe. Die pädagogischen Serviceeinrichtungen bieten hier ebenfalls Unterstützung durch Fortbildung an.

"Die unterschiedlichen Elemente des Programms "Zukunftschance Kinder - Bildung von Anfang an" ebnen den Weg für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen. So können die Kompetenzen und der reiche Erfahrungsschatz beider Einrichtungen zum Wohle der Kinder und deren bestmöglichen Förderung optimal genutzt", erklärte die Ministerin abschließend.

Anlage:

Aufstellung der Budgetmittel für Schulvorbereitung und Sprachförderung nach Landkreisen und Städten (im .pdf-Format).


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