Deutschland tritt im tertiären Bildungsbereich auf der Stelle

Die OECD hat heute die Studie "Bildung auf einen Blick 2006" vorgestellt. Ein Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe liegt auf der tertiären Bildung, d.h. auf den Bereichen der Hochschulbildung und der beruflichen und individuellen Weiterbildung. Dazu ist natürlich die Betrachtung des Sekundarbereichs II, Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung sozusagen als Vorstufe des Tertiärbereichs unabdingbar. Diese Bildungsbereiche haben zunehmenden Einfluss auf persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg des Einzelnen und der Gesellschaft.

12.09.2006 Thüringen Pressemeldung GEW Thüringen

"Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass Deutschland sich in den letzten Jahren im Sekundarbereich II, wie auch im tertiären Bildungsbereich nicht weiter entwickelt hat. 20 Jahre Stagnation sind kein Grund zum Jubeln." Sagte der Landesvorsitzende der GEW Thüringen in einer ersten Einschätzung der Ergebnisse der OECD Studie "Bildung auf einen Blick 2006".

In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen (bezogen auf 2004) haben 79% der Deutschen das Abitur oder eine abgeschlossenen Berufsausbildung, was in der OECD zu Platz 3 hinter den USA (86%) und der Tschechischen Republik (82%) reicht. Bei den 25- bis 34-Jährigen verfügen zwar 85 % der Deutschen über einen Abschluss des Sekundarbereichs II, aber mindestens 11 OECD Länder liegen in dieser Altersgruppe vor Deutschland. Spitzenreiter ist hier Korea mit 97%. Bei den Abschlüssen des Tertiärbereichs (Universitäten, Hochschulen, Fachhochschulen etc.) stagniert Deutschland seit Jahren. Das zeigt sich darin, dass in beiden Altersgruppen 23% der Deutschen über einen solchen Abschluss verfügen.

Die Botschaft der Studie ist eindeutig: Deutschland bildet viel zu wenig Akademiker aus. Wird nicht endlich gegengesteuert, dann sinkt nach einer Prognose der OECD der Anteil der Deutschen mit Spitzenqualifikationen auf dem "OECD-Markt" von heute 5,7% auf 3,6% bei den 35- bis 44-Jährigen. Selbst Mexiko würde dann mit 6% einen höheren Anteil an Hochqualifizierten zum OECD-Wissenschaftlerpool beisteuern.

Die OECD kommt auch bei dieser Studie erneut zu dem Schluss, dass das auf Auslese und zu wenig auf Förderung ausgerichtete deutsche Bildungswesen sowie die mangelnden finanziellen Aufwendungen im Primar- und Sekundarbereich I Hauptursachen dieser Entwicklung sind.

"Längeres gemeinsames Lernen, die individuelle Förderung jedes Kindes und jedes Jugendlichen , der weitere Ausbau der Kindergärten zu Bildungseinrichtungen, verbunden mit den notwendigen Finanzmitteln, die Flexibilisierung der Studienzugänge und die aufgabengerechte Ausstattung der Hochschulen bleiben die Schwerpunkte in der Bildungspolitik und müssen es endlich in der Finanzpolitik werden," so Röhreich abschließend.

Ansprechpartner

GEW Thüringen

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