Gutes Zeugnis für BRAFO: Modellprojekt zur Berufsorientierung wird zunächst bis 2012 fortgesetzt

BRAFO hat das erste Schuljahr erfolgreich absolviert. Wirtschaftsminister Dr. Reiner Haseloff, Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz sowie der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Max-Volker Dähne, stellten dem Projekt zur frühzeitigen Berufsorientierung heute ein gutes Zeugnis aus. BRAFO (Berufswahl Richtig Angehen Frühzeitig Orientieren) ist ein bundesweit einmaliges Gemeinschaftsprojekt des Landes Sachsen-Anhalt sowie der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen der Sekundar- und Gesamtschulen, die im Rahmen des Schulunterrichts an jeweils vier Praxistagen einzelne Berufsfelder erkunden können. Für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf können auch Praktika in Unternehmen mit sozialpädagogischer Begleitung außerhalb der Schulzeit vereinbart werden. Träger des landesweiten Projektes sind regionale Bildungszentren vor Ort.

29.08.2008 Sachsen-Anhalt Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt

BRAFO startete im September 2007 für landesweit 183 Sekundar- und Gesamtschulen sowie Schulen in freier Trägerschaft – das sind 98 Prozent der Einrichtungen dieser Schulformen im Land. Rund 7.800 Schülerinnen und Schüler waren beteiligt. "Eine qualifizierte Berufswahl ist das Ergebnis eines sorgfältigen Entscheidungsprozesses, der deshalb frühzeitig beginnen und kontinuierlich begleitet werden muss", sagte Kultusminister Olbertz. "Die erste Auswertung hat gezeigt, dass BRAFO der richtige Weg ist, um Jugendliche frühzeitig und systematisch an die Berufswahl heranzuführen", betonten Haseloff und Dähne. "Die landesweiten Befragungen von Schülern, Lehrern und Projektträgern haben jedoch auch Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, die in der nächsten Projektphase umgesetzt werden", fügte Haseloff hinzu. Dies betreffe vor allem die Neustrukturierung der bisherigen Berufsfelder, die künftig in vier Kategorien eingeteilt werden.

"Die vier neuen Kategorien umfassen Dienstleistungs- und Logistikberufe, Verwaltungs- und Sozialberufe, gewerblich-technische Berufe sowie Bauhandwerk/Grüne Berufe", erläuterte Dähne. Künftig wählen die Schüler aus jeder Kategorie ein Berufsfeld aus. Damit wollen wir Interesse für ein möglichst breites Berufswahlspektrum wecken und den Jugendlichen zeigen, dass es mehr als die geschlechtertypischen Mainstream-Berufe wie Kfz-Mecha-troniker oder Bürokauffrau gibt." Um die für sie richtige Berufswahl treffen zu können, benötigten die Jugendlichen viele Erfahrungen. "Eine frühzeitige Berufsorientierung ist der Schlüssel, um künftig Ausbildungsabbrüche, Perspektivlosigkeit und letztlich auch Arbeitslosigkeit zu vermeiden", sagte Dähne. "Die frühzeitige, fundierte Berufswahl gibt vielen Schülern auch die Motivation, sich in der Schule anzustrengen und ihre Noten in den entscheidenden Fächern und damit auch ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern."

"Die Befragung der Lehrkräfte zeigt, dass BRAFO bereits im ersten Schuljahr erfolgreich wirksam ist", betonte Kultusminister Olbertz. "Deshalb werden wir dieses bundesweit einmalige Projekt über das Jahr 2009 hinaus verlängern und zunächst bis 2012 fortsetzen." Die Finanzierung dafür sei durch den Haushalt des Kultusministeriums sowie durch die zunächst bis 2010 laufende Kofinanzierung durch die Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Inhaltlich bleibe aber das Wirtschaftsministerium federführend. "Eine erfolgreiche Berufswahlvorbereitung bedarf der Zusammenarbeit zwischen Schule, Agentur für Arbeit, Wirtschaft und Elternhaus", sagte Minister Olbertz. Ein wichtiges Element für den Erfolg von BRAFO war auch die sozialpädagogische Betreuung der Schülerinnen und Schüler. Hilfe und Ermunterung seien besonders dort wichtig, wo das Elternhaus nicht helfen kann. "Die Schülerinnen und Schüler müssen spüren", so Olbertz, "dass sie bei einer so wichtigen Entscheidung für ihr Leben Hilfe und Unterstützung erfahren."

Die Befragung der Projektträger ergab ein großes Interesse der Schüler an denjenigen Berufen, die seit Jahren die Hitliste der beliebtesten Ausbildungsberufe anführen. "Bei den Jugendlichen liegen diejenigen Berufe im Trend, die in den Medien und im täglichen Leben stark präsent sind. Bei Jungen sind das Berufe aus den Bereichen Metall/Elektro/Installationstechnik sowie Bau/Holz/Farbe/Raumgestaltung, bei Mädchen dominieren die Berufsfelder Gesundheit/Soziales/Kosmetik/Körperpflege sowie Hotel/Gaststätten/Haus-wirtschaft/Ernährung. Dagegen werden wenig bekannte Berufe wie etwa in der industriellen Fertigung kaum angestrebt", sagte Haseloff. Ein wichtiges Ziel von BRAFO bestehe jedoch darin, den Jugendlichen Erfahrungen in allen wesentlichen Berufsfeldern zu ermöglichen. Deshalb werden der Projektansatz leicht verändert und die Berufe in vier Kategorien eingeteilt. "Dies soll auch dem Fachkräftemangel bei weniger populären Berufen entgegenwirken."

Die Schülerbefragung habe ergeben, dass mehr als drei Viertel der Jugendlichen wussten, was sie nach erfolgreichem Schulabschluss tun wollten, sagte Dähne. "Rund ein Fünftel hatte noch keine Vorstellung, dabei lag der Anteil bei Hauptschulklassen höher als bei Realschulklassen." Bemerkenswert sei, dass sich viele Jugendliche außerhalb ihrer beruflichen Vorstellungen ausprobiert hätten. "Das zeigt, dass BRAFO den Blick der Jugendlichen über die bereits vorhandenen Interessen hinaus ausdehnt", schätzte Dähne ein. Um dies zu verstärken, müsse den Jugendlichen das gezielte Ausprobieren in den verschiedenen Wunschberufen noch weiter erleichtert werden – etwa durch ein breites, einheitliches Angebot an Berufsfeldern überall im Land und durch eine verstärkte sozialpädagogische Betreuung.

"BRAFO leistet schon jetzt in vielen Regionen einen wichtigen Beitrag für den Einstieg in den Berufswahlprozess", ist Dähne stolz. Viel wichtiger sei aber, dass das Projekt nicht als ein für sich allein stehendes Angebot verstanden wird, sondern die Ergebnisse von den Eltern und der Schule für den individuellen Berufswahlprozess der Schüler weiterentwickelt werden. "Zum Beispiel können Eltern einen sehr guten Beitrag leisten, indem sie ihre Kinder unterstützen, das angebotene freiwillige Praktikum in den Firmen zu nutzen. So eröffnet man den Schülern schon frühzeitig die Chancen in den Unternehmen der Region und ebnet den Weg zu einem Ausbildungsplatz", empfiehlt Dähne.


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