Baden-Württemberg

Kultusministerium stärkt die beruflichen Schulen

Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer unterstreicht angesichts der heutigen Mitteilung des Berufsschullehrerverbands, dass die beruflichen Schulen selbstverständlich in den im Schuljahr 2011/2012 beginnenden Bildungsaufbruch der Landesregierung einbezogen werden würden. Ziel ist es, insbesondere das vom BLV zu Recht monierte strukturelle Unterrichtsdefizit, das noch auf die Vorgängerregierung zurückzuführen ist, schrittweise abzubauen. Ebenso beabsichtigt die Landesregierung, die Bugwellenstunden schrittweise zurückzuführen. Allerdings sei es aus finanziellen Gründen nicht möglich, die Versäumnisse der Vergangenheit so schnell aufzufangen, wie dies wünschenswert wäre. Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer verweist dabei auf die anstehenden Haushaltsberatungen.

01.09.2011 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

"Die Lehrerinnen und Lehrer können sich darauf verlassen, dass die neue Landesregierung die beruflichen Schulen stärker unterstützen wird als das in der Vergangenheit der Fall war", betont die Ministerin. Der Stellenwert der beruflichen Schulen könne nicht hoch genug geschätzt werden.

Mit über 1.080 Deputaten liegt das Einstellungskontingent für die beruflichen Schulen zum Schuljahr 2011/2012 deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Trotz zurückgehender Schülerzahlen verbleiben den Schulen nicht nur alle frei werdenden Stellen, sondern es werden darüber hinaus zusätzliche Stellenkontingente bereitgestellt: 200 Stellen zur Senkung des Klassenteilers, 150 Stellen zur Einrichtung von 100 zusätzlichen Klassen des beruflichen Gymnasiums und rund 160 Stellen für Projekte der Enquête-Kommission.

"Wir wollen die Handlungsempfehlungen der Enquête-Kommission 'Fit fürs das Leben in der Wissensgesellschaft - Berufliche Schulen, Aus- und Weiterbildung' möglichst schnell umsetzen", betonte die Kultusministerin. Begonnen werde hiermit bereits im kommenden Schuljahr.

Die Aussage des BLV, dass an den geplanten Gemeinschaftsschulen lediglich zwölf Schüler in einer gymnasialen Oberstufe notwendig wären, trifft nicht zu.

Die Kürzung des Zuführungsbetrages an die Landesakademie für das Haushaltsjahr 2011 um 12,5 Prozent ist bereits im Frühjahr 2011 vor Amtsantritt der neuen Landesregierung durch das Finanzministerium im Rahmen des Haushaltsvollzugs 2011 vorgenommen worden. Infolge dieser Kürzung musste die Landesakademie in der Tat in entsprechendem Umfang vorgesehene Fortbildungsveranstaltungen absagen. Von diesen Absagen sind im Übrigen alle Schularten gleichermaßen betroffen. Das Kultusministerium will diese Kürzung zurücknehmen.

Im Folgenden gibt das Kultusministerium einen detaillierten Überblick über die Neuerungen in der beruflichen Bildung:

  1. Das strukturelle Unterrichtsdefizit wird schrittweise abgebaut. So liegt das Einstellungskontingent für die beruflichen Schulen mit über 1.080 Deputaten zum Schuljahr 2011/2012 deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Dabei sind nicht nur alle frei werdenden Stellen an den beruflichen Schulen verblieben, sondern es wurden zusätzliche Stundenkontingente bereitgestellt: 200 Stellen zur Senkung des Klassenteilers von 31 auf 30, 150 Stellen zur Einrichtung von 100 zusätzlichen Klassen des beruflichen Gymnasiums sowie rund 160 Stellen für Projekte der Enquête-Kommission "Fit fürs Leben in der Wissensgesellschaft". Die von der Vorgängerregierung beschlossene Streichung von 711 Lehrerstellen, davon 139 an beruflichen Schulen, wurde noch rechtzeitig vor dem Listenverfahren zur Lehrereinstellung Anfang Juni aufgehoben, so dass den beruflichen Schulen zusätzlich 139 Stellen zur Verfügung standen. Auch fällt der für das angelaufene Schuljahr prognostizierte Schülerrückgang nochmals höher als zuvor aus. Dies verschafft zusätzliche Spielräume, da alle Stellen an den beruflichen Schulen verbleiben. So kann für die beruflichen Schulen insgesamt neben der Umsetzung weiterer qualitativer Maßnahmen auch eine stabile Versorgungssituation erwartet werden.

  2. Dem Kultusministerium ist sowohl die Förderung der leistungsschwächeren als auch der leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler ein Anliegen. Deshalb werden die beruflichen Gymnasien deutlich ausgebaut und bereits zum Schuljahr 2011/2012 um weitere 100 zusätzliche Eingangsklassen auf 722 Eingangsklassen oder rund 21.000 Schulplätze landesweit erweitert. Ziel der neuen Landesregierung ist es, allen zugangsberechtigten Bewerberinnen und Bewerbern einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einem beruflichen Gymnasium einzuräumen. Die Umsetzung dieses Rechtsanspruchs zielt auf Chancengerechtigkeit und erfolgt unter Berücksichtigung der Haushaltslage des Landes in den kommenden Jahren. Gleichzeitig wurden die beruflichen Gymnasien inhaltlich mit den Profilen "Umwelttechnik" und "Internationale Wirtschaft" weiterentwickelt. Der Unterricht im neuen Profil "Umwelttechnik" startet landesweit an elf ausgewählten Technischen Gymnasien. Mittelfristig soll das Profil an zahlreichen Technischen Gymnasien im Land angeboten werden. Ebenfalls an zunächst elf Standorten startet landesweit das Profil "Internationale Wirtschaft". Zusätzlich zur Allgemeinen Hochschulreife erwerben die Schülerinnen und Schüler dann das Zertifikat "Internationales Abitur Baden-Württemberg Richtung: Wirtschaft".

  3. Doch nicht nur die Stärkung der Qualität und Profilierung der beruflichen Gymnasien ist wichtig. Auch leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler müssen ihr Potenzial entfalten können. Berufsschülerinnen und Berufsschüler mit besonderem Unterstützungsbedarf werden deshalb künftig auf der Basis einer qualifizierten Diagnose individuell und zielgerichtet gefördert. Ziel ist, Ausbildungsabbrüchen frühzeitig entgegenzuwirken und die Chancen auf einen Ausbildungserfolg zu erhöhen. Dazu richtet das Kultusministerium zum Schuljahr 2011/2012 an rund 80 Berufsschulen ein Unterstützungsangebot ein. Es umfasst einen sonderpädagogischen Dienst, der bei Bedarf eine qualifizierte Prognose über die Problemlage der betroffenen Schülerinnen und Schüler erstellt und die Lehrkräfte zur förderlichen Gestaltung ihres Unterrichts berät. Zudem richten die Schulen ein Lehrerteam "Individuelle Unterstützung" ein, das die betroffenen Berufsschülerinnen und Berufsschüler individuell unterstützt und fördert. Für die Umsetzung stehen insgesamt 50 Lehrerstellen zur Verfügung. Die Umsetzung wird durch regionale Fortbildungsmaßnahmen begleitet. Zudem wird ein individuelles Förderangebot in der Sekundarstufe II (Berufskollegs und Berufliche Gymnasien) im Umfang von 25 Deputaten eingerichtet, um alle vorhandenen Begabungslagen zu nutzen. Auch hier werden die Schulen bei der Entwicklung und Umsetzung eines pädagogischen Konzepts "Individuelle Förderung" durch Fachberaterinnen und Fachberater der Regierungspräsidien unterstützt.

  4. Des Weiteren wird in rund 130 Klassen berufsvorbereitender Bildungsgänge und in rund 40 Klassen des Berufskollegs I durch die Einführung von Ganztagesförderung das schulische Lernangebot ausgeweitet und dem Zeitmuster der Arbeitswelt angenähert. Zur Umsetzung erhalten die Schulen fünf Lehrerwochenstunden pro Ganztagsklasse. Im Vordergrund steht das Ziel, die Chancen der leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler in berufsvorbereitenden Bildungsgängen auf einen Ausbildungsplatz zu verbessern. An den Berufskollegs I wird die Ganztagesförderung als zweijähriges Modellprojekt landesweit eingeführt. Ziel des Modellprojekts ist es, zu überprüfen, ob sich die Chancen der Schülerinnen und Schüler auf den Übergang ins Berufskolleg II und den Erwerb der Fachhochschulreife durch Ganztagesförderung verbessern. Die Wirksamkeit wird nach Abschluss der Modellphase evaluiert.

  5. Ein wichtiges Handlungsfeld stellt im beruflichen Schulwesen die Stärkung der beruflichen Orientierung dar. Durch ein regelmäßiges Betriebspraktikum im Umfang von mindestens zwei Tagen pro Woche in den berufsvorbereitenden Bildungsgängen für Jugendliche mit oder ohne Hauptschulabschluss sollen die Übergangsquoten in eine duale Ausbildung weiter verbessert werden. Das Kultusministerium und die Regierungspräsidien werden die Schulen, bei denen das Angebot an Praktikumsplätzen vor Ort die Dualisierung möglich macht, bei der Umsetzung unterstützen.

  6. ie öffentlichen beruflichen Schulen erhalten im Schuljahr 2011/2012 zur weiteren Steigerung der Qualität der dualen Ausbildung und zur Stärkung der Eigenständigkeit ein Fortbildungsbudget. Damit können sie externe Fortbildungsmaßnahmen auch zu ganz speziellen Themen einzelner Berufe in Anspruch nehmen. Die Höhe des Budgets richtet sich nach der Zahl der dualen Ausbildungsberufe und der Schulgröße. Landesweit stehen den Schulen dafür 1 Mio. € zur Verfügung. Diese Mittel ergänzen die zentralen und regionalen Lehrerfortbildungsveranstaltungen des Landes, ohne diese zu ersetzen.

  7. Die Koalitionsvereinbarung zur 15. Legislaturperiode sieht den Wiedereinstieg des Landes in die Finanzierung der Jugendsozialarbeit an Schulen vor. Hierzu finden derzeit Gespräche zwischen dem Land und den kommunalen Landesverbänden statt. Neben der Jugendsozialarbeit an der Schule besteht an beruflichen Schulen auch die Möglichkeit Jugendberufshelfer einzusetzen. Die Jugendberufshelfer und Jugendberufshelferinnen bieten an den meisten Standorten mit Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und Berufseinstiegsjahr (BEJ) eine wichtige Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf (Übergangsbegleitung). Jugendberufshelfer werden durch das Land mit 10.000 Euro pro Vollzeitstelle aus dem Haushalt des Kultusministeriums bezuschusst. Derzeit werden hier 76 Stellen gefördert. Zudem stehen im Rahmen der Umsetzung der Empfehlungen des Sonderausschusses "Konsequenzen aus Winnenden und Wendlingen: Jugendgefährdung und Jugendgewalt" weitere 320.000 Euro, das entspricht weiteren 32 Vollzeitstellen, bereit.


Weiterführende Links

  • SWR: Berufsschullehrer enttäuscht von Grün-Rot
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