Mehr Wertschätzung für Lehrerberuf gefordert

Am heutigen Vormittag fand in Berlin die Feier aus Anlass des 60. Geburtstags von Ludwig Eckinger, dem Bundesvorsitzenden des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) und Vizepräsidenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), statt. Zu den Gästen zählten die Vorsitzenden aller Lehrergewerkschaften und -verbände sowie Vertreter aus Politik, Schule, Wissenschaft und Medien.

28.05.2004 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen betonte in ihrer Ansprache: "Die gesellschaftlichen Erwartungen, denen sich Lehrerinnen und Lehrer täglich zu stellen haben, werden immer zahlreicher und anspruchsvoller. Eine Gesellschaft, deren Zukunft vor allem von guter Bildung abhängt, sollte daher pädagogische Leistungen auch angemessen würdigen. Da haben wir in Deutschland Nachholbedarf. Die Politik hat erkannt, dass pädagogische Arbeit höhere Wertschätzung braucht und verdient. Die im November 2003 von der Kultusministerkonferenz initiierte Kampagne >Bildung - unser Ticket in die Zukunft< ist nur ein Beleg dafür. Wir müssen aber auch Veränderungen in der Lehrerausbildung vornehmen und neue Schwerpunkte in der Fort- und Weiterbildung setzen. Daran arbeiten wir." Neben einer Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung seien in allen Ländern Fortbildungen im Hinblick auf diagnostische und methodische Kompetenzen, zur sozialen Interaktion und zum Umgang mit Heterogenität in der Planung, in Vorbereitung oder bereits in der Umsetzung. In Bezug auf die Lehrerausbildung formulierte die KMK-Präsidentin als wesentliche Ziele "stärkeren Praxisbezug, mehr Professionalität und größere Polyvalenz". "Wir müssen den Studierenden rechtzeitig Signale geben, ob ihr eingeschlagener Weg der richtige ist", sagte Doris Ahnen. "Polyvalente Studiengänge mit gezielt betreuten Praxiselementen könnten ein Weg dahin sein. Umgekehrt sollte auch die Lehrkräfteausbildung geöffnet werden für Studiengang-Wechsler, die im Verlaufe eines fachwissenschaftlichen Studiums ihr Interesse, ihr Talent für den Lehrerberuf entdecken." Ahnen bekräftigte, die KMK stünde "der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen in der Lehrerbildung sehr aufgeschlossen gegenüber", betonte aber zugleich "die Sicherung der staatlichen Verantwortung für die inhaltlichen Anforderungen der Lehrerausbildung durch staatliche Abschlussprüfungen oder gleichwertige Maßnahmen".

Die KMK-Präsidentin kündigte im Hinblick auf die derzeitige Entwicklung von bundesweit gültigen Bildungsstandards an, "im Jahr 2006 soll mit der Normierung der Testinstrumente für die Einhaltung der Standards begonnen werden". Noch in diesem Jahr werde laut Ahnen ein Wissenschaftliches Institut der Länder zur Qualitätssicherung mit seiner Arbeit beginnen. Doris Ahnen betonte: "Mit diesem Prozess der Entwicklung und Implementierung der Standards ist keinesfalls beabsichtigt, Kontrollinstrumente einzuführen, die den Lehrerinnen und Lehrern das Leben schwer machen sollen." Vielmehr solle die Schulaufsicht stärker Aufgaben der Unterstützung von Entwicklungsprozessen der Schule als Gesamtsystem übernehmen; die Einführung der Standards werde von Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte und Schulleitungen begleitet. Doris Ahnen sprach sich dafür aus, "trotz der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte den Handlungsspielraum im Bildungsbereich zu erhöhen" und versicherte, die Kultusminister würden "um jeden Euro für die Bildung streiten".

Die Lehrergewerkschaften und -verbände, deren Vorsitzende auf der Feier in Berlin zugegen waren, bat die KMK-Präsidentin um Unterstützung auf dem eingeschlagenen Reformweg. "Nur gemeinsam wird es uns gelingen, das deutsche Bildungssystem wieder zu einem der erfolgreichsten zu machen."

Das Engagement des Bundesvorsitzenden des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Ludwig Eckinger für Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliche Wertschätzung des Lehrerberufs wurde auf der Feier durch den stellvertretenden VBE-Bundesvorsitzenden und BLLV-Präsidenten Albin Dannhäuser gewürdigt. Ludwig Eckinger steht seit November 1993 an der Spitze des VBE, einer der beiden großen Lehrergewerkschaften Deutschlands. Seit zwei Jahrzehnten ist er Vizepräsident des BLLV. Als zentrale Botschaften, für die Ludwig Eckinger steht, benannte Albin Dannhäuser in seiner Laudatio: "Erstens: Bildung und Erziehung sind von fundamentaler Bedeutung für die Verfassung unseres Gemeinwesens. Sie sind entscheidend für die Entwicklung des Kindes, für die Ausformung seines Menschen- und Weltbildes und für seine Berufs- und Lebenschancen. Zweitens: Der pädagogische Beruf ist ein Schlüsselberuf. Er leistet einen entscheidenden Beitrag zur Qualifikation und Persönlichkeitsentfaltung junger Menschen, zur sozialen und ökonomischen Stabilität, zur Daseinsvorsorge im umfassenden Sinn. Drittens: Die Politik steht in der Pflicht, bestmögliche Bedingungen für die Bildung und Erziehung junger Menschen zu schaffen. Der Staat muss ein Schul- und Bildungswesen garantieren, das dem Demokratie-, Rechts- und Sozialstaatsprinzip entspricht. Um diese Ziele zu sichern, müssen sich alle Pädagogen solidarisieren und die Bildungsorganisationen in die Politik einmischen."

Das Wirken Ludwig Eckingers im Deutschen Beamtenbund dbb, der Dachorganisation des VBE, wurde vom dbb-Vorsitzenden Peter Heesen gewürdigt. Ludwig Eckinger - Vorsitzender der dbb-Expertenkommission Schule, Bildung und Wissenschaft - habe wesentlichen Anteil daran, dass die Lehrerverbände und -gewerkschaften zu konstruktiver Zusammenarbeit gefunden haben, sagte Heesen. Damit sei eine solide Basis für das Finden eines gemeinsamen Weges und auch für die Zusammenarbeit mit der KMK geschaffen worden.

Der VBE-Bundesvorsitzende bekräftigte auf der heutigen Feier, dass im Hinblick auf die Lehrerbildung und die Stärkung des Berufsethos der Lehrerinnen und Lehrer enormer Reformbedarf bestehe. "Die Lehrerprofession braucht eine hohe Wertschätzung", so Ludwig Eckinger. "Das Produkt unserer Arbeit ist Bildung. Ohne Bildung droht die Barbarei."

Im Zusammenhang mit dem 60. Geburtstag des VBE-Bundesvorsitzenden wurde auf der Veranstaltung in Berlin das Buch "Ein neues Bild vom Lehrerberuf? Pädagogische Professionalität nach PISA" vorgestellt. Soeben erschienen im Beltz Verlag gibt der Band Auskunft über die aktuellen Entwicklungen in der Reform der Lehrerbildung. "Weniges ist in der ohnehin konfliktträchtigen Bildungspolitik so umstritten wie die Gestaltung der Bildung und Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer", schreiben die Herausgeber Udo Beckmann, Hjalmar Brandt und Heinz Wagner im Vorwort. "Die gesellschaftlichen Konsequenzen von Inhalten und Struktur der Lehrerbildung sind enorm; und deshalb sind auch die gesellschaftlichen Einflussnahmen auf die Lehrerbildung erheblich. Das macht Reformen auf diesem Feld so schwierig." Der Band umfasst Beiträge namhafter Fachleute aus Wissenschaft und Bildungspolitik.


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