"Schuletats dürfen nicht schrumpfen"

(bikl) Einer der tragenden Verbände der größten Bildungsmesse auf dem Kontinent, der didacta, ist der Verband gleichen Namens, nämlich der Didacta Verband e. V., Verband der Bildungswirtschaft, mit Sitz in Darmstadt. Seine knapp 170 Mitglieder entwickeln, produzieren und vertreiben Produkte und Dienstleistungen für alle Bildungsbereiche, von der Kindertagesstätte über Schule, Hochschule und Ausbildung bis hin zur Weiterbildung. Unter dem gemeinsamen Dach des Verbandes vertreten sie die Interessen der Unternehmen der Bildungswirtschaft gegenüber Politik, Gesellschaft und Markt. Mit dem Geschäftsführer des Didacta Verbandes, Reinhard Koslitz, sprach bildungsklick.de über aktuelle Trends in der Schulausstattung.

08.05.2006 Artikel
  • © Didacta e.V.

Herr Koslitz, die bildungspolitische Aufbruchstimmung bekommt derzeit u. a. durch sinkende Schülerzahlen und den damit einhergehenden Schulschließungen auch einen bitteren Beigeschmack. Könnte das aber nicht auch den positiven Effekt haben, dass die bisher auf mehr Schulen verteilten Ressourcen jetzt endlich der Qualität der verbleibenden Schulen zugute kommen – etwa bei räumlichen oder medialen Ausstattungen?

Koslitz: Für die Qualität der Schulen - sowohl hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung des Unterrichts als auch mit Blick auf Ausstattung und Einrichtung - wird entscheidend sein, wie sich die Bildungsbudgets entwickeln werden. Denn diese Rechnung geht natürlich nur auf, wenn die Ressourcen mindestens gleich bleiben. Wenn weniger Schulen dazu führen, dass auch die entsprechenden Etats gekürzt werden, dann wird sich die Qualität nicht verbessern. Deshalb plädieren wir dafür, dass die Schulträger auch für die kleiner werdende Anzahl von Schulen zumindest die gleichen Mittel bereitstellen. Dann könnte sich tatsächlich der von Ihnen erwähnte positive Effekt einstellen.

2. KIGA-Symposium in Köln

Die Familienministerin Von der Leyen hat jüngst ein kostenloses Pflichtjahr in Kindergärten gefordert. Das macht ja Sinn bei qualifizierter vorschulischer, d.h. vor allem sprachlicher Unterrichtung der Kinder. Neben den Anforderungen an entsprechend ausgebildetes Personal muss in den Kindergärten dazu aber auch eine geeignete Lernumgebung geboten werden. Wie sehen Sie in dieser Hinsicht die räumlichen Gegebenheiten?

Koslitz: Gerade im Elementarbereich hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt. Zahlreiche Initiativen wurden auf den Weg gebracht, die dazu beitragen können, Kinder früher zu fördern. Auch die Unternehmen der Bildungswirtschaft bringen sich hier ein, aktuell beispielsweise beim 2. KiGA-Symposium am 7./8. Juni in Köln. Im Vordergrund steht dabei immer eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Kinder und pädagogische Fachkräfte. Unser Engagement reicht deshalb von Fortbildungsangeboten für Erzieherinnen über die kindgerechte Gestaltung der Bildungseinrichtungen bis hin zur Ausstattung mit geeigneten didaktischen Materialien und Arbeitsmitteln.

Könnten dabei die von der Bildungsministerin Schavan ins Spiel gebrachten „Bildungshäuser" (Siehe bildungsklick.de), in denen Kinder von drei bis zehn Jahren „unter einem Dach“ betreut und unterrichtet würden, die Ausstattungssituation verbessern?

Koslitz: Hierbei geht es zunächst einmal darum, den Bildungsprozess als eine Einheit zu begreifen, die sich auf das Kind konzentriert und nicht auf Bildungsinstitutionen. Die neuen Bildungspläne, wie beispielsweise in Hessen und Thüringen, greifen dieses Verständnis eines konsistenten Bildungsverlaufs bereits auf. Sie sind Institutionen übergreifend angelegt. Die Übergänge zwischen Kindergarten und Grundschule werden zunehmend kindgerecht gestaltet. Das schließt selbstverständlich auch die Ausstattung ein.

Unter dem Motto "Zukunft Bildung und Betreuung" hatte die vorherige Bundesregierung die Länder bei der räumlichen Anpassung der Schulen an eine Ganztagsbetreuung massiv unterstützt und sich dabei keine Freunde bei den Anhängern föderaler Zuständigkeiten gemacht. Hat das Programm den Schulen eigentlich geholfen?

Koslitz: Das Investitionsprogramm des Bundes hat zweifellos Impulse hinsichtlich der Entwicklung von Ganztagsschule gegeben, auch wenn es in den Bundesländern unterschiedlich umgesetzt wurde. Ganz sicher geholfen hat es den Kommunen, die Ganztagsschule immer mehr als Standortfaktor begreifen und damit als Teil von Familienförderung. Und sei es nur dadurch, dass mit den Investitionsgeldern vielerorts die Infrastruktur für die Mittagsverpflegung geschaffen werden konnte. Allerdings bleibt hier noch einiges zu tun.

Der Bedarf ist größer

Die neue Ministerin hat dann schon kurz nach Amtsantritt angekündigt, das Ganztagsschulprogramm, für das insgesamt 4 Milliarden Euro zur Verfügung stehen, werde fortgesetzt. Wird das Gesamtprogramm nach Einschätzung des Didacta Verbandes dem Gesamtbedarf gerecht und in welchen Bereichen sehen Sie jetzt noch den dringendsten Investitionsbedarf?

Koslitz: Wie schon gesagt, muss für den Auf- und Ausbau der Ganztagsschulen noch einiges getan werden. Der Bedarf der Kommunen an Fördergeldern geht weit über das bislang bereitgestellte Volumen hinaus. Das sieht man allein daran, dass in vielen Bundesländern das Investitionsprogramm deutlich überzeichnet ist, also die Mittel schon heute, rund zwei Jahre vor dem geplanten Auslaufen, bereits erschöpft sind. Sicher ist dies vielerorts auf einen Sanierungsstau zurückzuführen. Doch auch hinsichtlich der Ausstattung der Angebote, vor allem der echten Ganztagsschulen, besteht großer Bedarf. Hier muss weiter investiert werden, damit der Vormittagsunterricht beispielsweise in Schülerlaboren, durch Sportangebote und andere Arbeitsgemeinschaften sinnvoll ergänzt werden kann.

Lebenslanges Lernen wird zukünftig in nahezu allen Berufen unumgänglich sein. Das aktuelle Stichwort dazu lautet: Blended Learning. Traditionelle Lernräume und Lernsituationen bleiben zwar erhalten, verlieren aber an Bedeutung, weil das Lernen verstärkt mit elektronischen Medien und individualisiert geschieht. Sind Betriebe und Ausbildungsstätten eigentlich dafür gerüstet und was bedeutet dieser Wandel für die Investitionskosten und beim „output"?

Koslitz: Die Eintrittschwelle einzelner Betriebe mag wegen der zunächst einmal erforderlichen Investitionen in die geeignete Technik höher sein, die mittelfristige Kosten-Nutzen-Relation kann aber für Blended Learning sprechen. Das zeigen Erfahrungen unserer Mitgliedsfirmen, die sich seit einigen Jahren mit dem Thema intensiv auseinander setzen. Bei der Bewertung von Blended-Learning-Maßnahmen müssen aber auch die pädagogische Stärken dieser Methode berücksichtigt werden, die übrigens nicht nur bei der Erwachsenenbildung zum Tragen kommen.

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