Leseförderung

"Bildung ist das 2. Standbein der Leipziger Buchmesse"

(red) Lesefest, Autoren zum Anfassen oder Buchpreisverleihung, all diese Begriffe gehören zur Leipziger Buchmesse, die auch in diesem Jahr wieder mehr als 160 000 Besucher anlockte.

29.03.2012 Artikel

Aber die Messe bietet noch weit mehr, erklärt der Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille. "Die Bildung ist neben der Literatur das 2. Standbein der Leipziger Buchmesse. Literaturvermittlung ist der eine Bereich für Erwachsene, Leseförderung für Kinder und Jugendliche der andere für die Kinder. Wenn Bücher in der Zukunft gelesen werden sollen, dann braucht`s auch ein Training, eine Büchergewöhnung. Wir haben über 450 Veranstaltungen im Kinder- und Jugendbereich und für die Lehrer gibt´s ein großes Weiterbildungsprogramm. Lehrer aus ganz Deutschland kommen mittlerweile nach Leipzig, vor allen Dingen zu dem Fortbildungsangebot. Die Zahlen sind in den letzten Jahren exponentiell gestiegen und wir glauben, wir haben gute Chancen uns hier in Leipzig mit einem zweiten Standbein zu einer Bildungsmesse zu entwickeln.

<iframe width="484" height="276" src="http://www.youtube.com/embed/Gn8yzq2NSy0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe>

"Die optimale Lehrmethode für alle gibt es nicht"

Rund 800 Lehrer nutzten den Messedonnerstag zur Weiterbildung und folgten der Einladung zum Bildungskongress "Kinder lernen immer und überall", den der Hirnforscher Prof. Dr. Holger Schulze von der Universität Erlangen mit seinem Vortrag "Wie und wo lernen Kinder am besten? Neurobiologie trifft Pädagogik" eröffnete. Sein Statement: "Lernmethoden aus Sicht der Neurobiologie kann man eigentlich keine empfehlen. Man kann nur darauf hinweisen, dass das Lernen von Schülern hochgradig individuell ist. Das heißt, die optimale Lehrmethode, die für alle gleichermaßen gut ist, kann man nicht anbieten. Man kann nur sagen, für jeden einzelnen Schüler gibt es eine optimale Methode, nach der er persönlich am besten lernt. Das kann der Frontalunterricht sein, das kann der Gruppenunterricht sein, das kann stärkere visuelle Präsentation des Stoffes sein oder auditives, stilles Arbeiten, was auch immer. Das herauszufinden ist bezogen auf den einzelnen Schüler die optimale Methode und kann niemals – weil das so individuell ist – für die ganze Klasse gelten."

Besser ausgebildete Lehrer machen besseren Unterricht

Doch was fördert wirklich die Lernergebnisse? Sind zum Beispiel Klassengröße oder bestimmte Freizeitbeschäftigungen entscheidend? Überraschende Antworten präsentierte anschließend Prof. Dr. Olaf Köller von der Universität Kiel. "Die kleine Klasse führt dann zum Lernerfolg, wenn sie sehr klein ist, also mit einer Gruppengröße von unter zehn Schülern, aber eine Klassenstärke von 30 oder 25 macht keinen Unterschied. Faktoren, die schaden, sind nicht die, die im Volksmund gern genannt werden. Es schadet nicht generell das viele Fernsehen. Was wir wissen, was schadet, ist: sitzen bleiben. Was wir weiterhin auch wissen, ist, dass hohe Mobilität der Eltern mit vielen Schulwechseln verbunden negative Effekte auf Lernerfolge hat. Und: Je höher die Qualifizierung der Lehrer, desto besser der Unterricht der Lehrerinnen und Lehrer und desto höher auch die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler. Das heißt, Lehrerausbildung, Lehrerfortbildung zu optimieren, bedeutet letztendlich auch, dass Schülerinnen und Schüler erfolgreicher lernen."

Weitere ganz konkrete Anregungen will der erstmals vorgestellte Leipziger Lesekompass geben. Er präsentiert 30 ausgewählte Bücher, die für die Förderung der Lesekompetenz in Schulen und Kindertagesstätten geeignet sind.

"Wir haben den Eindruck gehabt, was wir brauchen sind vor allen Dingen Hilfestellungen für pädagogische Fachkräfte, also für Erzieherinnen, Erzieher, Grundschullehrerinnen, Grundschullehrer und auch für Eltern in den verschiedenen Zielgruppen", erklärte Dr. Jörg F. Maas von der Stiftung Lesen. "Das war die Idee, gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse den Leipziger Lesekompass herauszugeben."

Die besten Schulbücher

Neben dieser Orientierungshilfe sollte noch ein weiteres Ereignis auf der Messe richtungsweisend sein: Die Preisverleihung "Schulbuch des Jahres". Auch dies eine Premiere in Leipzig. Was die Preisträger auszeichnet, erläuterte die Juryvorsitzende Prof. Dr. Simone Lässig vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung: "Wir haben drei Domänen definiert: Geschichte und Gesellschaft, die MINT-Fächer und Sprachen und was alle herausragenden Schulbücher auszeichnet, ist, dass sie eine gute, altersgemäße Sprache finden. Das Zweite ist, dass die hier ausgezeichneten Schulbücher sich sehr stark auf die Alltagserfahrungen, auf die Lebenswelten der Schüler beziehen. Dass sie faktisch aus der Lebenswelt heraus die Fachfragen entwickeln und nicht umgekehrt."

Die typischen Businessbesucher mit schwarzem Anzug und Aktentasche sucht man in Leipzig vergeblich. Stattdessen durchstreiften immer wieder Schülergruppen die Hallen. Sie erkundeten gemeinsam mit ihren Lehrern die Messe oder nahmen an der BücherRalley teil, die bereits zum sechsten Mal stattfand. Eine ebenso lange Tradition hat auch das Kita-Symposium, das diesmal unter dem Motto "Vom Kind aus denken" stand.

Sonja Ritter vom Didacta Verband beschrieb, was sich hinter diesem Titel verbarg: "An Erzieherinnen und auch an die Kinder werden enorme Anforderungen gestellt, nicht zuletzt aufgrund der neuen Erkenntnisse der Neurobiologie. Und manchmal hat es dann den Anschein, als ob man die wesentliche Persönlichkeit, die dahinter steht, Dr. Jörg F. Maas, Stiftung Lesen, nämlich das Kind. Wir wollten wieder zurückkommen und sagen, da fängt alles an: Wenn man das Kind in den Mittelpunkt stellt - und das muss man – dann gehen von da alle Stränge nach außen.

Mehr als 400 Erzieherinnen waren zu diesem Symposium des Didacta Verbands, der Stadt und der Messe Leipzig gekommen. Und nicht wenige von ihnen nutzen die Messe schon seit Jahren für ihre Weiterbildung, wie die Kita-Leiterin Ute Krämer: "Ich fahre schon das vierte Jahr mit meiner Kollegin zusammen hierher, weil uns das sehr anregt, immer wieder neue Bildungsprozesse kennenzulernen und uns hier weiterzubilden. Wir haben hier qualifizierte Ansprechpartner, wo wir wirklich neuen Input für unsere Arbeit bekommen."

Input wird es wohl auch in den kommenden Jahren in Leipzig reichlich geben - für Lehrkräfte, für Erzieherinnen und für Schüler.


Mehr zum Thema


Weiterführende Links

  • Beitrag als Video auf didacta-bildungsklick.tv

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden