Bildungschancen in Deutschland: Noch immer ungleich
(red) Das deutsche Bildungswesen steht weiterhin vor zentralen Herausforderungen. Das zeigen die Befunde des Bildungsberichts 2014, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Alle zwei Jahre nehmen renommierte Bildungsexperten damit die Bildung in Deutschland unter die Lupe.
13.06.2014 ArtikelZwar werden immer mehr Kinder unter drei Jahren in Kitas betreut und gebildet und auch der Trend zu höheren Schulabschlüssen hat sich fortgesetzt, aber nach wie vor ist es um die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland nicht gut bestellt. Das beginnt schon beim Wohnort. Wegen sinkender Schülerzahlen können viele Kommunen außerhalb der Ballungsräume kein wohnortnahes Schulangebot mehr bereitstellen, vor allem in Ostdeutschland. Die Folge: lange und beschwerliche Schulwege oft schon für junge Schüler.
Auch weiterhin besuchen Schülerinnen und Schüler mit einem niedrigen soziökonomischen Status erheblich seltener das Gymnasium als diejenigen mit hohem soziökonomischen Status. Und die Ausbildungsperspektiven für bildungsbenachteiligte Jugendliche, so schreiben die Wissenschaftler, bleiben weiterhin prekär. 2013 landete immer noch über eine viertel Million ausbildungsinteressierter Jugendlicher im Übergangssystem - vor allem Jugendliche mit maximal Hauptschulabschluss sowie ausländische Jugendliche. Zwar wechseln immer mehr Kinder nach der Grundschule aufs Gymnasium, aber in den Jahrgangsstufen 5 bis 9 müssen etwa 10 Prozent von ihnen die Schule wieder verlassen. Zu viele Bildungsbrüche gibt es auch in der dualen Berufsausbildung und im Studium: Durchschnittlich 22% der Ausbildungsverträge werden aufgelöst und mehr als ein Viertel der Studierenden im Bachelorstudium bricht nach wie vor ab.
Der Bericht widmet sich immer einem Schwerpunktthema. Diesmal: "Menschen mit Behinderungen im Bildungswesen". Auch hier gibt es keine Lorbeeren: "Es zeigt sich, dass sich mit jeder Bildungsstufe der Anteil der gemeinsam betreuten und unterrichteten Kinder bzw. Jugendlichen deutlich verringert."
Tatsächlich besuchen immer mehr Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen gemeinsam Kindertageseinrichtungen und Schulen; der Anteil nimmt aber mit zunehmendem Alter deutlich ab: Von rund 44% im Grundschulbereich auf 23% im Sekundarbereich I.
"Von inklusiver Bildung sind wir weit entfernt – Exklusion ist nach wie vor in allen Bereichen des Bildungssystems an der Tagesordnung. Wir grenzen aus und stufen ab", erklärte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, nach der Vorstellung des Bildungsberichts.
Aus den Bundesländern hingegen kam überwiegend (Eigen)Lob. "In Bayern werden die jungen Menschen gut ausgebildet", erklärte Bayerns Bildungsminister Dr. Ludwig Spaenle. "Der Bericht ´Bildung in Deutschland 2014` stellt Thüringen ein sehr gutes Zeugnis aus", konstatierte Bildungsminister Christoph Matschie und die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt betonte, die Landesregierung fühle sich in ihrem Kurs bestätigt.
An etlichen Stellen des Berichts lässt sich auch eine (leise) Föderalismuskritik herauslesen, etwa wenn es um die Diagnoseverfahren zum sonderpädagogischen Förderbedarf geht, die sich in den einzelnen Ländern deutlich unterscheiden. Oder wenn die Autoren abschließend erklären, dass sich die von ihnen herausgearbeiteten Handlungsfelder ohne übergreifende Bildungskonzepte wohl nicht angemessen gestalten lassen. Auch "übergreifende Bildungskonzeptionen der Inklusion auf allen Stufen und in allen Bereichen des Bildungssystems" werden von ihnen dringend empfohlen.
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