Carl Bertelsmann-Preis 2007: Baden-württembergische Realschulen für verpflichtendes Sozialpraktikum ausgezeichnet
Die Realschulen Baden-Württembergs sind für die Förderung des sozialen Engagements ihrer Schülerinnen und Schüler von der Bertelsmann Stiftung ausgezeichnet worden. Bei der Verleihung des Carl Bertelmanns-Preises am Donnerstag (6. September) in Gütersloh erhielt das seit 2004 im Bildungsplan der Realschulen verbindlich verankerte Themenorientierte Projekt "Soziales Engagement" (TOP SE) einen mit 50.000 Euro dotierten Sonderpreis. Kultusminister Helmut Rau MdL nahm die Auszeichnung aus den Händen von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel entgegen.
06.09.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg"Das vielgestaltige Unterrichtsprojekt ist eine Aufforderung an die Schülerinnen und Schüler zur Übernahme von sozialer Verantwortung", sagte Rau. Wichtig sei, dass junge Menschen auch in Bereiche bürgerschaftlichen Engagements Einblicke erhielten, die für sie fremd seien. Als Beispiele nannte der Minister die Arbeit als Familienhelfer, die Begleitung von Kranken und behinderten Menschen und die Unterstützung von Erzieherinnen im Kindergarten. "Die Jugendlichen machen die Erfahrung, dass ihr Einsatz anderen hilft. Jeder kann und soll etwas zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft beitragen", betonte der Minister. In dem Sonderpreis der Bertelsmann Stiftung sieht Rau auch eine Bestätigung für die pädagogische Arbeit an den Realschulen des Landes. "Wichtiger als Strukturdebatten sind moderne Bildungs- und Unterrichtskonzepte. Die Realschulen im Südwesten sind Orte ständiger pädagogischer Innovation", betonte Rau. Nach Einschätzung der Bertelsmann-Stiftung ist Baden-Württemberg in der strategischen Förderung des gesellschaftlichen Engagements an Schulen das herausragende Beispiel in Deutschland. "Das TOP SE gehört auch im internationalen Vergleich zu den innovativsten Ansätzen", betonte Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung
Das TOP SE ist verbindliches Element im Bildungsplan der Realschule in Baden-Württemberg. Die Unterrichtsform wurde mit der Bildungsplanreform 2004 eingeführt. Die Realschüler absolvieren ein Sozialpraktikum oder arbeiten im Rahmen einer Kooperationsmaßnahme mit einer Grund- oder Förderschule zusammen. Für Tätigkeiten an der eigenen Schule können sich die Schüler zum (Junior-)Schülermentor ausbilden lassen und bieten dann für jüngere Mitschüler Kurse in Sport, Musik, naturwissenschaftlichem Arbeiten oder Hausaufgabenbetreuung an. Alternativ arbeiten sie im Schulsanitätsdienst, als Streitschlichter oder Pausenmentoren.
Neben den Fächern und Fächerverbünden bilden die Themenorientierten Projekte eine eigene Unterrichtskategorie. Drei weitere Projekte sind Bestandteil des Bildungsplans: "Technisches Arbeiten" in Klasse 5 oder 6, "Berufsorientierung" sowie "Wirtschaften, Verwalten und Recht". TOP SE wurde im Unterausschuss "Ehrenamt" des Deutschen Bundestages vorgestellt und den anderen Bundesländern zur Nachahmung empfohlen. Hessen und Niedersachsen planen, das Programm in ihren Bildungsplan aufzunehmen.
Die Themenorientierten Projekte werden fächerübergreifend über sechs Realschuljahre angeboten. In der Regel stehen pro Schuljahr 72 Unterrichtsstunden zur Verfügung. Jede Realschule entscheidet selbst über Zeitpunkt und Organisationsrahmen. Die individuell erbrachten Leistungen der Schüler werden in einer verbalen Beurteilung dokumentiert und mit einer Note bewertet. Die Beurteilung liegt dem Zeugnis bei. Das TOP SE findet überwiegend in Klasse 7 bis 9 statt.
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