DL zur OECD Bildungsstudie: "Völlige Ignoranz gegenüber der Bedeutung der beruflichen Bildung"
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hat die OECD wegen der Interpretation ihrer eigenen Bildungsdaten scharf kritisiert.
12.09.2012 Pressemeldung Deutscher Lehrerverband (DL)Wörtlich sagte Kraus: "Es ist jedes Jahr das gleiche rituelle Spielchen. Die OECD kennt nur noch den Fetisch der Studierquote. Wer aber wie die OECD glauben macht, dass eine geringe Quote an arbeitslosen jungen Leuten mit einer hohen Akademisierungsquote zu tun hat, der ist auf dem Holzweg. Deutschland und Österreich haben in der Mitte des Jahres 2012 eine Quote an arbeitslosen 25- bis 34-Jährigen von 8,0 bzw. 8,9 Prozent. Die Quote an Jungakademikern in diesen beiden Ländern beträgt gleichzeitig 26 bzw. 21 Prozent. Dem gegenüber haben Spanien, Frankreich und Großbritannien vermeintlich glanzvolle Jungakademikerquoten von 38 bzw. 43 bzw. 45 Prozent, gleichzeitig aber erschreckende Quoten an Arbeitslosen in diesem Altersbereich von 52,9 bzw. 23,4 bzw. 21,7 Prozent.
Dass gerade die berufliche Bildung in Deutschland aus wirtschaftlichen und aus sozialpolitischen Gründen Vorbild für andere Staaten sein könnte, will die OECD in ihrem Studierquotenwahn nicht wahrhaben. Dabei ist sozial gerade das, was junge Leute in Lohn und Brot bringt und nicht das, was Berechtigungen anstelle von Befähigungen vermittelt.
Wenn Bundesregierung und Kultusministerkonferenz die OECD-Analysen jetzt als unausgereift kritisieren, so wurde dies höchste Zeit. Den beiden ist freilich auch ins Stammbuch zu schreiben, dass sie die OECD seit Jahren ungestraft vor sich hin ideologisieren lässt. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Deutschland der OECD einmal Mittel streicht, bei der personellen Besetzung der OECD-Spitzenpositionen genauer hinschaut oder sich an solchen Berichten einfach nicht mehr beteiligt."
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