Gelebte Demokratie: VHS-Wahlaktion half Analphabeten

Etliche funktionale Analphabeten haben die Unterstützung der Volkshochschulen und des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) genutzt: Sie informierten sich vor Ort und im Internet über Möglichkeiten, per Briefwahl oder direkt im Wahllokal ihre Stimme abzugeben.

25.09.2009 Pressemeldung Deutscher Volkshochschul-Verband e.V. (DVV)

Zur Erinnerung: Nach vorsichtigen Schätzungen des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) ist bei rund 750.000 der insgesamt 4 Millionen Wahlberechtigten die Lesekompetenz so niedrig, dass sie alleine nicht in der Lage sind, am Sonntag den Stimmzettel auszufüllen. "Viele von ihnen haben deshalb unsere Hilfe angenommen", unterstreicht DVV-Präsidentin Prof. Rita Süssmuth. "Wir freuen uns über jeden einzelnen Betroffenen, der nun von seinem Wahlrecht Gebrauch machen kann. Für Menschen, die immer bemüht sind, ihre Schwäche zu verbergen und bloß nicht aufzufallen, ist es ein riesiger Erfolg, ihre Stimme bei der Bundestagswahl abzugeben und sich damit an einem politisch wichtigen Ereignis aktiv zu beteiligen."

Der Deutsche Volkshochschul-Verband hat heute vor drei Wochen eine Internetseite online gestellt, auf der Betroffene vollkommen anonym das Wählen lernen und üben können. Noch bis Sonntag stehen die vertonten, durch den Bundeswahlleiter autorisierten Übungen unter www.ich-will-wählen-gehen.de im Netz. Die Nutzerinnen und Nutzer haben hier erfahren, wie sie Briefwahlunterlagen beantragen und sie – gegebenenfalls zusammen mit einer Vertrauensperson – ausfüllen können, um auf diese Weise in Ruhe und ohne zeitlichen Druck zu wählen. Sie konnten sich außerdem informieren, wie ein Stimmzettel aussieht, wie der Urnengang im Wahllokal abläuft und nicht zuletzt, wie der Bundestag funktioniert. "Die sprechende Website hat mir Mut gemacht, es endlich einmal zu versuchen: Ich freue mich darauf, nun wählen gehen zu können", bringt es ein Lerner, der namentlich nicht genannt werden will, auf den Punkt.

Analphabeten wie er konnten sich zudem vertrauensvoll an ihre Volkshochschule vor Ort wenden und erhielten dort unbürokratisch, schnell und kostenlos Unterstützung – ein Angebot, das ebenfalls auf immenses Interesse gestoßen ist. Süssmuth: "Die Aktion zeigt, dass Weiterbildung in den Volkshochschulen ganz konkret und lebenspraktisch ist. Aber sie zeigt ebenso, dass wir auch und gerade nach der Bundestagswahl akuten Handlungsbedarf haben. Es ist nicht akzeptabel, dass so viele Menschen in unserem Land funktionale Analphabeten sind. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie abgeschnitten werden – nicht von einer Bundestagswahl und auch nicht von der nachträglichen Chance, Lesen und Schreiben zu lernen. Jetzt ist der neue Bundestag gefragt, das Problem engagiert anzugehen. Die Volkshochschulen jedenfalls werden in Zukunft weiterhin alles tun, um den betroffenen Menschen zu helfen."

Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist die bildungs- und verbandspolitische Vertretung der Volkshochschulen und der VHS-Landesverbände auf Bundes- und europäischer Ebene. Hinter ihm stehen die rund 1000 Volkshochschulen in Deutschland.


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