GEW: "Gipfel beschließt Freibrief für weitere Kürzungen im Bildungswesen"

"Angelas Merkels 'Bildungsrepublik' hat sich leider als Seifenblase erwiesen und ist zerplatzt. Wir hatten uns von dem Gipfel mehr erhofft als eine Arbeitsgruppe, die bis nach den Bundestagswahlen 2009 tagt, bevor sie Vorschläge macht. Unser Bildungswesen braucht schnell, massive Investitionen von Bund und Ländern - und keine vagen Finanzversprechen für das Jahr 2015. Konkret bleibt, dass die Bundesländer nicht einmal zusagenwollen, wegen sinkender Schülerzahlen frei werdende Mittel ausschließlich im Bildungswesen zu belassen. Unter dem Strich ist das ein Freibrief für weitere Kürzungen der Bildungsetats. Da helfen lose Versprechungen auf ein angebliches Milliarden-Paket in ferner Zukunft nicht weiter", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ulrich Thöne, mit Blick auf die Dresdener Erklärung von Bund und Ländern vom Mittwoch.

23.10.2008 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Ebenfalls als wenig verbindlich und präzise bezeichnete der GEW-Vorsitzende die Vereinbarung zur Senkung der Zahl der Schulabbrecher bis zum Jahr 2015. Schon im Rahmen der europaweiten Lissabon-Strategie hatte sich Deutschland 2000 verpflichtet, die Zahl der Schulabbrecher bis 2010 zu halbieren. Trotzdem liege die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss seither jedes Jahr konstant über 70.000. "Mit der Dresdener Erklärung frischen Bund und Länder nur alte Versprechungen auf und fallen weit hinter den Lissabonner Zeitplan zurück. Das ist ein bildungspolitischer Offenbarungseid", sagte Thöne. Er forderte von jedem einzelnen Bundesland einen konkreten Maßnahmenkatalog, wie dort die Zahl der Schulabbrecher jeweils halbiert werden solle.

Der GEW-Vorsitzende kritisierte, dass der drohende Pädagogenmangel auf dem Bildungsgipfel nicht einmal in Ansätzen diskutiert wurde. "Unsere Kindergärten und Schulen stehen vor einem gewaltigen Generationenwechsel. In den kommenden zehn Jahren wird rund die Hälfte des pädagogischen Personals an Krippen, Kindergärten, Schulen und Hochschulen in den Ruhestand gehen, Der Bildungsgipfel hat diese Entwicklung aber vollkommen verschlafen", unterstrich Thöne. Um den Ausbau der frühkindlichen Bildung abzusichern, müssten allein bis 2015 Jahr für Jahr 17.000 neue Erzieherinnen und Erzieher an den Kindergärten und Krippen eingestellt werden. Diese Zahl sei aber nicht zu erreichen, denn bislang schließen jährlich nur 7.000 junge Menschen ihre Ausbildung an Fachschulen und Fachakademien ab. "Es fehlen uns also pro Jahr rund 10.000 Fachkräfte in Krippen und Kindergärten. Wer soll da die von Bund und Ländern versprochene Bildungsarbeit in den Kitas leisten? Wer soll die Sprachförderung der Kinder vor Ort umsetzen?", fragte Thöne.


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