GEW Sachsen-Anhalt greift in Tarifkampf ein
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wird am morgigen Dienstag, dem 19. Februar 2008 in den Kindereinrichtungen der Stadt Köthen in den Mittagstunden zum Warnstreik und in Dessau-Rosslau um 15:30 Uhr zu einer Tarifdemonstration aufrufen.
18.02.2008 Sachsen-Anhalt Pressemeldung GEW Sachsen-AnhaltAnlass der Aktionen sind die laufenden Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Kommunen, die auch nach der dritten Runde, am 12./23. Februar 2008 in Potsdam, keine Annäherung der Positionen von Gewerkschaften und Arbeitgebern gebracht hat.
"Wir erwarten, dass unsere Kolleginnen aus Kinder- und Jugendeinrichtungen der Städte dem Aufruf folgen werden." erklärte der Geschäftsführer der GEW Sachsen-Anhalt, Frank Wolters, "denn wir haben uns in den letzten drei Verhandlungsrunden von den Arbeitgebern im Bund und in den Kommunen anhören müssen, dass es kein Nachholbedarf für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst gäbe und dass zu hohe Lohnabschlüsse die wirtschaftliche Entwicklung gefährden würden. In den letzten vier Jahren wurde zu Lohnzurückhaltung aufgerufen, weil die Haushaltslage schlecht war. Wenn es nach den Arbeitgebern ginge, würden die Beschäftigten nie mehr eine Lohnerhöhung bekommen."
Die GEW fordert für Ihre Mitglieder eine Steigerung des Einkommens um 8 Prozent, mindestens aber um 200 Euro monatlich. Die Beschäftigten im Osten sollen nach dem Willen der Arbeitgeber erneut von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt werden. Damit würde die am 1. Januar erreichte Ost-West Angleichung konterkariert. Außerdem gilt es, die Forderung der Arbeitgeber abzuwehren, neueingestellte Erzieherinnen zukünftig um zwei Entgeltgruppen schlechter zu vergüten als dies bisher der Fall ist. Insgesamt stellt das Arbeitgeberangebot keine Einkommenserhöhungen in Aussicht, sondern führt zu weiteren realen Einkommensverlusten.
Für die Erzieherinnen, die mehrheitlich in Teilzeitbeschäftigung arbeiten, liegt das monatliche Bruttoeinkommen derzeit zwischen 900 und 1.500 Euro. Darunter befinden sich viele Frauen, die als Alleinverdienerinnen ihre Familien durchbringen müssen. Hinzu kommt, dass seit Jahren das Damoklesschwert der Privatisierung über den Einrichtungen hängt und bei den Erzieherinnen zu einer latenten Verunsicherung geführt hat.
"Unserer Ansicht nach klafft die Schere zwischen den Anforderungen, die an die pädagogische Arbeit in Kindertagestätten gestellt werden, und der Bezahlung für diese Arbeit immer weiter auseinander." erklärt Wolters. "Damit mit muss jetzt Schluss sein! Wir werden in aller Geschlossenheit mit den Kolleginnen und Kollegen der Gewerkschaft ver.di ein Zeichen setzen, das von den Arbeitgebern ernst genommen werden sollte. Wenn in die nächste Verhandlungsrunde, Ende Februar, keine Bewegung kommt, müssen wir ernsthaft über Erzwingungs-Streiks nachdenken."
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