Kulturelle Bildung

Kulturrat fordert Nothilfefonds für Kultureinrichtungen

Angesichts massiver Mittelkürzungen im Kulturbereich fordert der Deutsche Kulturrat einen Nothilfefonds für notleidende Kultureinrichtungen. Einsparungen wie in Leipzig seien ein "verheerendes Signal" angesichts der Debatte um kulturelle Bildung, sagt der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann.

29.09.2010 Pressemeldung Deutscher Kulturrat e.V.

"Man muss erkennen, dass die Welle uns jetzt voll erwischt hat", sagt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats. "Wir können uns gar nicht mehr retten vor den vielen Anrufen von notleidenden Kulturreinrichtungen". Und zumindest bei den "Leuchttürmen" der Kultureinrichtungen müsse der Bund einspringen, fordert Zimmermann.

Eine Politik, die über Bildungschipkarten und kulturelle Bildung debattiert, und dann gleichzeitig bei Einrichtungen spare, die kulturelle Bildung anbieten, sei verrückt, so Zimmermann: "Zwei Drittel aller Bibliotheken müssen mit massiven Kürzungen auskommen im Moment, und gerade diese Einrichtungen sind es doch, die ein niederschwelliges Kulturangebot bieten, die gerade für diese Bevölkerungsgruppen da sind, die jetzt auch im Fokus stehen."

In Leipzig soll die Oper 1 Million Euro in ihrem Jahresetat einsparen. Das hieße, so Zimmermann, sie müsste die Hälfte des Jahres schließen. Das Leipziger Naturkundemuseum soll gar für drei Jahre geschlossen werden.

"Das ist ein verheerendes Signal", sagt Zimmermann, und fordert: "Da muss man mit Logik hereingehen: Ist es wirklich sinnvoll, wenn wir eine Oper für die Hälfte des Jahres schließen, die wir uns ja auch mit viel Geld dahingestellt haben? Ist es wirklich sinnvoll, ein Naturkundemuseum einfach mal für 3 Jahre zuzumachen und dann zu sagen, danach wird die Welt schon besser aussehen. Ich glaube, da muss man sich einfach mal intensivere Gedanken machen. Unsere Forderung ist, dass der Bund auch eine Verantwortung dafür hat und er muss sich einfach mit Gedanken machen, wie diese notleidenden Kultureinrichtungen gefördert werden."

Zimmermann hofft, dass die Bürger in den Kommunen mit massiven Protesten helfen, "die Sparwut abzumildern. Wenn die Menschen nicht auf die Straße gehen, dann sieht es, glaube ich, düster aus".

Außerdem spare die Schließung einzelner Einrichtungen nicht wirklich etwas, da die Leute ja weiter beschäftigt werden müssen: "Es wird eigentlich eine symbolische Einsparung vorgenommen, die aber in unserem Bereich ganz reale Auswirkungen hat. Man spart nicht wirklich, man kann auch damit keinen Etat einer Stadt sanieren, aber wird wirklich massiven Schaden diesen Kultureinrichtungen zufügen."

Hier geht es zum Gespräch (mp3).

Ende Quelle: www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1282699/


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