Mehrwert Bildung

"Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen", sagte Benjamin Franklin bereits vor rund zweihundertfünfzig Jahren. Heute ist Bildung wichtiger denn je. In der globalisierten Welt erschließt sie dem Einzelnen Entwicklungsmöglichkeiten und sichert seine Teilnahme an der Gesellschaft. "Bildung ist auch der Schlüssel zur eigenen Kultur und ermöglicht eine offene, respektvolle Annäherung an das Fremde, sie ist Grundlage für den Dialog der Kulturen", sagte Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, 2006 bei der Vorstellung des neuen Themenschwerpunktes Zukunft Bildung.

21.09.2007 Pressemeldung Frankfurter Buchmesse

Wirtschaft und Gesellschaft greifen verstärkt auf die Ressource Wissen zurück, weil sich der Wandel zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft immer schneller vollzieht. 2004 waren bereits 71 Prozent der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt, davon knapp die Hälfte in Wissens- und Informationsberufen. Das bedeutet: Wissensvermittlung und Wissensaneignung müssen sich veränderten Bedürfnissen stellen. Daneben fordert die demographische Entwicklung mit steigender Lebenserwartung und immer noch sinkenden Geburtenraten große Anpassungsleistungen eines künftigen Bildungssystems. Lernen, darauf weisen Wissenschaftler und Politiker hin, ist nicht mehr auf die Schulzeit begrenzt.

Zukunft Bildung - Expertentreffen auf der Frankfurter Buchmesse

´Lebenslanges Lernen´ und die ´lernende Gesellschaft´ sind die zentralen Schlagworte. Der Themenschwerpunkt Zukunft Bildung der Frankfurter Buchmesse greift sie auf und zeigt die wachsende Bedeutung von Bildung. Von den über 7000 Verlagen aus dem In- und Ausland, sind rund 1300 Anbieter von Bildungsmedien. Bildung ist ein Wachstumsmarkt. Bildungsanbieter rangieren auf den ersten Plätzen der 100 größten deutschen Verlage. Frankfurt ist nicht nur der wichtigste Geschäftstermin der Buchwelt, die Messe ist auch Plattform für Erfahrungsaustausch und kulturpolitische Diskussionen. "Deshalb ist Frankfurt prädestiniert, sich intensiv dem Zukunftsthema Bildung zu widmen", sagt Buchmessedirektor Boos.

Zwei spezielle Ausstellungsbereiche, der internationale und interdisziplinäre LitCam-Kongress, der Bildungskongress Lernende Gesellschaft, zahlreiche Diskussionsveranstaltungen sowie Foren sind dem Thema "lebenslanges Lernen" gewidmet. Das Spektrum reicht von der vorschulischen Erziehung und Bildung über mediales Lernen in der Schule über die kontinuierliche berufliche Qualifikation und mit fortschreitender Lebenserwartung auch die Einbeziehung der Potentiale einer alternden Gesellschaft.

Fünf Tage Medienöffentlichkeit während der Buchmesse schaffen Aufmerksamkeit, auch für Themen am Rande der (bildungs)politischen Diskussionen wie für die Kampagnen zur Alphabetisierung. Nach dem jüngsten UNESCO-Bildungsbericht von 2007 kann weltweit jeder fünfte Erwachsene nicht lesen und schreiben. In Deutschland, so schätzt der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V., gibt es circa vier Millionen funktionale Analphabeten. Diese können nicht oder nur rudimentär lesen und schreiben und haben kaum Chancen in einer sich rasant entwickelnden Wissensgesellschaft.

Fußball und Bildung spielen in der selben Liga

Deshalb hat die Buchmesse zusammen mit den Partnern Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V., dem Deutschen Volkshochschulverband und dem UNESCO Institut für Lebenslanges Lernen bereits 2006 die LitCam (Frankfurt Book Fair Literacy Campain) als internationale Kampagne zur Alphabetisierung angestoßen. "Für uns ist die Frankfurter Buchmesse und ihre große öffentliche Präsens ein wichtiges Forum, um auch unser Anliegen, vor allem unsere Projekte der Öffentlichkeit bekannter zu machen," sagt Ralf Häder, vom Bundesverband Alphabetisierung und Projektleiter von "F.A.N. – Fußball, Alphabetisierung, Netzwerk".

Obwohl der Bildungsstand in Deutschland in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen ist – inzwischen haben rund 33 Prozent der 30-35-Jährigen einen Hochschulabschluss – zeigt der Bericht "Bildung in Deutschland" von 2006, dass immer noch knapp 15 Prozent der jungen Männer und 17 Prozent der Frauen keine Berufsausbildung haben. Umso wichtiger ist es, mit der Förderung früh anzufangen und vor allem Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien zu unterstützen. Der Börsenverein und die Stiftung Lesen sind mit ihren verschiedenen Kampagnen bereits seit Jahren für die Leseförderung aktiv und auch mit ihren neuen Aktionen auf der Buchmesse präsent.

Das lokale Projekt "Fußball trifft Kultur", als erste Initiative der LitCam mit Unterstützung von F.A.N. und der Fußballschule der Eintracht Frankfurt in diesem Jahr gestartet, geht ganz neue Wege der Leseförderung. Seit Ostern 2007 trainieren Kinder der Karmeliterschule mit Ex-Profis der Eintracht und erhalten parallel Förderunterricht. Im August wurde das Projekt von der Kampagne "Land der Ideen" als "Ausgewählter Ort" ausgezeichnet. Für die Projektleiterin Karin Plötz ist die Auszeichnung der Beweis, dass die LitCam auf dem richtigen Weg ist.

"Unsere Nachbarn sind in diesem Bereich schon viel weiter", sagt sie. In den USA läuft mit großer staatlicher Unterstützung seit 2002 die Leseförder-Kampagne Reading First und in Großbritannien hat Leseförderung gleichfalls höchste Priorität. Bereits seit Ende der neunziger Jahre sind in der National Reading Campaign eine Fülle von Programmen und Maßnahmen zusammengefasst. "Auf dem LitCam-Kongress am Dienstag vor Buchmessebeginn wollen wir einen Blick über den Tellerrand werfen und internationale Projekte und Kampagnen vorstellen", ergänzt Karin Plötz.

"Was Hänschen nicht lernt..."

Hirnforschungen bestätigen inzwischen das alte Sprichwort. In den ersten fünf Lebensjahren lernt ein Kind, sich zu bewegen, zu sehen, zu sprechen und zu denken – und macht eine viel größere Entwicklung durch als während des gesamten restlichen Lebens. Lange bevor Kinder etwa "formal" lesen und schreiben können, erfahren sie die unterschiedlichen Facetten der Sprach-, Lese- und Schriftkultur. Pädagogen bezeichnen diese Fähigkeiten auch als Literacy-Kompetenzen und setzen sich dafür ein, die kognitiven Fähigkeiten möglichst früh zu fördern.

Fremdsprachunterricht im Kindergarten setzt sich daher in Deutschland mehr und mehr durch. In unseren Nachbarländern ist die gezielte vorschulische Förderung des Nachwuchses längst gang und gebe. In Frankreich schicken – auch ohne Vorschulpflicht – rund 99 Prozent der Eltern ihre Kinder nach dem dritten Lebensjahr von 8.00 bis 16.30 Uhr in die Ecole maternelle. Im Vergleich dazu besuchen etwa 75 Prozent der Dreijährigen in Deutschland den Kindergarten, jedoch selten in Ganztagsbetreuung. Doch auch in Deutschland hat frühkindliche Bildung inzwischen höchste Priorität auf der politischen Agenda. Kinderkrippen, Kindergärten und Vorschulen erfahren eine Aufwertung. Es werden Bildungspläne entwickelt, didaktische Materialen erstellt und verstärkt Schulungen sowie Fort- und Weiterbildungen für Pädagogen im Vorschulbereich angeboten. Bildungsverlage haben ihre Programmbereiche in jüngster Zeit erweitert und sehen in der vorschulischen Bildung einen starken Wachstumsmarkt.

Wo die Mühlen der Politik in der Schaffung institutioneller Rahmenbedingungen langsam mahlen, arbeiten Initiativen an pragmatischen an Lösungen wie das Projekt BIBER Bildung-Beratung-Erziehung von Schulen ans Netz e.V. BIBER entwickelt onlinegestützte medienpädagogische Qualifizierungsangebote für pädagogische Fachkräfte. Das Projekt unterstützt den Bildungsauftrag der Kindertagesstätten im Feld des Übergangs zur Grundschule mit Impulsen zur Entwicklung und Festigung eines neuen Bildungsverständnisses. BIBER wird auf dem Schwerpunkt Bildung der Frankfurter Buchmesse seine Projekte auf dem Kongress Lernende Gesellschaft vorstellen.

Hürdenlauf Bildungssystem

Das (Bildungs)Leben eines Menschen ist geprägt von Veränderungen und Brüchen, die er bewältigen muss. Pädagogische und bildungspolitische Ansätze beziehen heute die Verarbeitung von Übergängen in ihre Konzepte ein. Vor allem das deutsche Bildungssystem ist von Übergängen zwischen Familie und Bildungseinrichtungen bzw. zwischen den Bildungseinrichtungen gekennzeichnet. Dazu zählen die Übergänge von der Familie in die Krippe oder den Kindergarten, vom Kindergarten in die Grundschule, von der Grundschule in die Typen der weiterführenden Schule. Diese Übergänge verlaufen selten kontinuierlich. Nicht immer geht es auf der Bildungs- und Karriereleiter stetig nach oben. Vor allem für Kinder aus bildungsfernen Familien oder mit Migrationshintergrund ist die Durchlässigkeit des deutschen Schulwesens schon jetzt überwiegend "abwärts", von der höher qualifizierenden Schulart auf die wenige qualifizierende gerichtet. Der Bericht "Bildung in Deutschland" weist aus, dass Schüler aus unteren sozialen Schichten es nicht nur schwerer haben auf eine höher qualifizierende Schule zu kommen, sondern auch sich dort zu halten.

UN-Sonderberichterstatter Vernor Muñoz vom Rat für Menschenrechte hatte im Frühjahr 2007 in seinem Bericht an die deutsche Politik appelliert, "das mehrgliedrige Schulsystem, das sehr selektiv und sicher auch diskriminierend ist, noch einmal zu bedenken." Neu ist die Botschaft nicht, dass der Schulerfolg in Deutschland wie in keinem anderen OECD-Land von der sozialen Herkunft abhängig ist. Kurzfristig wird sich an den politischen Rahmenbedingungen wenig ändern. Umso wichtiger sind unterrichtsbegleitende Lernangebote. Das Projekt LIFT – Lernen, Integrieren, Fördern, Trainieren – der Initiative "Schulen ans Netz" leistet mit der Online-Lernumgebung lift-web.de einen wichtigen Beitrag zur individuellen Förderung von bildungsbenachteiligten Jugendlichen insbesondere mit Migrationshintergrund. LizzyNet ist die Mädchencommunity von Schulen ans Netz. Das Portal bietet Mädchen und jungen Frauen eine attraktive Mischung aus aktuellen, gesellschaftsrelevanten Themen sowie 26 Foren und 64 Clubs und viele interaktive Features rund um die Themen Berufswahl und Medienkompetenz.

Austausch mit Fachleuten - Kongress "Lernende Gesellschaft"

Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Lernleistungen stellt an die Medienpädagogik große Herausforderung. Denn so selbstverständlich wie man auf den ersten Blick glaubt, ist die Nutzung von Computer und Internet für die Bildung nicht. Gymnasiasten besitzen eher einen eigenen Computer und haben Zugang zum Internet als Hauptschüler und unterscheiden sich auch in ihrem Nutzungsverhalten. Je höher das familiäre Bildungsniveau, desto vielfältiger auch die Mediennutzung.

Auf dem Bildungskongress "Lernende Gesellschaft" werden in der Podiumsdiskussion "Klicken und Wissen – Chancen medialen Lernens" sowie zahlreichen Vorträgen und Workshops die gesamte Breite des Lernens mit neuen Medien vorgestellt. Fachleute diskutieren mit Politikern, Praktiker berichten über ihre Erfahrungen und verschiedene Initiativen stellen ihre Projekte vor. Zusammen mit dem LitCam-Kongress bietet der Schwerpunkt Bildung der Frankfurter Buchmesse über die fünf Messetage ein breites Informations- und Veranstaltungsangebot. "Eine ´lernende Gesellschaft´ profitiert immer von dem Wissen anderer. Der Schwerpunkt Bildung während der Frankfurter Buchmesse ist ein einmaliges Forum für den Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaftlern, Praktikern, Verlegern und Autoren, auf nationaler wie internationaler Ebene. Eine gute Investition ist der Schwerpunkt Bildung auf jeden Fall – für Besucher und Aussteller.", resümiert Buchmessedirektor Juergen Boos.

Die Frankfurter Buchmesse ist mit mehr als 7.000 Ausstellern aus über 100 Ländern die größte Buchmesse der Welt. Sie organisiert darüber hinaus die Beteiligung deutscher Verlage an mehr als 25 internationalen Buchmessen und ist Mitbegründerin der Cape Town Book Fair in Südafrika. Mit www.buchmesse.de unterhält sie das weltweit meist genutzte Portal für die Verlagsbranche. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Ansprechpartner

Frankfurter Buchmesse
Reineckstr. 3
60313 Frankfurt am Main
Web: http://www.buchmesse.de

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