Nachhaltig: Ökologie mit Musik
„Sie fließt durch Stadt, sie fließt durch Land und ist überall bekannt! Zum Glück ... ist die Hase in Osnabrück“. Wenn Eileen, Max, Danko und die anderen Schüler der Klasse 8 der Gesamtschule Schinkel gemeinsam mit dem Lehrer Rüdiger Quast ihre Raps und Popsongs über den kleinen westniedersächsischen Fluss vortragen, bekommt man eine Vorstellung davon, was die UN mit der Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ gemeint haben könnte.
09.01.2006 ArtikelAm 20. Dezember 2002 hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen in Johannesburg beschlossen, für die Jahre 2005 bis 2014 eine Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Education for sustainable Development – ESD) auszurufen. Damit haben sich die Staaten verpflichtet, den Gedanken einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Entwicklung weltweit im Bildungswesen zu verankern.
Wie das vor Ort in Schule und Unterricht aussehen kann, hat Rüdiger Quast mit seinen Schülern bewiesen. Es ging um das Thema Wasser. Das lässt sich im Unterricht ganz traditionell nach Lehrbuch und Lehrplan behandeln. Aber genau das wollte der Gesamtschullehrer nicht. Da kam der Wettbewerb „Wasser!“ gerade passend. Ausgeschrieben hatte ihn der Arbeitskreis Umweltbildung der Osnabrücker Lokalen Agenda 21.
Fächer kombinieren
„Natürlich stand der Wettbewerb nicht im Vordergrund, sondern die inhaltliche Arbeit, und die wollte ich möglichst eindrucksvoll für die Kinder und mit ihnen gestalten. Da bot sich an, meine beiden Fächer Musik und Biologie zu verbinden“, so Quast. Doch zunächst war Schulalltag angesagt, mussten sich die Schüler das notwendige Wissen über die Hase aneignen, mussten historische, ökologische, ökonomische und kulturelle Aspekte erarbeiten. Dann erst kam das Entscheidende, oder wie Florian sagt, „was richtig Spaß gemacht hat“: Texte schreiben, diskutieren, vertonen und später im schuleigenen Studio die Hase-CD produzieren.
Leute anspornen
„Das war nicht einfach, wir sind ja eine Biologiegruppe und kein Deutschkurs, der sich mit Reimen beschäftigt. Das ist alles der Phantasie der Schüler entsprungen“, erklärt Quast nicht ohne Stolz. „Wir haben versucht, möglichst viel von dem, was wir gelernt haben, in unsere Texte zu packen“, berichtet Claudia. „Und wir wollen die Leute anspornen, die Hase zu schützen.“ Zum Beispiel mit dem Haserapp: „Begradige und betoniere sie nicht, denn dann ist sie langweilig, öde und schlicht.“
Zwei Auszeichnungen
Auch noch ein Jahr nach Abschluss ihres Projektes begleitet der Fluss die Schüler. Denn immer wieder werden sie von Initiativen oder Einrichtungen eingeladen, um ihre Songs zu präsentieren. Auch eine Art von Nachhaltigkeit. Am 24. Februar 2005 wurden sie mit dem „Sonderpreis Hase“ vom Arbeitskreis Umweltbildung der Osnabrücker Lokalen Agenda 21 ausgezeichnet, und nur wenige Tage später standen die Ausrichter des Preises selbst auf der Bühne: Am 1. März wurden sie auf der didacta in Stuttgart zu einem „offiziellen Projekt der UN-Weltdekade“ ernannt. Eine Anerkennung für die „Initiierung, Unterstützung, Verbreitung und kooperative Vernetzung der Osnabrücker Umweltbildung“ heißt es in der Begründung.
Vor kurzem hat der Arbeitskreis das „Netzwerk Schulen für eine Lebendige Hase“ gegründet. „Bei ‚Lebendige Hase’“, so Dr. Gerd Becker, Sprecher des Arbeitskreises, „denken die meisten an ökologische Fragestellungen. Das ist auch ein zentrales Motiv, aber man muss viele andere Aspekte berücksichtigen: die ökonomischen Belange, die historische Entwicklung, die private Nutzung oder die kulturelle Bedeutung. Nur so kann Bildung zu realistischen Ergebnissen kommen.“ Denn, so hatte der Generaldirektor der UNESCO, Koichiro Matsuura, zur Eröffnung der Dekade erklärt: „Das Hauptziel ist die Integration der Werte einer nachhaltigen Entwicklung in alle Felder des Lernens, um Verhaltensänderungenzu fördern, die eine noch nachhaltigere, ökonomisch machbare und gerechte Gesellschaft für alle ermöglichen."
Weiterführende Links
- 'nachhaltige Entwicklung'
- UN Dekade
- Netzwerk Schulen für eine Lebendige Hase
- Hase-Raps
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