Bildungsbericht 2016

Unkontrollierte Bildungsexpansion führt zu einer Entwertung von Abschlüssen!

Der von den Autoren des Bildungsberichts 2016 als Erfolg verzeichnete dramatische Anstieg der Quote der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife von 29,6 Prozent (2006) auf 41 Prozent (2014) hat nach Ansicht des DPhV-Vorsitzenden Heinz-Peter Meidinger nicht nur positive Auswirkungen.

16.06.2016 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Philologenverband (DPhV)
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„Es mehren sich die Anzeichen, z. B. Befunde von Studien, steigende Abbruchquoten in vielen Studienfächern, aber auch Beobachtungen an Hochschulen und bei Arbeitgebern, dass die Qualität der Abschlüsse mit der gestiegenen Quantität nicht Schritt gehalten hat. Zu befürchten ist, dass dadurch nicht nur Hauptschul- und Realschulabschlüsse entwertet werden, weil ein Verdrängungswettbewerb nach unten stattfindet, sondern auch das Abitur als Hochschulzugangsberechtigung mittel- und langfristig in Frage gestellt wird, wenn hinter der Studienberechtigung immer häufiger keine Studienbefähigung mehr steht!“, betonte der Verbandsvorsitzende.

Meidinger appellierte an die Bildungspolitik und die Bildungsforschung, Bildungsqualität nicht vorrangig an der Quantität von Abiturquoten zu messen. Das führe nur zu enttäuschten Hoffnungen auf allen Seiten, bei denen, die kein Abitur erwerben und denen, die damit in Zukunft immer weniger anfangen könnten.

Der DPhV-Vorsitzende unterstützt die Autoren des Bildungsberichts in ihren Forderungen, mehr Ressourcen für die Integration von Flüchtlingskindern ins Schulsystem bereitzustellen. Insbesondere der jetzt anstehende nächste Schritt, die Überführung von Flüchtlingskindern aus den Willkommens-, Übergangs- und Sprachlernklassen in die Normalklassen der verschiedenen Schularten brauche noch mehr Unterfütterung mit Zusatzressourcen. 

Zusammen mit den Autoren des Bildungsberichts tritt der Verbandschef dafür ein, dass dabei der leider verstärkt zu beobachtenden Segregation im Bildungswesen, also der Konzentration von Flüchtlingskindern in einzelnen Klassen und Schulen, besondere Aufmerksamkeit geschenkt und gegengesteuert werde. Solche einseitig zusammengesetzten Lerngruppen führten weder zur wünschenswerten Leistungsförderung noch zu der erhofften Integration, wie verschiedene Studien zeigten.

Mit Bedauern betonte der DPhV-Vorsitzende, dass zwar zu Recht der Förderung leistungsschwächerer und bildungsferner Jugendlicher breiter Raum in der Bildungsstudie 2016 gewidmet, die Frage der in Deutschland nur völlig unzureichend stattfindenden Hochbegabtenförderung aber weitestgehend ausgespart werde.

„Individuelle Förderung heißt, dass jeder in unseren Schulen bestmöglich gefördert werden muss, darauf haben auch die Leistungsstärkeren ein Anrecht!“, bekräftigte Meidinger.


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