didacta-Bildungsbotschafter 2017

„Vielfalt sollte der Normalfall sein“

Um faire Bildungschancen und eine gleichberechtigte Teilhabe umzusetzen, unterstützt die Robert Bosch Stiftung Akteure im deutschen Bildungswesen. Im Interview berichtet Geschäftsführerin Uta-Micaela Dürig über Projekte der Stiftung, die vom Didacta Verband als „didacta-Bildungsbotschafter 2017“ ausgezeichnet wird.

06.02.2017 Bundesweit Artikel Anne Odendahl
  • © Björn Hänssler/Robert Bosch Stiftung Uta-Micaela Dürig ist für die Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung verantwortlich.

Frau Dürig, welche Projekte unterstützt die Robert Bosch Stiftung im Bereich Bildung?
Unser Hauptanliegen sind faire Startbedingungen für junge Menschen, unabhängig von Herkunft und sozialem Status. Deshalb konzentrieren wir uns auf Projekte, die dazu beitragen, die Qualität des Schul- und Betreuungssystems zu sichern und weiterzuentwickeln. Dabei hilft uns das Know-how, das sich die Stiftung in den vergangenen 30 Jahren erarbeitet hat. Beispielsweise vergeben wir seit 2006 jährlich den Deutschen Schulpreis. Inzwischen ist aus dem Wettbewerb eine Bewegung guter Schulen entstanden. Um dieses Potenzial noch besser nutzen zu können, haben wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Heidehof Stiftung die Deutsche Schulakademie gegründet. Mit praxisnahen Fortbildungsangeboten macht sie die Erfahrungen der derzeit über 60 Preisträgerschulen für andere Schulen, Ministerien, Lehrerfortbildungsinstitute, Kommunen und private Schulträger verfügbar.

Die Robert Bosch Stiftung beschäftigt rund 180 Mitarbeiter, die ca. 800 Eigen- und Fremdprojekte im Jahr betreuen. Die Projekte im Themenbereich Bildung sollen gesellschaftliche Orientierung, Teilhabe und Zusammenhalt durch Bildung ermöglichen und stärken. Dabei konzentriert sich die Stiftung auf den vorschulischen und schulischen Bereich.

Wie sieht die Arbeit der Stiftung in den Bereichen frühkindliche Bildung und schulische Qualitätsentwicklung aus?
Nachdem die PISA-Ergebnisse von 2001 deutlich belegt haben, wie wichtig die ersten Lebensjahre für die weitere Bildungsbiographie sind, hat die Stiftung ihr Engagement in der frühkindlichen Bildung intensiviert. Zu Beginn ging es uns vor allem darum, die kaum entwickelte Forschung zu fördern. Nachdem Deutschland hier große Fortschritte gemacht hat, steht jetzt für uns die Frage im Vordergrund, wie wir in der Praxis zu einer weiteren Professionalisierung von Kita-Teams beitragen können, beispielsweise im Umgang mit sprachlicher, kultureller und religiöser Vielfalt.
Mit der Qualitätsentwicklung von Schule verbinden wir vor allem das Sichtbarmachen und die Verbreitung der guten Praxis, die viele Schulen in Deutschland bereits leisten. Grundlage unserer Initiativen ist ein umfassendes Verständnis von Bildung und Lernen, das in sechs Qualitätsbereichen zum Ausdruck kommt: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.

Was bedeutet der Robert Bosch Stiftung die Auszeichnung als Bildungsbotschafter 2017?
Für uns ist das eine schöne Anerkennung und zugleich ein Ansporn. Als Stiftung sind wir bei unserer Arbeit auf starke Partner angewiesen: in der Praxis, in der Wissenschaft, in der Verwaltung und im Bildungssystem. Oft können wir Entwicklungen anstoßen, indem wir eine neutrale Plattform schaffen für den Dialog aller, denen Bildung am Herzen liegt. Dabei wollen wir uns auch als Stiftung stetig weiterentwickeln, neue Impulse frühzeitig aufgreifen und mutige Akteure unterstützen.

Sie wollen in den kommenden Jahren einen besonderen Fokus auf die Themen Migration, Integration und Teilhabe sowie Digitalisierung legen. Könnten Sie das anhand von Beispielen erläutern?
Wir möchten den professionellen Einsatz digitaler Medien für fachliches Lernen in Schulen fördern. Noch fehlt aber systematisches Wissen darüber, wie guter Unterricht mit digitalen Medien aussehen muss. Wir haben deshalb gemeinsam mit vier anderen großen Stiftungen das „Forum Bildung Digitalisierung“ geschaffen. In dieser Initiative bringen wir bundesweit Schulen zusammen, die die Digitalisierung bereits erfolgreich in ihren Schulalltag integriert haben. Für die Teilhabe an unserer Gesellschaft ist es für Kinder und Jugendliche eine enorm wichtig Grundvoraussetzung, Vielfalt aktiv zu erleben und zu lernen, sich in einer vielfältigen Gemeinschaft angenommen und wohlzufühlen. Daran arbeiten wir, indem wir beispielsweise pädagogischen Fachkräften das passende Rüstzeug für den Umgang mit Vielfalt an die Hand geben. Vielfalt sollte nicht nur unter den Kindern und Jugendlichen, sondern auch im Kita-Team oder im Lehrerzimmer der Normalfall sein, beispielsweise durch mehr Personal mit Migrationshintergrund.

Sie sind selbst Mutter. Welche Vor- und Nachteile des deutschen Schulsystems hat Ihnen die Schulzeit Ihrer Tochter vor Augen geführt?
Mit seinen Kindern durchlebt man durchaus eine zweite Schulzeit. Mit dem steigenden Schulalter meiner Tochter erlebe ich eine stärkere Fokussierung auf Leistung und aus Elternperspektive würde ich mir mehr Mitwirkung an der Gestaltung von Schule und Unterricht wünschen. Der Wunsch nach gleichen Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen, den die meisten Eltern ausnahmslos teilen, sollte grundsätzlich auch noch stärkere politische Unterstützung finden.

Hintergrund

Jedes Jahr zeichnet der Didacta Verband Persönlichkeiten und Institutionen des öffentlichen Lebens als „didacta Bildungsbotschafter“ aus, die sich besonders für Bildung, Kinder und Jugendliche stark machen. Der „didacta Bildungsbotschafter 2017“, die Robert Bosch Stiftung, engagiert sich insbesondere für gleiche Startbedingungen für alle Kinder.

Besuchen Sie auf der didacta 2017 in Stuttgart die Preisverleihung:

Forum didacta aktuell
didacta Bildungsbotschafter 2017: Robert Bosch Stiftung
15.02.2017
ab 13:00 Uhr
Halle 5, Stand 5D32
Veranstalter: Didacta Verband e. V.

Weitere Veranstaltungen zum Thema:

Frühe Bildung

Forum didacta aktuell / Bündnis frühkindliche Bildung
Das Recht der Kinder auf gute Bildung – die Kluft zwischen wissenschaftlichem Anspruch und der Realität
Darüber diskutieren:
•    Prof. Dr. Hilde von Balluseck, Frühe Bildung online
•    Prof. Dr. Hans Bertram, Prof. em. Humboldt-Universität zu Berlin
•    Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Didacta Verband der Bildungswirtschaft
•    Dr. Christa Preissing, Berliner Institut für Qualitätsentwicklung
•    Sonja Ritter, Didacta Verband der Bildungswirtschaft
16. Februar 2017
15.00 - 15.45 Uhr
Veranstalter: Didacta Verband e. V.

Kita-Seminar: Kultureller Vielfalt offen und sensibel begegnen
Auftaktvortrag: Bildung und Erziehung in Transformationsprozessen
Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden
17. Februar 2017
10:30 - 12:00 Uhr
ICS, Raum C4
Veranstalter: Didacta Verband e. V.
Die Teilnahme ist anmeldepflichtig. Bitte melden Sie sich hier an:  www.didacta.de

Schule/Hochschule

Forum Bildung
Integration, Inklusion, Individualisierung: Wie kommen wir endlich voran?
Darüber diskutieren:

  • Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE
  • Dr. Johannes Bergner, Leiter der Abteilung „Allgemein bildende Schulen und Elementarbildung“ im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg
  • Georg Eisenreich, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst
  • Dr. Ulrich Jahnke, Referatsleiter bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
  • Prof. Dr. Kerstin Ziemen, Universität zu Köln, Leiterin des Projekts Inklunet

16. Februar 2017
10:30 - 11:45 Uhr
Halle 1 Stand H71
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

Forum Unterrichtspraxis
Inklusion am Gymnasium – eine besondere Herausforderung?
Jürgen Bock (Koordinator für Inklusion, Otto-Hahn-Gymnasium Springe)
18. Februar 2017
15:00 - 16:00 Uhr
Halle 1 Stand 1E72
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2017 finden Sie unter www.messe-stuttgart.de/didacta.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die entsprechenden Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta 2017 finden Sie in unserem Dossier.


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