Bayerischer Kunstförderpreis

16 junge Künstlerinnen und Künstler zeichnet Kunstminister Thomas Goppel am Donnerstagabend in München mit dem Bayerischen Kunstförderpreis aus .

17.11.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst

"Der Preis ist Anerkennung und Ermutigung zugleich – Anerkennung für das, was die jungen Leute in ihrem bisherigen künstlerischen Leben schon geleistet haben und Ermutigung, ihr viel versprechendes Talent weiterzuentwickeln", betonte der Minister anlässlich der Preisverleihung. Der Bayerische Kunstförderpreis stelle darüber hinaus ein Forum dar, um die jungen Künstler einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Der Preis, der in den Bereichen Darstellende Kunst, Bildende Kunst, Musik und Tanz sowie Literatur verliehen wird, ist mit je 5.000 Euro dotiert.

Im Bereich Darstellende Kunst erhalten den Kunstförderpreis die Schauspielerinnen Bettina Schmidt und Sabina von Walther sowie die Schauspieler Dieter Fischer und Robert Joseph Bartl. Die Jury hebt bei Bettina Schmidt, die seit 2001 am Theater Ingolstadt fest engagiert ist, die erstaunliche Wandlungsfähigkeit und hohe Professionalität in äußerst unterschiedlichen Rollen hervor, Sabina von Walther (seit 2003 festes Ensemblemitglied am Staatstheater Nürnberg) überzeugte die Jury sowohl mit dem Wohlklang ihrer Stimme wie auch mit ihren darstellerischen Fähigkeiten. Der vielseitige Charakterdarsteller Dieter Fischer, so die Jury, habe seit 1999 als Ensemblemitglied am Südostbayerischen Städtetheater Landshut das Publikum in sehr verschiedenen Rollen begeistert. In der Paraderolle des tollpatschigen "Sir Andrew Bleichenwang" in Shakespeares "Was ihr wollt" sei es ihm in unnachahmlicher Weise gelungen, die komische Figur mit einem Hauch von Trauer und Tragik zu erfüllen. Robert Joseph Bartl, seit 2001 im Ensemble des Bayerischen Staatsschauspiels, besitzt ein seltenes komisches Talent. Die Jury sieht ihn als Schauspieler, der mit seiner ungekünstelten Spielweise und Freude an süddeutsch-österreichischen Sprachformen in Stücken des Volkstheaters begeistert, aber ebenso in Charakterrollen klassischer Stücke überzeugt.

Heike Döscher, Martina Salzberger, Richard Schnur und Peter Senoner werden im Bereich Bildende Kunst ausgezeichnet. Heike Döscher beantwortet Fragen nach dem Einrichten von Räumen in ungewohnter, ironischer Form. Dabei setzt sie ihre Ideen sowohl in der Materialwahl als auch in der künstlerischen Form überzeugend um, so die Jury. Martina Salzberger hat sich für ihre Arbeiten auf das "Schneidern" bzw. "Nähen" besonnen, eine Tätigkeit, die als subversive künstlerische Strategie neue Räume besetzen kann. Ihre Schnittmuster bezeichnet die Jury als "humorvolle Provokationen mit Biss". Peter Senoner markiert nach Überzeugung der Jury innerhalb der zeitgenössischen Skulptur eine eigenständige Position. Seine Werke beziehen ihre Brisanz aus der Kombination traditioneller ästhetischer Kategorien und Arbeitsverfahren mit der optischen Bildwirklichkeit einer medialen Massenkultur. Der Künstler Richard Schur ist vom Ge¬danken der Abstraktion fasziniert. Abstraktion bedeutet für ihn Reinheit, Klarheit, die Dinge auf das zurückzuführen, was sie wirklich sind. Die Qualität seiner Bilder definiert sich durch den Wert ihrer Farben und Formen. Nach den Worten der Jury zeichnen dabei Intensität, malerische Qualität und ein einzigartiger persönlicher Stil sein Werk aus.

Preisträger in der Sparte "Musik und Tanz" sind die Tänzerin Ivy Amista, der Pianist Michael Wollny, die Schlagzeugerin Dessi Slava Kepenerova und der Komponist Joachim F.W. Schneider. Ivy Amista aus dem Ensemble des Bayerischen Staatsballetts ge¬hört laut Jury zu jenen seltenen Begabungen, die über eine natürliche Koordination ver¬fügen und keinerlei technische Probleme kennen. In der vergangenen Spielzeit überzeugte sie als Nikia in "La Bayadère", eine der großen Partien des klassischen Repertoires, die nicht nur höchste technische, sondern auch gestalterische Anforderungen an eine Tänzerin stellt. Michael Wollnys Musik, so die Jury, vereint Elemente der Jazztradition und der europäischen E-Musik zu einem überzeugenden Personalstil – fernab aller Klischees. Wollnys musikalische Intelligenz steht neben einer ungewöhnlichen Sensibilität in der musikalischen Interaktion. Dabei verfügt er über eine außergewöhnliche pianistische Brillanz und Finesse. Der Musik des Komponisten Joachim Schneider ist die Fragilität und kritische Distanz zum Althergewohnten eingeschrieben. Er gewinnt aus der Zerbrechlichkeit des Klanglichen, die er mit äußerster Meisterschaft herbeizuführen weiß, eine hell und zart klingende Schönheit. Dabei gelingt es ihm, Schablonen erfolgreich aus dem Weg zu gehen und eine eigenständige Klangpoesie zu entwickeln. Die Schlagzeugerin Dessi Slava Kepenerova gehört bereits jetzt zu den ganz Großen ihres Fachs. Sie setzt sich immer mit den neuesten Werken für Schlagzeug auseinander, macht das scheinbar Unspielbare spielbar.

Aus dem Bereich der Literatur werden Lena Gorelik, Jens Petersen sowie Volker Klüpfel und Michael Kobr ausgezeichnet. Lena Goreliks autobiographisch gefärbter Debütroman "Meine weißen Nächte" schildert äußerst lebensnah die vielfältigen Facetten interkultureller Erfahrung. Gorelik erzählt – realistisch, in sinnlich-vitaler Sprache, mit viel Witz, unterhaltsam und hintergründig zugleich – von Fremdheit und sozialer Not, aber auch von gelungener Integration. Jens Petersen hat mit seinem Roman "Die Haushälterin" ein bemerkenswertes Debüt vorgelegt. Aus der Perspektive des 16-jährigen Philipp erleben wir eine nach dem Tod der Mutter fragil gewordene Va¬ter-Sohn-Beziehung, die durch die plötzliche Arbeitslosigkeit des Vaters und seine Labilität großen Belastungen ausgesetzt ist. Petersen inszeniert dieses ´Kammerspiel´ mit sicherem Gespür für dramatische und komische Momente. Dabei variiert er ge¬schickt bekannte literarische Motive und Konstellationen. Die Dotierung des Preises für Jens Petersen hat die Kester-Haeusler-Stiftung übernommen. Das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr hat den Allgäu-Krimi geschaffen. Kriminalkommissar Kluftinger liebt Kässpatzen, seine Frau spielt in der Altusrieder Musikkapelle und grantelt gegen alles Neumodische und die Akademiker, die alles besser wissen. "Erntedank", ein Roman für den anspruchsvollen Krimi¬leser, ist ein spannende Geschichte um mysteriöse Serienmorde, die an authentischen Örtlichkeiten spielt. Eingeflochten in die vielstimmige Erzählung sind realistische und humoristische Alltagsszenen. Lokale Sagen sowie das "Erntelied" von Brentano – "Es ist ein Schnitter, der heißt Tod" – rufen eine mythische Vorstellungswelt auf, mit der der Mörder seine Taten rechtfertigt.

Die Verleihung der Kunstförderpreise steht in einer vier Jahrzehnte währenden Tradition: Seit 1965 vergibt der Freistaat Bayern jährlich Förderpreise für junge Künstler aus den Bereichen Bildende Kunst, Musik, Tanz, Darstellende Kunst und Literatur. Viele der ehemaligen Preisträger gestalten heute das künstlerische Leben in Bayern und Deutschland mit, wie etwa Sunnyi Melles, Axel Milberg, Herbert Ro¬sendorfer, Michael Krüger, Anna Gou¬rari oder Juliane Banse. Die Preisträger müssen durch besondere künstlerische Leistungen hervorgetreten sein und ihren Wohnsitz und Schaffensmittelpunkt in Bayern haben.


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