Bildungsministerin Schavan würdigt Jugend forscht als wirksames Instrument zur Nachwuchsförderung

Morgen beginnt das erste Alumni-Treffen der ehemaligen Bundessieger von Jugend forscht in Aachen und Jülich. An der dreitägigen Veranstaltung unter dem Motto "40 Jahre Jugend forscht – 50 Jahre Forschungszentrum Jülich" nehmen 170 ehemalige Preisträger teil. Das sind über ein Drittel aller Sieger, die Deutschlands bekanntester Nachwuchswettbewerb in vier Jahrzehnten hervorgebracht hat. Ziel des Events ist ein fachübergreifender Erfahrungsaustausch zwischen den Bundessiegergenerationen.

15.06.2006 Pressemeldung Stiftung Jugend forscht e.V.

Die Stiftung Jugend forscht e. V. und das Forschungszentrum Jülich GmbH haben das Alumni-Treffen gemeinsam initiiert. Ein Welcome-Dinner im Krönungssaal des Aachener Rathauses bildet am Freitagabend den Auftakt. Am Samstagvormittag folgt eine Festveranstaltung im Forschungszentrum Jülich mit einer Ansprache der Bundesministerin für Bildung und Forschung Dr. Annette Schavan. Anschließend diskutieren Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – darunter DFG-Präsident Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker und VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs – zum Thema "Gehen Deutschland die Naturwissenschaftler und Ingenieure aus?". Es folgt unter anderem eine Vorstellung und Besichtigung der Institute des Forschungszentrums Jülich.

Prof. Dr. Joachim Treusch, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, zeigt sich begeistert von den erfolgreichen Karriereverläufen der ehemaligen Bundessieger: "Der Wettbewerb bringt den Wissenschaftsnachwuchs hervor, den wir in Einrichtungen wie dem Forschungszentrum Jülich hervorragend einsetzen können. Das ist für uns seit Jahren Motivation, Jugend forscht nach besten Kräften zu unterstützen. Wir freuen uns anlässlich unseres 50-jährigen Jubiläums auf den anregenden Dialog mit Jugend forscht Siegern aus vier Jahrzehnten."

Das Alumni-Treffen der Jugend forscht Sieger wird unter anderem unterstützt von BASF AG, Bayer AG, Deutsche Bank AG, EADS Deutschland GmbH und stern.

Anlässlich der Veranstaltung sagte die Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan: "Die Biografien der Bundessiegerinnen und Bundessieger beweisen, dass Jugend forscht seit 40 Jahren ein äußerst wirksames Instrument zur Förderung des naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchses in Deutschland ist. Jugend forscht hat auch in Zukunft Vorbildcharakter, wenn es um die Schaffung der Rahmenbedingungen für eine effiziente und nachhaltige Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geht. Dazu gehören Leistungsanreize genauso wie eine individuelle Betreu-ung oder Freiräume für eigenverantwortliches Arbeiten", so Dr. Annette Schavan, die auch Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Jugend forscht e. V. ist. "Für die Mehrzahl der erfolgreichen Jungforscherinnen und Jungforscher war der Wettbewerb Sprungbrett für eine Karriere in Wissenschaft und Wirtschaft."

Aktuelle Untersuchung

Diese Einschätzung der Bundesbildungsministerin stützt sich unter anderem auf eine aktuelle Auswertung der biografischen Daten der 445 Jugend forscht Bundessieger aus den Jahren 1966 bis 2005 durch die Stiftung Jugend forscht e. V.: Die erfolgreichen Teilnehmer entschieden sich nach dem Schulabschluss beinahe ohne Ausnahme für ein Hochschulstudium. Knapp 90 Prozent der Bundessieger haben ein Fach aus dem natur-, ingenieurwissenschaftlichen oder mathematischen Bereich studiert – einschließlich Medizin und Pharmazie. An der Spitze der Beliebtheitsskala liegen Physik mit 20 Prozent, die Ingenieurwissenschaften mit 17 Prozent, Chemie/Biochemie mit 15 Prozent, Medizin/Pharmazie mit 11 Prozent, Mathematik mit 10 Prozent sowie Biologie und Informatik mit jeweils 7 Prozent. Interessant ist, dass die Mehrheit der Alumni ihrem Jugend forscht Fachgebiet im Studium treu bleibt.

Knapp 18 Prozent der erfolgreichen Ehemaligen haben ihre Hochschulausbildung im Übrigen im Ausland absolviert, wobei die Mehrheit erst als Postgraduate oder Doktorand an eine ausländische Hochschule wechselte – in über der Hälfte der Fälle ging es in die USA, gefolgt von Großbritannien mit knapp 30 Prozent. Über ein Drittel aller Bundessieger, die ihre Hochschul-ausbildung bereits abgeschlossen haben, können auch eine Promotion vorweisen.

Beruflich hat sich über die Hälfte der Jugend forscht Sieger für Forschung und Entwicklung entschieden – an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen oder in Unternehmen. Ein Drittel der berufstätigen Bundessieger arbeitet im Hochschulbereich – so zum Beispiel die Leibnizpreisträgerin Prof. Dr. Gisela Anton, Bundessiegerin Physik 1975 und heute Inhaberin des Lehrstuhls für Experimentalphysik an der Universität Erlangen-Nürnberg. In außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind knapp 4 Prozent der Ehemaligen beschäftigt. 15 Prozent arbeiten in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen wie Dr. Bastian Hengerer, Forschungsgruppenleiter bei Boehringer Ingelheim, der 1979 den 1. Platz in Arbeitswelt errang.

28 Prozent der erfolgreichen Jungforscher haben nach der Hochschulausbildung eine operative Tätigkeit in der Wirtschaft übernommen – in der Regel in leitender Position oder im Management. Aber auch der Finanzsektor und Unternehmensberatungen sind beliebte Arbeitgeber. Einige Bundessieger sind selbstständige Unternehmer. Ihre Geschäftsidee entstand dabei häufig aus dem Jugend forscht Projekt, das eine Reihe von ihnen nicht nur zum Patent anmeldete, sondern auch weiterentwickelt hat, zum Teil bis zur Produktreife. Über die Hälfte der Bundessieger, die Medizin studiert haben, wirken heute als Hochschullehrer und sind an Universitätskliniken beschäftigt. Die übrigen Mediziner sind am Krankenhaus oder als niedergelassener Arzt tätig. Über 30 Prozent der Alumni waren im Übrigen im Rahmen ihres Jobs ganz oder teilweise im Ausland tätig. Prominentestes Beispiel dafür ist Andreas von Bechtolsheim. Der Physik-Sieger von 1974 war Mitgründer von Sun Microsystems. Heute ist er Chief Architect and Senior Vice President Network Systems der US-Firma.

Die Kurzbiografien aller Teilnehmer sowie Beiträge zu verschiedenen Aspekten der 40-jährigen Jugend forscht Geschichte finden Sie in der offiziellen Festschrift zum Alumni-Treffen unter www.jugend-forscht.de im Internet.

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