Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave zur ersten Mittelvergabe aus dem neuen Förderfonds: "Großes Interesse und viele Ideen für bessere Förderung"

Das Ministerium für Bildung und Frauen hat in dieser Woche 118 Anträge auf Unterstützung aus dem neu geschaffenen Förderfonds für Schulen in Schleswig-Holstein bewilligt. Insgesamt haben sich fast die Hälfte der über 500 Haupt- und Realschulen und Gymnasien um zusätzliche Finanzen bzw. zusätzliche Stellen beworben. Es wurden 212 Anträge gestellt. "Mit diesen Konzepten für mehr individuelles Fördern starten wir in ein neues Jahrzehnt, in dem die Unterrichtskultur an unseren Schulen grundlegend verändert werden soll", so Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave heute (15. Juni) bei der Vorstellung der ersten Mittelvergabe aus dem Förderfonds.

15.06.2006 Schleswig-Holstein Pressemeldung Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein

Vom Schuljahr 2006/07 an steht den Schulen der Sekundarstufe I mit Ausnahme der Förder- und Gesamtschulen ein Förderfonds von jährlich aufwachsend 40 Stellen zur Verfügung. Erdsiek-Rave erinnerte daran, dass sich die Koalitionspartner darauf verständigt haben, diesen Förderfonds für die nächsten fünf Jahre aufzulegen. Die Ministerin freute sich über diese sehr große Resonanz der Schulen auf das von der Politik formulierte Ziel, in den nächsten Jahren die Anstrengungen deutlich zu erhöhen, die individuelle Förderung als durchgehendes Unterrichtsprinzip in den schleswig-holsteinischen Schulen fest zu etablieren. Erdsiek-Rave: "Damit wollen wir sowohl die hohen Quoten beim Sitzen bleiben und Zurückstufen deutlich reduzieren als auch die Potenziale aller Schülerinnen und Schüler besser ausschöpfen. Mit ihren kreativen und vielfältigen Ideen und Konzepten zeigen unsere Schulen, dass sie bereit sind, die notwendigen Reformen im Unterrichtsalltag umzusetzen." Nach der ersten PISA-Studie im Jahr 2001 haben sich alle Länder in der KMK als ein zentrales Handlungsfeld darauf verständigt, mehr individuelle Förderung im Unterricht zu erreichen.

In erster Linie sollen mit dem Förderfonds Schulen einen Anschub zur Verstärkung ihrer Förderorientierung erhalten. Darüber hinaus erhalten Schulträger beziehungsweise die betroffenen Schulen aus dem Förderfonds Stellen und Geld, um ein Konzept für eine Gemeinschaftsschule zu erarbeiten. Zum neuen Schuljahr 2006/07 werden dies fünf Schulträger sein: Handewitt, Halstenbek, Fehmarn, Flensburg und Itzstedt. "Zunächst sollen Konzepte erarbeitet werden, die Voraussetzung für eine Gemeinschaftsschule entsprechend dem neuen Schulgesetz sind. Die ersten Gemeinschaftsschulen werden frühestens zum Schuljahr 2007/08 eingerichtet," erläuterte die Bildungsministerin.

"Der Förderfonds ist ein wichtiges und neues Instrument einer Gesamtstrategie der Bildungspolitik des Landes, um mehr Förderorientierung im Unterrichtsalltag aller Schulen zu erreichen." Erdsiek-Rave nannte als weiteren wichtigen Baustein dieser Strategie veränderte Angebote in der Lehrkräfteausbildung. Dabei gehe es vor allem darum, die Diagnosekompetenz der Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern und ihnen ein erweitertes Methodenrepertoire an die Hand zu geben. "Dies soll ihnen ermöglichen, mit heterogenen Klassen besser umzugehen, die Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler auszumachen und den Unterricht so zu gestalten, damit dieser den unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen jeder Schülerin und jedes Schülers besser gerecht wird", erklärte die Ministerin.

Das neue Schulgesetz sieht vor, dass jede Schule ein Förderkonzept erarbeiten muss. Erdsiek-Rave betonte, dass dies von allen Schulen eine veränderte Unterrichtskultur, verbesserte Diagnosekompetenzen aller Lehrkräfte und gezielte Förderangebote verlange. Um dies anzuschieben, sei der Förderfonds aufgelegt worden. Darüber hinaus biete das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen, Schleswig-Holstein (IQSH) umfangreiche Fortbildungen für Lehrkräfte an. Das Thema werde ebenso bei Schulleiterdienstversammlungen behandelt.

Die Ministerin informierte, dass es darüber hinaus im nächsten halben Jahr in jedem Kreis und jeder kreisfreien Stadt regionale Fachveranstaltungen zum Thema "Schülerinnen und Schüler individuell fördern - Klassenwiederholungen vermeiden" geben werde. Dort werde Staatssekretär Wolfgang Meyer-Hesemann die Ziele des Gesamtstrategie erläutern und die Lehrkräfte und Schulleitungen werden erfolgreiche Ansätze und Konzepte erörtern. Erdsiek-Rave: "Das Interesse an Fortbildungen und Fachveranstaltungen dieser Art ist sehr groß. Das zeigt bereits die große Zahl von über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an einer zentralen Konferenz zu dem Thema Anfang Mai in Kiel. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit diesen Informationsbörsen zusätzlich viel Bewegung in den Schulen auslösen werden."

Als ein weiteres wichtiges Instrument in der Gesamtstrategie sei der Ausbau der Arbeit mit Lernplänen, die bereits seit drei Jahren in Schleswig-Holstein an den meisten Schulen erfolgreich eingesetzt werden, ergänzte die Bildungsministerin. Lernpläne sind konkrete Vereinbarungen zwischen Schule, Schüler bzw. Schülerin und den Eltern, um besonders leistungsschwache und -starke Kinder und Jugendliche mit konkreten Arbeits- und Übungsplänen individuell zu fördern. "Aus einer ersten Analyse der bisherigen Lernplanarbeit wissen wir, dass dieses Instrument grundsätzlich sehr erfolgreich ist. Dennoch fehle es an manchen Orten noch an der konsequenten und fachlich optimalen Umsetzung. Dies wollen wir in einer weiteren Phase verbessern und ausbauen", nannte Ute Erdsiek-Rave das Ziel.

Folgende Detailinformationen gab die Bildungsministerin über die Vergabe der ersten Tranche aus dem Förderfonds:

Umfang und Verteilung der Mittel aus dem Förderfonds

Die erste Tranche des Förderfonds für das nächste Schuljahr 2006/07 umfasst 40 Stellen. In den kommenden Jahren kommen zu jedem Schuljahr weitere 40 Stellen hinzu. Im Schuljahr 2010/11 erreicht der Förderfonds dann ein Gesamtvolumen von 200 Stellen. Die Finanzierung ist durch den Koalitionsvertrag und die mittelfristige Finanzplanung abgedeckt.

Für Konzepte zur Einrichtung von Gemeinschaftsschulen werden im Schuljahr 2006/07 insgesamt Mittel im Wert 2,5 Stellen (von 40 Stellen, das entspricht 6,3 Prozent) investiert.

Die verbleibenden 37,5 Stellen werden auf bisher 118 Schulen mit speziellen Förderkonzepten verteilt, wobei die Anträge von zehn bis 15 weiteren Schulen derzeit noch geprüft werden.

Bisher ist entschieden, dass 23 Gymnasien und 28 Realschulen sowie 17 Hauptschulen Unterstützung im Wert von 24 Stellen für ihre eingereichten Projekte und Angebote erhalten, um individuelle Förderung im Alltag so zu verankern, dass damit diese neue Unterrichtskultur auf Dauer in der Schule etabliert wird.

Darüber hinaus ist ein Teil der Stellen für ein besonderes Programm an Hauptschulen beziehungsweise Realschulen mit Hauptschulteil für zusätzliche Unterrichtsstunden vorgesehen, um insbesondere bei Kindern und Jugendlichen das Lesen zu verbessern (Projekt "Niemanden zurück lassen").

Antragslage und Vergabe der ersten Tranche

Insgesamt konnten sich alle Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen bewerben. Das sind in Schleswig-Holstein insgesamt 513 Schulen. Von diesen haben sich 212 Schulen beworben. Unter Berücksichtigung unten genannter Kriterien und des Volumens von zunächst 40 Stellen wurden die Anträge von 118 Schulen bewilligt.

Alle Antragsteller, die für das Schuljahr 2006/07 nicht berücksichtigt wurden, erhalten vom Bildungsministerium Hinweise und weitere Beratungen, wie sie ihre Projekte und Angebote weiterentwickeln können, um damit bei der nächsten Vergaberunde zum Schuljahr 2007/08 erfolgreich sein zu können.

Grundkriterien für die bewilligten Anträge

  • Projekte und Angebote sind in ein pädagogisches Gesamtkonzept integriert, entsprechen den hohen Qualitätsanforderungen von individueller Förderung und werden von der gesamten Schule mitgetragen.
  • Projekte und Angebote zielen auf eine langfristig angelegte Veränderung der Unterrichtskultur ab. Deren Wirkungen bleiben auch nach der Förderphase von maximal drei Jahren bestehen.
  • Projekte und Angebote richten sich vor allem an die Klassen 7 und 8. Denn hier bleiben die meisten Schülerinnen und Schüler sitzen oder werden auf eine andere Schulart zurückgestuft.
  • Es handelt sich vor allem um Schulen mit einem besonders hohen Problemdruck. Das bedeutet, sie haben hohe Sitzenbleiber-Quoten oder befinden sich in einem schwierigen, sozialen Umfeld.
  • Es werden alle Schularten und Regionen ausgewogen berücksichtigt. Im Vordergrund stehen aber die fachliche Kriterien.

Beispiele für bewilligte Projekte und Angebote

  • Zwei Lehrkräfte gestalten den Unterricht, um in einem differenzierten Unterricht auf die individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler besser eingehen zu können und um eine bessere Einschätzung der Stärken und Schwächen der Kinder und Jugendlichen geben zu können. Durch dieses Modell muss die gesamte Schule profitieren.
  • Aufbau von Schülerhelfer-Systemen, das heißt, stärkere Schülerinnen und Schüler unterstützen schwächere Schülerinnen und Schüler.
  • Einrichtung von Lernwerkstätten oder -laboren in einer oder auch gemeinsam mit mehreren Schulen. Das bedeutet, es werden Räume, zum Beispiel für Mathematik und Fremdsprachen, mit speziellen Materialien zum Selbstlernen eingerichtet und die Schülerinnen und Schüler werden angeleitet, wie sie damit umgehen müssen. Diese nutzen die Lernwerkstätten oder -labors während sowie vor und nach dem Unterricht.
  • Ausbau der Arbeit mit Lernplänen, dort wo die Lernplanarbeit noch nicht qualifiziert genug angewandt wird.
  • Ausbau des Methodenlernens als integrierter Teil jeden Fachunterrichts vor allem in den Klassen 7 und 8. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler bekommen neben dem Fachwissen vermittelt, wie sie zum Beispiel erfolgreich recherchieren, präsentieren und aus einer Flut von Informationen auswählen können.
  • Zusammenarbeit mit Experten, zum Beispiel Förderzentren

Viele Anträge beziehen sich nicht nur auf ein Angebot beziehungsweise Projekt, sondern umfassen ein Mix aus den oben genannten Beispielen.

Aufgrund der jeweils zum Teil sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen einer Schule, sei es durch die Zusammensetzung der Schülerschaft, der Lehrkräfte, der Örtlichkeiten oder des traditionellen Selbstverständnisses einer Schule müssen die Förderkonzepte auch jeweils sehr individuell gestaltet werden. Dies wird bei der Bewilligung der Unterstützung durch den Förderfonds berücksichtigt.

Verfahren

Das Ministerium für Bildung und Frauen schließt in Verbindung mit der Bewilligung eines Antrages mit jeder Schule eine Zielvereinbarung, in der auch konkrete Indikatoren enthalten sind (Sitzenbleiber-Quote, Leistungserfolge der Schülerinnen und Schüler). Die Bewilligung gilt jeweils nur für ein Jahr und muss für eine Fortschreibung erneut zum nächsten Schuljahr beantragt werden. Maximal wird ein Projekt für drei Jahre bewilligt (Anschubfinanzierung).


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