Erstes Deutsch-Französisches Geschichtsbuch erschienen
Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau MdL und Gerald Chaix, Rektor der Akademie Straßburg, haben am Donnerstag (14. September) in Freiburg das erste Deutsch-Französische Geschichtsbuch vorgestellt. Der erste von drei Bänden trägt den Titel "Europa und die Welt seit 1945" und ist im Klett Verlag erschienen.
14.09.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-WürttembergRau bezeichnete das Schulbuch als einen "Meilenstein der europäischen Integration". Das Projekt sei ein "starkes politisches Signal für den Willen zur Zusammenarbeit mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende". Mit dem Ansatz, die Geschichte aus der Sicht des jeweils Anderen zu betrachten, habe man Neuland betreten und somit eine erweiterte Lesart der Geschichte ermöglicht, sagte Rau. Der Minister betonte, dass die jeweilige nationale Geschichte von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in Be-ziehung zur Geschichte des Nachbarlandes gesetzt werde, ohne dass dabei die Unverwechselbarkeit der nationalen Traditionen eingeebnet würde. So lassen deutsch-französische Perspektivenwechsel die geschichtlichen Ereignisse in beiden Ländern nicht als isolierte Nationalgeschichten erscheinen, sondern beziehen sie problemorien-tiert aufeinander und ordnen sie in den europäischen Kontext ein.
Am 23. Januar 2003 hat das deutsch-französische Jugendparlament anlässlich des 40. Jahrestags des Elysée-Vertrags in einem Schlussdokument angeregt, ein gemeinsames deutsch-französisches Geschichtsbuch mit identischem Inhalt für beide Länder zu entwickeln. Zu den umfangreichen Vorbereitungen für dieses Projekt zählte die Erstellung einer Synopse der zu berücksichtigenden 17 verschiedenen Lehrpläne.
Eine binationale Arbeitsgruppe, bestehend aus Gerald Chaix, Rektor an der Akademie Straßburg, Mitgliedern der Schulverwaltungen beider Staaten sowie Wissenschaftlern, die sich in besonderer Weise um die Erforschung der deutsch-französischen Geschichte verdient gemacht haben, hat die Projektbeschreibung mit dem didaktischen Konzept und einer kommentierten Inhaltsübersicht für alle drei Bände erarbeitet. Die besondere Aufgabenstellung lag dabei auf der Berücksichtigung der unterschiedlichen Traditionen in der didaktischen Aufbereitung. So wird in den französischen Lehrbü-chern ein deutlicherer Akzent auf die Vermittlung von Faktenwissen gelegt, als dies in deutschen Lehrbüchern der Fall ist. Ein Beispiel dafür sind die Bilanz-Kapitel, die die geschichtlichen Fakten noch einmal kurz zusammenfassen.
Studiendirektor Dr. Andreas Griesinger, Fachleiter für Geschichte im Regierungspräsidium Freiburg, erörterte die Einsatzmöglichkeiten des Schulbuches im Unterricht: "Das Buch liefert sowohl für eine vergleichende Betrachtung der deutsch-französischen Ge-schichte nach 1945 als auch für universalgeschichtliche Fragestellungen Arbeitsmaterialien, die sich nicht zuletzt für einen Fächer verbindenden Unterricht gut eignen. Ge-meinsame Unterrichtsprojekte zwischen Geschichte und Französisch, Englisch, Deutsch, Gemeinschaftskunde, Religion und Ethik werden dadurch ermöglicht."
"Europa und die Welt seit 1945" deckt die Lehrpläne aller 16 bundesdeutschen Länder und Frankreichs so ab, dass das Buch in Frankreich und in allen Ländern der Bundes-republik zugelassen werden konnte. Die Schulen selbst entscheiden jedoch, ob sie das Buch anschaffen und im Oberstufen-Unterricht einsetzen wollen. Jedes allgemein bildende und berufliche Gymnasium, die Technischen- und Wirtschaftsoberschulen in Baden-Württemberg sowie die Seminare für Didaktik (Gymnasien und berufliche Schulen) erhalten jeweils zwei Ansichtsexemplare des Buchs.
Auf den ersten Band folgt im nächsten Jahr ein Buch für die Klassen 11 und 12, das die Veränderungen des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg zum Gegenstand hat. Der dritte und letzte Band, der 2008 erscheinen wird, ist für die Klassen 10 und 11 konzipiert und behandelt die Zeit von der griechischen Demokratie bis zur Revolution von 1789.
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