GEW zur Forderung der Wirtschaft für bessere Lehrer im Saarland
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Landesverband Saarland, teilt die Position der Industrie und Handelskammer (IHK) des Saarlandes, dass eine Reform der Lehrerausbildung dringend erforderlich sei. GEW-Landeschef Klaus Kessler sagte: "Die IHK Saar hat richtig erkannt, dass wir weg kommen müssen von der schulformbezogenen Lehrerausbildung. Die GEW fordert seit Jahren eine Stufenausbildung für Lehrkräfte, die sich am Entwicklungsstand der Schüler orientiert und nicht an einzelnen Schulformen." Auch die Forderung nach mehr Praxis während der universitären Ausbildung wird von der GEW unterstützt. Zur Reform der Lehrerausbildung gehört nach Ansicht von Klaus Kessler auch eine Erhöhung der verpflichtenden Schulpraktika während des Universitätsstudiums. "Die Lehramtsstudierenden müssen schon früh Erfahrungen sammeln können, ob sie für diesen schwierigen Beruf auch geeignet sind", sagte der GEW-Chef.
13.04.2005 Saarland Pressemeldung GEW SaarlandKlaus Kessler begrüßte ausdrücklich die Forderung der IHK, dass die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher zukünftig auf Hochschulniveau erfolgen soll und ebenso die Forderung nach einem flächendeckenden Angebot von Ganztagsschulen mit pädagogischem Fachpersonal. "Dies sind Positionen, die aus dem Grundsatzprogramm der GEW abgeschrieben sein könnten", sagte der Gewerkschafter, "zudem wird die Politik der Landesregierung durch die IHK klar abgewatscht."
Neben einer Zustimmung in den genannten Punkten äußert die GEW aber auch Kritik: Einen Wettbewerb einzelner Schulen um die immer knapper werdenden Lehrkräfte lehnt die GEW ab, da dies zu einer Verzerrung in der Personalausstattung der Schulen je nach Standort und Konzeption führen kann. Klaus Kessler sagte dazu: "Die Schulen brauchen zwar mehr Mitbestimmung bei der Personalzuweisung, eine zentrale Steuerung ist aber aus Gerechtigkeitsgründen erforderlich. Mehr Eigenverantwortung und Wettbewerb um die besten pädagogischen Konzepte sind für eine positive Schulentwicklung sicherlich sinnvoll."
Ausdrücklich abgelehnt wird der Vorwurf der Wirtschaft, dass eine zunehmende Zahl von Jugendlichen nicht ausbildungsfähig sei. Immerhin habe die Landesregierung durch die Einführung von zentralen Abschlussprüfungen für den Hauptschulabschluss und den mittleren Bildungsabschluss eine Forderung der Wirtschaft erfüllt, um die Qualität der Schulabschlüsse aufzuwerten. Für die Misere am Ausbildungsstellenmarkt sind nicht die Jugendlichen verantwortlich zu machen, sondern diejenigen, die zu wenig oder gar keine Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen.
Abschließend kritisierte Klaus Kessler: "Wer kein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsplätzen bereit stellt und dafür auch noch die jugendlichen Schulabgänger verantwortlich macht, verhält sich heuchlerisch."
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