Grundschulreform zum Scheitern verurteilt?
Immer mehr zeichnet sich ab, dass die groß angekündigten Reformen im Grundschulbereich in der Praxis so nicht umgesetzt werden können. Nach der Mitgliederversammlung der Grundschulen in der Region Reinickendorf bestätigen auch die Erkenntnisse aus dem Bezirk Neukölln sämtliche Befürchtungen.
28.09.2005 Berlin Pressemeldung GEW BerlinDer GEW-Vorsitzende des Bezirks Neukölln, Robert Peiser: "Die Vielzahl der neuen Anforderungen (vorgezogene Einschulung, verlässliche Halbtagsgrundschule, Hortverlagerung, flächendeckende Lernstandsanalysen etc. etc. ) führt an den Schulen nicht zu dem erwünschten Reform- und Aufbruchsklima. Der Versuch, nach unzureichender Vorbereitung und mit ungenügender Ausstattung den Anforderungen gerecht zu werden, erzeugt stattdessen Hektik und Unruhe im Schulalltag. Die Belastungsgrenze ist bei vielen Kolleg/innen überschritten."
Zwei Beispiele mögen das verdeutlichen. Die Konzeption des Senats fordert, dass Lehrer/innen und Erzieher/innen sich ergänzen und den Schulvormittag gemeinsam unter dem Dreiklang "Unterrichten / Erziehen / Betreuen" gestalten. Aber weder die zeitlichen Ressourcen für Planung und Nachbereitung noch die nötige personelle Ausstattung sind vorhanden: Aufbewahren und Verwalten statt pädagogischer Arbeit - mehr ist trotz aller Anstrengungen in der Praxis vielerorts nicht drin. Für alle Schulanfänger/innen soll bis zu den Herbstferien eine "Feststellung der Lernausgangslage" vorliegen. Das vorgeschlagene Testverfahren, aus Brandenburg übernommen, entspricht in keiner Weise dem Wort- und Erfahrungsschatz gerade der Kinder aus Neuköllner sozialen Brennpunktschulen. Das zeitaufwendige Erhebungsverfahren, das zu den sonstigen Belastungen noch dazu kommt, kann also nicht die gewünschten Resultate für eine weitere gezielte Förderung erbringen. Außerdem wird es von den Kolleg/innen als Hohn empfunden, da die Ressourcen für eine gezielte Förderung ohnehin nicht vorhanden sind.
Die Vorsitzende der GEW BERLIN, Rose-Marie Seggelke: "Die Reformen im Grundschulbereich wurden überstürzt in Gang gesetzt und können so nicht greifen. Die Ankündigung des Senators, endlich eine Konferenz über die Zustände im Grundschulbereich einzuberufen, ist das Eingeständnis des drohenden Scheiterns! Noch ist es nicht zu spät. Die Konferenz kann dann positive Ergebnisse bringen, wenn an den Schulen tätige Lehrkräfte und Erzieherinnen an ihr teilnehmen. Sämtliche Probleme müssen auf den Tisch kommen und die Forderungen der Kolleginnen und Kollegen vor Ort bei der vom Senator angekündigten 'Nachjustierung' berücksichtigt werden."
Für weitere Nachfragen, auch zur Nennung von Ansprechpartner/innen an den Schulen, stehen Ihnen zur Verfügung:
Robert Peiser (Vorsitzender der GEW Neukölln) Tel: 861 4384
Jürgen Schulte Tel: 90 26 68 08
Gudrun Genschow Tel: 68 09 23 27 / 833 52 94
Christiane Pfafferott Tel: 693 89 79
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