Hauptsache, wir haben darüber geredet
"Die Vorschläge zum Umgang mit den vom Lehrerkollegium der Berliner Rütli-Schule formulierten Problemen werden von Politikerinnen und Politikern in der üblichen ritualisierten Weise vorgetragen, indem sie sich gegenseitig die Schuld an der Misere in die Schuhe schieben und altbekannte vermeintliche Patentrezepte wiederholen", erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW). " Das signalisiert eher Hilflosigkeit als die Bereitschaft, die Probleme wirklich anzupacken. So wird das Thema einmal hoch gekocht, um es dann wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen."
03.04.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRWNatürlich ist es richtig, dass Kinder mit anderer Muttersprache frühzeitig so gefördert werden müssen, dass sie dem Unterricht folgen können, sobald sie schulpflichtig werden. Das kann aber nur der nächsten Generation von Kindern helfen. Einem Lehrerkollegium wie dem der Berliner Rütli-Schule und den Schülerinnen und Schülern, die jetzt in den Schulen sind, helfen solche ritualisierten Ankündigungen wenig.
Niemand kann auch ernsthaft etwas dagegen haben, dass mehr Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen an Schulen in sozialen Brennpunkten eingesetzt werden. Dass es von Vorteil ist, wenn diese Sozialpädagogen die Muttersprache der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sprechen, dürfte auch niemand ernsthaft in Zweifel ziehen.
Spätestens seit der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie im Dezember 2001 ist bekannt, dass etwa ein Viertel unserer Jugendlichen sozusagen durch die Maschen unseres Schulsystems fällt und keinerlei Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben wird. Bekannt ist auch, dass dieses Problem zwar nicht ausschließlich, aber doch in großem Maße Jugendliche mit Migrationshintergrund betrifft. Auf Gedeih und Verderb wird aber wider besseren Wissens ein Schulsystem verteidigt, das einen so großen Teil der Jugendlichen zu Versagern macht.
"Es ist nicht damit getan, häppchenweise Ankündigungen zu einzelnen Aspekten zu machen und diese dann unkoordiniert umsetzen zu wollen oder schlimmstenfalls wieder zu vergessen, wenn sich der erste Wirbel wieder gelegt hat", so Beckmann abschließend. "Wir brauchen komplexe Antworten auf komplexe Probleme. Dazu gehört vor allem eine hinreichende und detaillierte Analyse der Problematik, bei der keine Frage zum Tabu erklärt werden darf, auch nicht die Schulstrukturfrage. Es muss auch ehrlich darüber diskutiert werden, was seit dem Erscheinen der ersten PISA-Studie tatsächlich getan bzw. mit dem Hinweis auf leere Kassen unterlassen worden ist."
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