Ungerechtes Bildungssystem: Arbeiterkind und Chefarztkind brauchen gleiche Chancen

"Die soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem ist einer demokratischen Gesellschaft zutiefst unwürdig. In keinem westlichen Industriestaat ist die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg bei Kindern so groß wie in Deutschland", bemerkte Dr. Kai Niemann, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Montag, 31. Oktober 2005, zu den jüngsten PISA-Auswertungen. "Bei gleicher schulischer Leistung muss ein Arbeiterkind die gleichen Chancen haben wie ein Chefarztkind. Um dies zu erreichen, brauchen wir gezielte Förderprogramme für benachteiligte Schülergruppen und höhere Bildungsausgaben."

31.10.2005 Schleswig-Holstein Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

"Es wird höchste Zeit die gesellschaftliche Schere bei den Bildungschancen zu schließen. Was nützt es uns, wenn die Leistungen an den Gymnasien besser werden, wir aber gleichzeitig die Hauptschülerinnen und –schüler noch weiter abhängen?" , fragte der GEW-Landesvorsitzende. Für eine bessere individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler biete sich die Einführung "echter" Ganztagsschulen an. Gerade in diesen Schulen bestünde die Möglichkeit, benachteiligte Kinder besonders zu fördern. Kinder aus sozialschwachen Elternhäusern, deren Eltern sich nicht in ausreichendem Maße um sie kümmerten, bekämen bessere Chancen, ihre Bildungspotentiale zu nutzen.

Aus Sicht des GEW-Landesvorsitzenden müsse auch darüber nachgedacht werden, die Kinder in Deutschland über das vierte Schuljahr hinaus gemeinsam zur Schule gehen zu lassen. "Länder mit längerem gemeinsamen Lernen wie unsere skandinavischen Nachbarn Finnland und Schweden machen es uns vor. Sie erzielen wesentlich bessere Ergebnisse in der Breite und in der Spitze. Chancengleichheit und hohes Leistungsniveau schließen sich keineswegs aus."

Ein konsequenter Ausbau der frühkindlichen Bildung sowie eine bessere Lehreraus- und Lehrerfortbildung seien ebenfalls unumgänglich. "Wer das alles aber ernsthaft in Angriff nehmen will, muss die Bildungsausgaben in erheblichem Umfang erhöhen."

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GEW Schleswig-Holstein

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