Ahnen: Bildung in Kindertagesstätten erhält einen neuen Qualitätsschub
Eine noch bessere Erziehung und Bildung in den Kindertagesstätten – dieses Ziel verfolgt ein landesweites Fortbildungsprogramm für Erzieherinnen und Erzieher im Rahmen der Landesinitiative "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an".
05.12.2005 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-PfalzBildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen unterstrich: "Das Land wird die Fortbildung nicht nur künftig mit zusätzlichen zwei Millionen Euro jährlich finanziell unterstützen, wir wollen auch gemeinsam mit allen Beteiligten inhaltlich neue Wege gehen." Deshalb hätten sich die Landesregierung, die beiden großen Kirchen sowie die LIGA der Spitzenverbände der Wohlfahrtsorganisationen als freie Trägerorganisationen von Kindertagesstätten im Land, die kommunalen Spitzenverbände, die Gewerkschaften für Erzieherinnen und Erzieher und der Landeselternausschuss für Kindertagesstätten (LEA) gemeinsam auf eine Vereinbarung mit einem Fortbildungscurriculum verständigt, das mit einem bundesweit einmaligen Fortbildungszertifikat für Erzieherinnen und Erzieher verbunden werde.
"In den Kindertagesstätten wird insgesamt eine sehr gute Arbeit bei der Erziehung und Bildung von Kindern geleistet", stellte Doris Ahnen fest und ergänzte: "Mit der Umsetzung der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen und durch die Herausforderungen des Landesprogramms ,Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an´ ist allerdings eine besondere Verantwortung auf die Erzieherinnen und Erzieher in Rheinland-Pfalz zugekommen. Die gezielte Ausweitung und Intensivierung der Fortbildung wird die Beschäftigten in den Kindertagesstätten dabei unterstützen, diesen Ansprüchen auch gerecht zu werden. Die gemeinsame Vereinbarung zur Umsetzung des landesweiten Fortbildungsprogramms ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Erzieherinnen und Erzieher von allen Seiten in ihrer Arbeit verstärkt unterstützt werden sollen."
Auf der Basis der "Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten", die seit 2004 in den 2.445 Kindertagesstätten landesweit im Einsatz sind, und verstärkt durch das neue Landesprogramm "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an", das ab Anfang 2006 seine volle Wirkung entfaltet, hätten bereits in diesem Jahr etwa 5.000 Erzieherinnen und Erzieher vom Land geförderte Weiterbildungsangebote besucht, stellte die Ministerin fest. Neben zentralen Großveranstaltungen – wie beispielsweise dem "Bildungskongress" im Juli oder der Fachtagung "Ab zwei dabei" im September mit jeweils rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – hätten eine ganze Reihe von regionalen Tagungen und etwa 130 intensive Fortbildungsseminare in allen Teilen des Landes gezeigt, dass in den Kindertagesstätten ein sehr großes Interesse für die aktuellen Themen vorhanden sei. Im Zentrum der Nachfrage stünden dabei Themen wie "Aufnahme von Zweijährigen in den Kindergarten", "Sprachförderung" sowie "Beobachtung und Dokumentation von Bildungs- und Lernprozessen".
Durch die mit der jetzigen Vereinbarung verbundene Einigung auf ein modular aufgebautes Fortbildungscurriculum sei es nun in Rheinland-Pfalz möglich, dass die Angebote verschiedener Träger noch enger auf einander abgestimmt würden, und dass Fortbildung noch gezielter und systematischer in den bereits in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen gemeinsam festgelegten sowie in neuen, mit dem Landesprogramm "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" verbundenen Themenfeldern wahrgenommen werden könne. Um das Zertifikat zu erhalten, seien Veranstaltungen in fünf Modulen verpflichtend zu besuchen, zwei weitere Module könnten Erzieherinnen und Erzieher entsprechend ihren Neigungen und Interessen aus fünf so genannten Wahlmodulen auswählen. Weiterhin umfasse das Curriculum 14 Themenmodule zu den Feldern der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten, von denen zwei belegt werden müssten. Zum Pflichtbereich zählten dabei die Themen "Beobachtung und Dokumentation von Bildungs- und Lernprozessen", "Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz", "Arbeit mit Zweijährigen in der Kindergartengruppe", "Lernmethodische Kompetenz" sowie "Kooperation, Kommunikation und Koordination (mit Schwerpunkten bei der Zusammenarbeit Kindertagesstätte/Grundschule und Kindertagesstätte/Eltern)".
"Neu und bundesweit einmalig wird sein, dass sich Erzieherinnen und Erzieher ihre Fortbildungen jetzt auch zertifizieren lassen können. Das Zertifikatsheft, das jeder Erzieherin und jedem Erzieher in naher Zukunft zur Verfügung gestellt wird, soll deutlich sichtbar das neu erworbene Wissen und das Engagement durch die Teilnahme an Fortbildungen nach außen dokumentieren und damit die gesellschaftliche Anerkennung der Erzieherinnen und Erzieher weiter fördern", unterstrich Doris Ahnen. Das Zertifikat "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" werde erteilt, wenn neben den fünf Pflichtmodulen noch vier weitere Module aus dem Wahl- und Themenbereich erfolgreich absolviert seien.
Nachdem der Landtag am vergangenen Donnerstag das Landesgesetz zum Ausbau der frühen Förderung beschlossen habe, werde das Ministerium in Kürze die Förderrichtlinien zur konkreten Umsetzung des Zwei-Millionen-Euro-Fortbildungsprogramms erlassen, kündigte Bildungs- und Jugendministerin Ahnen an. "Die jetzt geschlossene Vereinbarung ist ein deutlicher Beweis dafür, dass alle Beteiligten am Prozess der frühkindlichen Bildung und Erziehung an einem Strang ziehen. Wie schon bei der gemeinsamen Entwicklung der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen für Kindertagesstätten zeigt sich auch jetzt bei der Fortbildung für Erzieherinnen und Erzieher, dass Bildung von Anfang an bei allen Verantwortlichen für den Kindertagesstättenbereich einen sehr hohen Stellenwert hat."
Die positiven Auswirkungen eines solchen von allen Beteiligten getragenen Vorgehens spiegelten die jetzt vorgelegten ersten Ergebnisse einer Untersuchung zur Umsetzung der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen (BEE-RLP) in den Kindertagesstätten wieder, stellte Doris Ahnen fest. An der von Prof. Dr. Michael-Sebastian Honig und Dr. Norbert Schreiber (beide Universität Trier) durchgeführten Studie beteiligten sich 1.310 Leitungsteams von Einrichtungen. Darüber hinaus wurden 1020 Eltern telefonisch zu ihren Beurteilungen der BEE-RLP befragt und zwar in drei Sprachen (Deutsch, Türkisch oder Russisch); 21 Prozent der befragten Eltern hatten dabei einen nicht-deutschen Sprachhintergrund.
Die ersten Auswertungen der repräsentativen Studie zeigten, dass sich die Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz mit großem Engagement nicht nur mit den BEE-RLP beschäftigt haben, sondern dass sie auch ihre pädagogischen Konzepte auf der Basis der Empfehlungen weiterentwickeln, Fortbildungen besuchen und über die Umsetzung der Empfehlungen im Team diskutieren. So fühlten sich 88 Prozent der Einrichtungen "gut" oder "sehr gut" informiert über die Inhalte der Bildungs- und Erziehungsempfehlungen. 77 Prozent der Kindertagesstätten orientierten sich "stark" oder "sehr stark" an den Empfehlungen. In 87 Prozent der Einrichtungen habe sich das Personal zu speziellen BEE-Themen weitergebildet, wobei die Bereiche "Sprachförderung", "Beobachtung und Diagnose" sowie "Bildungs- und Lerndokumentation" im Vordergrund standen. Knapp die Hälfte der Einrichtungen gab zudem an, die eigene Arbeit habe sich durch die Empfehlungen eindeutig verbessert. Auch auf Seiten der Eltern zeigten sich 88 Prozent der Befragten "sehr zufrieden" bzw. "zufrieden" mit den Kindertagesstätten, die ihre Kinder besuchen. Deutlich wurde dabei, dass die Beurteilung der Kindertagesstätten durch die Eltern umso besser ausfällt, je intensiver sich das jeweilige Team der Kindertagesstätte mit den BEE-RLP auseinandersetzt.
"Diese ersten Ergebnisse zeigen: Wir sind mit den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen auf einem guten Weg", unterstrich die Bildungs- und Jugendministerin. Die Hinweise darauf, wo in der Praxis beispielsweise weiterhin ein vorrangiger Fortbildungsbedarf bestehe und welche Themen im Sinne der Elternwünsche noch verstärkt thematisiert werden sollten, würden im Rahmen des Programms "Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an" und des jetzt vereinbarten Fortbildungskonzepts aufgegriffen, kündigte Doris Ahnen an und verwies darauf, dass der zusammenfassende Bericht der BEE-Begleituntersuchung im Frühjahr 2006 vorgelegt werde.
Keine Kommentare vorhanden