Rechtsanspruch

Ausbau der Kita-Plätze um jeden Preis?

(red) Ab August 2013 hat jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter. Doch wenige Monate vorher ist klar: Längst nicht alle Eltern werden ihren Anspruch einlösen können, weil es viel zu wenig Plätze gibt. Wird es also zum Desaster kommen? Wir haben den Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz, Prof. Dr. Stefan Sell, auf der didacta in Köln dazu befragt.

26.02.2013 Artikel
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Der Ausbau komme wie eine Planierraupe daher, so Stefan Sell. Container würden in Industriegebieten oder an Bundesstraßen aufgestellt, es werde darüber nachgedacht, den Bereich auch für völlig berufsfremde Personengruppen zu öffnen. "Lassen Sie es mich zynisch und in aller Deutlichkeit formulieren", so Sell wörtlich. "Wenn es sich um ältere Kinder handeln würde - wo ich es auch im Grunde auch nicht akzeptieren würde - dann könnte man noch sagen, die damit verbundenen möglichen Schäden wären "überschaubar". Aber hier handelt es sich um ein- und zweijährige Kinder, die Verletzlichsten in der Kette, und gerade dort müssten die anspruchsvollsten Standards realisiert werden, weil man um die besondere Schutzbedürftigkeit der Kinder weiß."

<iframe width="484" height="272" src="http://www.youtube.com/embed/THhdoAXl3T4" frameborder="0" allowfullscreen></iframe> Neben Gebäuden und Räumen, so Sell, fehlen vor allem Fachkräfte. "Der Markt ist in vielen Gegenden - vor allen Dingen in den Großstädten - leergefegt." Und auch bei der Tagespflege gebe es Probleme: "Das hängt auch mit den miserablen Rahmenbedingungen zusammen. So gelten die Tagesmütter noch immer als Billigreserve. Wir brauchen neben einer besseren Vergütung vor allem auch eine unterstützende Infrastruktur, Fachberatung und kollegiale Begleitung. Tagesmütter dürfen nicht vereinzelt auf ihren Inseln arbeiten, sondern eingebunden in ein kommunales Tagespflegemanagement.

Stefan Sell schlägt die Einrichtung einer Kita-Kasse vor, die insbesondere die Kommunen entlasten soll: "Es gibt zwei Hauptnutznießer des Kita-Ausbaus, den Bund und die Sozialversicherung, die durch diese Leistung enorme Einnahmen verbuchen können - Steuern und Sozialversicherungsbeiträge von den arbeitenden Müttern und vom Kita-Personal. Sie sind aber nicht an der Finanzierung der Kitas beteiligt. Wir brauchen ein System, in dem diejenigen, die den meisten Nutzen haben, mit an der Finanzierung beteiligt werden."


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