Bildungsgewerkschaft setzt sich für geschlechterbewusste Pädagogik ein

Für eine geschlechterbewusste Pädagogik in der Lehrerausbildung hat sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eingesetzt. "Lehrkräfte brauchen mehr und bessere Qualifikationen für einen Unterricht, der Jungen und Mädchen gerechter wird", sagte Anne Jenter, für Frauenpolitik verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied am Dienstag in Frankfurt a.M. "Eine Geschlechter gerechte Bildung muss sich am Ziel gleicher Bildungschancen orientieren und Benachteiligungen abbauen."

05.09.2006 Pressemeldung Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Jenter begründete ihre Forderung mit den unterschiedlichen Leistungen von Jungen und Mädchen. Unter dem Strich fielen die Zeugnisse der Mädchen besser aus. Sie seien im sprachlichen Bereich überlegen, Jungen hätten dagegen in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern die Nase vorn.

Jenter wies darauf hin, dass die Leistungen von Mädchen und Jungen aber erst nach der Grundschulzeit auseinander drifteten: "Schlechtere Leistungen der Jungen sind also nicht die Folge davon, dass die Grundschulen fest in weiblicher Hand sind."

Die Gewerkschafterin mahnte drei Konsequenzen an: In der Sekundarstufe I müsse die Unterrichtsorganisation verändert werden. Dabei sollten die Lehrkräfte als Teams für bestimmte Klassen eingesetzt werden, die sich auch um die Entwicklung der Kinder als Jungen und Mädchen kümmern.

Für einen qualifizierten geschlechterbewussten Unterricht müsse die Professionalität der Lehrkräfte weiter entwickelt werden. "Die Qualifikation, nicht das Geschlecht ist entscheidend", sagte die GEW-Sprecherin.

"Trotzdem brauchen wir mehr Lehrer im Erziehungs- und Bildungsbereich. Sie fehlen jedoch auch als Väter im Erziehungsprozess", sagte Jenter. "Wer insbesondere für Kitas und Grundschulen mehr Männer gewinnen will, muss Bezahlung, Aufstiegschancen und Arbeitsbedingungen verbessern. Zudem brauchen wir aktive Väter in allen Schulformen, die Elternzeit und -geld in Anspruch nehmen. Damit erhielten Jungs Lehrer als Vorbilder und Identifikationsfiguren, die die traditionellen Rollen aufbrechen."

Allerdings reiche es nicht, den Blick auf den Schul- und Kitabereich zu werfen. "Die Jungen haben Nachteile bei den Schulabschlüssen, Mädchen und junge Frauen ziehen jedoch bei der Suche nach Ausbildungsplätzen den Kürzeren. Im Berufsleben gibt es längst noch keine Geschlechtergerechtigkeit. Führungspositionen bleiben Frauen in Wirtschaft und Wissenschaft nach wie vor weitgehend verschlossen. Mädchen tun also gut daran, mit ihren guten Schulleistungen ihre schlechteren Berufschancen wenigstens etwas zu verbessern", sagte Jenter.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden