Das Unternehmen 'Schule' besser kommunizieren

(bikl/ja) Wenn nach dem schlechten Abschneiden des deutschen Bildungssystems in der OECD Studie "Bildung auf einen Blick" wieder pauschal an der Qualität des Unterrichts und der Schulen gezweifelt wird, dann bleiben all die Schulen außen vor, die gute Arbeit leisten. Tu Gutes und sprich darüber - ein Leitsatz aus der Öffentlichkeitsarbeit, der bei den Schulen noch kaum gilt. Aber: Schulen werden zunehmend autonomer und selbständiger in ihren Entscheidungen - und das in allen schulischen Bereichen. Viele Schulen nutzen die Chance: Sie entwickeln ein innovatives Schulprogramm, geben sich ein neues Profil und setzen schuleigene Schwerpunkte in der Organisation und Pädagogik um. Eine solche Entwicklung und Veränderung von Schule bedarf einer geeigneten Kommunikation - nach innen wie außen. Der Lehrer und Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit am größten Berliner Gymnasium, Holger Mittelstädt arbeitete vor dem Eintritt in den Schuldienst in einer PR-Agentur und als freier Journalist. Er hat zahlreiche Bücher und Fachaufsätze zum Thema "Schulische Öffentlichkeitsarbeit" verfasst. In unserem Interview erklärt er, warum PR eine Herausforderung für jede Schule ist.

17.09.2004 Artikel
  • © Cornelsen

Öffentlichkeitsarbeit in Schulen - heißt das etwa Pressemitteilungen, Pressekonferenzen und ähnliches zu organisieren?

Mittelstädt: Die Öffentlichkeitsarbeit fängt in der Schule an. Schüler, Lehrer und Eltern müssen als erstes über Vorhaben, Veränderungen und Ziele der Schule informiert werden. Sie sind die besten Multiplikatoren, die besten Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit. Funktioniert die interne Öffentlichkeitsarbeit, ist auch die Pressearbeit erfolgreicher.

Warum sollten Schulen auch externe Öffentlichkeitsarbeit machen?

Mittelstädt: Schule in Deutschland hat, nicht zuletzt durch Pisa und Co. ein Imageproblem. An vielen Stellen wird sehr gute pädagogische Arbeit geleistet. Davon kommt jedoch viel zu wenig in der Öffentlichkeit an. Darüber hinaus entwickeln Schulen eigene Profile und Schulprogramme. Eltern, die für ihre Kinder eine neue Schule suchen, müssen über besondere Angebote informiert werden. Durch zurückgehende Schülerzahlen geht es bei manchen Schulen schon ums Überleben.

Lehrer sind keine PR-Profis..

Mittelstädt: ... aber sie können es - fast - werden. Lehrer haben Pädagogik studiert und sollten wissen, wie Kommunikation funktioniert. Es gibt viele Tipps und Hilfestellungen, mit denen Lehrer, die sich für Medien und Werbung interessieren, gute PR-Macher für ihre Schulen werden können. Diese vermittle ich mit Erfolg in meinen Seminaren.

Welche Tipps geben Sie Pädagogen mit auf den Weg?

Mittelstädt: Öffentlichkeitsarbeit braucht einen langen Atem und Kontinuität. Nach den ersten Misserfolgen sollte man nicht die Flinte ins Korn werfen. Ebenso ist Aktionismus wenig hilfreich. Schulische Öffentlichkeitsarbeit braucht eine den Schulzielen angepasste Konzeption, die festlegt, was wir erreichen wollen. Und Öffentlichkeitsarbeit macht, das ist auch ganz wichtig, viel Spaß. Sie bietet Lehrern die Gelegenheit, auch einmal einen Blick über den Tellerrand der Schule zu werfen.

"Öffentlichkeitsarbeit an Schulen" heißt das nächste Seminar von Holger Mittelstädt. Es findet findet am 29./30. Oktober 2004 in der Cornelsen Akademie in Stuttgart statt.

Weiterführender Link

www.cornelsen-akademie.de


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