GEW Rheinland-Pfalz

Erziehungsfachkräfte am Limit

Vor über 500 Erziehungsfachkräften aus den Kindertagesstätten des Landes, die heute auf Einladung der GEW in den Räumen der Universität Koblenz-Landau in Koblenz an einer Fachtagung zum Thema Gemeinsam leben und lernen in der Kita teilgenommen haben, forderte die stellvertretende Landesvorsitzende der GEW Rheinland-Pfalz, Sabine Weiland, die pädagogischen Rahmenbedingungen in den Einrichtungen deutlich zu verbessern und dem grassierenden Fachkräftemangel offensiver zu begegnen.

20.09.2012 Pressemeldung GEW Rheinland-Pfalz

Die Arbeit in den Kindertagestätten spiele für die Bildungsbiografien der Kinder sowie für eine erfolgreiche Entwicklung inklusiver Bildung eine Schlüsselrolle. Diese Ansicht werde von den Fachwissenschaften untermauert und von der Politik durchaus auch so gesehen, an geeigneten Umsetzungsmaßnahmen mangele es jedoch. Die GEW fordert, die Kindertagesstätten in die Lage zu versetzen, wichtige Aufgaben wie eine qualifizierte Sprachförderung oder die individuelle Begleitung der Kinder in ihren Lernprozessen umsetzen zu können. Dies gelte gerade auch im Hinblick auf den Rechtsanspruch auf einen Kindertagesstättenplatz für einjährige Kinder ab dem Jahr 2013 sowie vermehrte Bestrebungen um eine inklusive Bildungslandschaft.

Die stellvertretende GEW- Landesvorsitzende forderte in diesem Zusammenhang, das Personal in den Kindertagesstätten aufzustocken. "Regelmäßige Kontakte zwischen Erziehungsfachkräften, Eltern und Grundschulen sowie das Erarbeiten neuer konzeptioneller Grundlagen sind mit dem Personalschlüssel, wie wir ihn vielerorts vorfinden, nicht leistbar", argumentierte Weiland. Auch sollten nach Auffassung der GEW bessere Stundenkontingente für Leitungstätigkeiten bereitgestellt werden. "Wie sollen Kolleginnen und Kollegen, die eine Kindertagesstätte leiten, ihren vielfältigen Leitungsaufgaben gerecht werden können, wenn für diese Tätigkeiten überhaupt keine oder jedenfalls keine ausreichende Zeit im Personalschlüssel vorgesehen ist?", fragte Weiland.

Während die Erziehungsfachkräfte weiterhin sehr motiviert an neuen pädagogischen und organisatorischen Konzepten arbeiteten, vor allem, um zukünftig mehr kleinere Kinder aufnehmen und erfolgreich betreuen zu können, sieht die GEW das Land und die Träger von Kindertageseinrichtungen in der Pflicht. Diese müssten umgehend die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen schaffen, um kleinere Gruppen und zusätzliches Personal zu ermöglichen.

Als besonderes Problem nannte Weiland in diesem Zusammenhang den vielerorts noch unterschätzten Fachkräftemangel. "Die Rahmenbedingungen reichen ja bei voller Besetzung hinten und vorne nicht. Wenn dann noch Stellen nicht besetzt werden, können die Angebote in der nötigen Qualität und Quantität nicht umgesetzt werden." Weiland verwies in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Umfrage der GEW, der zufolge die Arbeits- und Betreuungsbedingungen in Kindertagesstätten als Folge des Fachkräftemangels erheblich litten. "Besonders betroffen macht uns", so Weiland weiter, "dass mehr als 70% der rückmeldenden Kindertagesstätten von steigenden physischen und psychischen Belastungen berichten, die zu abnehmender Arbeitszufriedenheit und ständig steigendem Krankenstand führen. Dieser kann nicht aufgefangen werden und führt wiederum zu erhöhter Arbeitsbelastung. Das ist eine gefährliche Abwärtsspirale."

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, forderte Weiland die Landesregierung auf, schnell weitere konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher dürfe dabei allerdings nicht verschlechtert und ein Seiteneinstieg in den Beruf nur zugelassen werden, wenn die Bewerberinnen und Bewerber für diesen Beruf geeignet seien und entsprechend qualifiziert würden. Im Hinblick auf den neuen Schulversuch über eine duale ErzieherInnen-Ausbildung forderte Weiland, dass die angehenden Erzieherinnen und Erzieher keinesfalls auf den Personalschlüssel angerechnet werden dürften. "Darüber hinaus", so Weiland weiter, "benötigen die anleitenden Fachkräfte in den Einrichtungen für diese Arbeit entsprechende Zeitkontingente."

Abschließend erteilte Weiland Bestrebungen, den Fachkräftemangel durch Aufweichung der Rahmenbedingungen wie Gruppengrößen und Qualifikation der Fachkräfte zu beheben, eine klare Absage.

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