Die nächsten 1000 Tage
Auf der ganzen Welt arbeiten Forschungseinrichtungen daran, Frühe Bildung besser zu machen. Eines davon ist das National Institute for Early Education Research in den USA. Meine Kita stellt jüngste Forschungsergebnisse des Institutes vor. Von Vincent Hochhausen
11.07.2025 Bundesweit Artikel Meine KitaUnterschätzt, aber entscheidend: „The next 1000 days“
Dass die ersten 1000 Tage des Lebens für die Entwicklung von Kindern sehr wichtig sind, ist allgemein anerkannt. Eine Serie von Artikeln in der Wissenschaftszeitschrift „The Lancet“ von Ende 2024 rückte den Fokus auf die „next 1000 days“ im Leben von Kindern, also die nächsten 1000 Tage: in etwa das Alter von 3 bis 5 Jahren. An den Artikeln waren auch Forscher des NIEER, National Institute for Early Education Research, beteiligt. In der Serie geht es einerseits darum, wie die Betreuung, Bildung und Versorgung von Kinder in diesem Alter weltweit aussieht, und andererseits darum, welche gesellschaftlichen Kosten durch unzureichende Gestaltung dieser zweiten 1000 Tage verursacht werden. Das Autorenteam kommt zu dem Ergebnis, dass 180 Millionen Kinder im Alter von 3 bis 4 Jahren in ärmeren Ländern keine hochwertige Bildung und Betreuung erfahren. Ihre Entwicklung sei damit gefährdet.
„National Institute for Early Education Research“
- gegründet 2002
- angesiedelt an der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey
- Ziel: unabhängige, forschungsbasierte Analysen und fachliche Unterstützung zur Verbesserung der Frühen Bildung
- Forschungsschwerpunkte: Entwicklung von Forschungsinstrumenten zum Beispiel zur Prognose von Bildungskosten oder zum Entwicklungsstand von Vorschulkindern, Politikberatung, fachliche Unterstützung von Bildungsträgern, frühkindliche Entwicklung, exzellente vorschulische Bildung
In einem weiteren Beitrag werden die Kosten dieser Versäumnisse berechnet: Diese könnten laut dem Autorenteam zwischen 8- und 19-mal höher liegen, als die Bereitstellung hochwertiger Bildung und Betreuung kosten würde. Für Milagros Nores, Forscher am NIEER und Co-Autor des Berichtes, unterstreichen die Erkenntnisse die Wichtigkeit dieser Altersstufe: „Familien weltweit müssen dabei unterstützt werden, jungen Kindern angemessene und fördernde Betreuung zu bieten. Das schließt den gleichberechtigten Zugang zu hochwertiger früher Bildung und Betreuung ein, ebenso wie sichere, unterstützende und stimulierende Umgebungen, Schutz vor körperlichen Strafen, gute Ernährung, allgemeine Entwicklungsuntersuchungen sowie finanzielle Unterstützung gefährdeter Bevölkerungsgruppen.“
Überlastung der Fachkräfte auch in den USA
Kita-Fachkräfte in Deutschland sind so überlastet, dass viele von ihnen über einen Berufswechsel nachdenken. Das belegte jüngst die Studie „Regelmäßige Überlastung durch personelle Unterbesetzung“ der Justus-Liebig-Universität Giessen und der Bertelsmann Stiftung. Dass diese Überlastung kein rein deutsches Phänomen ist, zeigt eine groß angelegte Befragung des NIEER unter Fachkräften für Inklusion in den USA. Diese werden in den USA unter dem Kürzel EI/ECSE zusammengefasst, das steht für „Early Intervention/Early Childhood Special Education“.
Dabei zeigte sich, dass die Fachkräfte zwar überwiegend gut qualidziert sind, aber über Stress, geringe Bezahlung und hohe Arbeitsbelastung klagen. So gaben 40 Prozent der befragten EI/ECSE-Fachkräfte an, in den nächsten fünf Jahren ihre Profession verlassen zu wollen. Rund ein Viertel hatte in den vergangenen sechs Monaten bereits nach einer anderen Beschäftigung gesucht. Im Durchschnitt sind die befragten Fachkräfte für 16 bis 18 Kinder zuständig. Ein weiteres Ergebnis: EI/ECSE-Fachkräfte in den USA sind überwiegend weiß, weiblich und rein englischsprachig. Sie sind damit wesentlich homogener als die Familien und Kinder, mit denen sie arbeiten.
Dieser Artikel ist zuerst im Magazin Meine Kita Ausgabe 2/2025, S. 24f. erschienen: https://www.avr-emags.de/emags/Meine_Kita/Meine_Kita_02_2025/#26
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